Das mit Spannung erwartete Rededuell beim politischen Aschermittwoch zwischen CSU-Chef Horst Seehofer und seinem Herausforderer bei der Landtagswahl, Christian Ude (SPD), fällt aus. Mit Rücksicht auf seine neue Funktion als kommissarischer Bundespräsident verzichtet Seehofer auf die Hauptrede in der Passauer Dreiländerhalle. Die wird auf Wunsch von Seehofer nun ein anderer halten: Edmund Stoiber.

Der politische Aschermittwoch gilt als große Stammtisch-Veranstaltung - entsprechend derb und grob wird der Gegner attackiert. Im CSU-Präsidium wurden am Samstag Zweifel laut, ob sich Seehofers neue Aufgabe als Übergangs-Bundespräsident - bis ein Nachfolger für Christian Wulff gewählt ist - mit einem solchen Auftritt vereinbaren ließe. Seehofer kündigte danach an, dass er zwar sprechen, die ursprünglich geplante Rede aber entschärfen werde.
Die Attacken auf den Gegner soll Stoiber übernehmen. Stoiber war nach Angaben seines Sprechers "überrascht worden" von dieser Idee, erst am Sonntag sagte er zu. Wenn die CSU ihn um Unterstützung bitte, sehe er sich "in der Verantwortung", ließ Stoiber mitteilen. Er lehnt es jedoch ab, für Seehofer den Ausputzer zu geben. "Die Auseinandersetzung mit den politischen Konkurrenten bleibt natürlich Aufgabe aktiver Politiker." Er werde "grundsätzliche Anmerkungen zur politischen Lage machen". Für Stoiber bedeutet der Auftritt fünf Jahre nach seinem Sturz noch einmal die ganz große Bühne.
CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt sagte: "Zum 60. Jubiläum des politischen Aschermittwochs steigen damit die zwei politischen Ausnahmeathleten der CSU in die Passauer Arena." Die SPD reagierte erfreut. Parteichef Florian Pronold hatte bereits am Freitag Seehofer aufgefordert, sich zurückzunehmen. Dass Stoiber auftritt, nannte Pronold jedoch einen "Ausdruck der Verzweiflung".
Pronold kündigte zurückhaltendere Töne bei der Kundgebung der SPD in Vilshofen an. Nachdem Christian Ude ohnehin erklärt hatte, "auf den Holzhammer" bei der Auseinandersetzung verzichten zu wollen, will sich auch Pronold mäßigen. "Wenn Seehofer sich nicht wehren kann, werde ich auch die eine oder andere Spitze in meiner Rede streichen", sagte er. Als Kurzzeit-Bundespräsident wird von Seehofer Überparteilichkeit erwartet.
In Vertretung für Wulff nimmt Seehofer beispielsweise am Donnerstag an der Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt teil. Auftritte wie 2011 verbieten sich daher. Damals hatte Seehofer Grüne und Linkspartei als "Partei der Steinewerfer" sowie als "Partei der Stasi-Kommunisten" für seine Verhältnisse heftig attackiert und erklärt, die CSU werde "bis zur letzten Patrone" gegen Zuwanderung in Sozialsysteme kämpfen.