Politischer Aschermittwoch SPD: Steinbrück präsentiert sich volksnah

Für die SPD ist der Tag in Vilshofen ein Erfolg. Das große, volle Zelt, das ist die eigentliche Botschaft ihres politischen Aschermittwochs. Größer angeblich als die Halle der CSU im zwanzig Kilometer entfernten Passau. "Das ist die größte politische Aschermittwochsveranstaltung, die Bayern je gesehen hat", sagt Generalsekretärin Natascha Kohnen dann auch zur Begrüßung.

Als Erfolg kann man wohl auch verbuchen, dass keiner der Redner einen Bock schießt, immerhin ist Peer Steinbrück zu Gast. Der Kanzlerkandidat aus Norddeutschland mit dem trockenen Humor schlägt sich erstaunlich gut in der niederbayerischen Provinz. Seine Rede ist kurzweilig und der Ex-Finanzminister spricht nicht nur über Banken, sondern streift alle aktuellen politischen Themen und präsentiert sich seriös und selbstbewusst ("Ich spiele nicht auf Platz, ich setze auf Sieg"). Bei den nicht gerade erfolgsverwöhnten Genossen in Bayern kommt das gut an. Zum Schluss gibt sich Steinbrück dann auch noch volksnah, schreibt Autogramme, plaudert mit den Anhängern, nimmt sich Zeit für Schnappschüsse.

Dass auch Christian Ude gut ankommt in Niederbayern, war zu erwarten. Seine Rede, die sehr ins Detail geht, wirkt an manchen Stellen allerdings fast ein wenig zu intellektuell für ein Bierzelt. Die Inszenierung funktioniert trotzdem. Die "Ude-Ude"-Sprechchöre sind durchaus eindrucksvoll und der Kandidat scheint sich dieses Mal deutlich wohler bei seinem Aschermittwoch-Auftritt zu fühlen - auch wenn Glanzstücke seiner Rede eher nicht in Erinnerung bleiben werden. Immerhin zeigt die Reaktion, dass Ude auch außerhalb der Landeshauptstadt Heimspiele haben kann.

Durchaus gut gelaufen also für die SPD. Ein außergewöhnliches Highlight ist dieser politische Schlagabtausch aber nicht. Gerade, was die Hemdsärmeligkeit angeht, könnten vor allem die bayerischen Genossen durchaus noch ein wenig zulegen.

Angriffslustigster Satz: "Schwarz-Gelb ist so beliebt wie Blinddarm-Entzündung und Wurzelbehandlung auf einmal." (Peer Steinbrück)

Überzeugendster Auftritt: Steinbrück, dem viele in Vilshofen so viel Volksnähe und Bierzelttauglichkeit gar nicht zugetraut hätten. ("Dann kann ich es ja kurz machen: Wählt am 15. September Christian Ude, wählt am 22. September mich, dann wünsche ich euch noch einen schönen Tag, bringt mehr Bier rein.")

Peinlichster Moment: Bayerns SPD-Chef Pronold zeigt einen Kalender, den Verkehrsminister Ramsauer als Geschenk "auf Kosten der Steuerzahler" verschickt habe. Darauf ist riesengroß Ramsauer selbst abgebildet. Zum Bravo-Starschnitt habe es wohl nicht gereicht, bemerkt Pronold. Vielleicht ist der eher farblose Pronold einfach ein bisschen neidisch.

Text: Beate Wild