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Politischer Aschermittwoch:Söder lässt sich als wahrer Anführer der Union huldigen

CSU's traditional Ash Wednesday meeting in Passau

"Ohne die CSU wird es keinen Kanzlerkandidaten geben": In Passau beherrscht Söder die Bühne.

(Foto: REUTERS)
  • In Passau beim politischen Aschermittwoch lässt sich Markus Söder von seinen CSU-Anhängern feiern.
  • Zu möglichen Kanzlerambitionen sagte er: "Mein Platz ist in Bayern und nicht in Berlin."
  • Zur Frage, wer den CDU-Vorsitz übernehmen soll, sagte Söder, die Schwesterpartei möge sich an seiner sittsam-stilvollen Stabübernahme von Horst Seehofer orientieren.

Bevor es bei diesem Aschermittwoch der CSU um das große Berliner Unionstheater geht, kommt ein kleiner, aber bemerkenswerter Einakter zur Aufführung. Hauptdarsteller ist Andreas Scheuer, der mautgeplagte Bundesverkehrsminister, der daheim in Passau Zuflucht vor der Unbill sucht, die er in der Hauptstadt erdulden muss. Scheuer springt also mit der Dynamik des Mobilitätsexperten auf die Bühne der Dreiländerhalle, wo er ein Grußwort halten soll. Matter Applaus, Buhrufe, Pfiffe. Pfiffe - für einen Niederbayern in Niederbayern, und das am Aschermittwoch, wo sich bei der CSU die Treuesten der Treuen versammeln.

Sehr, sehr tapfer redet Scheuer darüber hinweg, am Ende bekommt er sogar Beifall für zünftige Linkenbeschimpfungen. Aber auch er dürfte wissen, was diese Szene für seine eh schon prekären Kabinettsperspektiven bedeutet.

Der Aschermittwoch, wird CSU-Chef Markus Söder später erläutern, sei keinesfalls "die Fortsetzung des Faschings mit anderen Mitteln", sondern eine im Kern doch irgendwie ernste Angelegenheit, was zumindest insoweit stimmt, als dort alljährlich die Beliebtheit der Parteigrößen an der Publikumsreaktion vermessen wird. Was die 4100 Besucher (offizielle CSU-Zählung: "gefühlt 10 000") am Mittwochvormittag Scheuer an Leid antun, lassen sie einem anderen Lokalhelden an Freude zukommen.

Manfred Weber, der ehrenhaft gescheiterte europäische Spitzenkandidat, wird für sein Gelöbnis gefeiert, nach dem Brüsseler Niederschlag wieder aufzustehen. Er darf sich als eine Art zweiter Mann der CSU fühlen, aber klar wird auch: Die Augenhöhe mit Söder, auf der er den Aschermittwoch 2019 bestritt, ist ferne Vergangenheit. Eine Handvoll nicht komplett irrelevanter CSU-Leute findet sogar, Weber habe die Rolle des unbeugsamen Schmerzensmannes nun auch mal genug strapaziert.

Die Rolle, die Söder sich in Passau auszufüllen vorgenommen hat, ist jedenfalls etwas anspruchsvoller. Inmitten der Turbulenzen bei der CDU will er als wahrer Anführer der Union gewürdigt werden, jedoch nicht so sehr, dass irgendwer auf die Idee kommen könnte, er müsse selbst den Kanzlerkandidaten geben: "Mein Platz ist in Bayern und nicht in Berlin." Söders Karriereplan sieht nach allem, was man weiß, erst mal vor, mit einem Sieg bei der Landtagswahl 2023 ein Ministerpräsident von historischem Gewicht zu werden, bevor er sich etwaigen Aufgaben im Bund stellt.

Siegt Merz, müsste die CSU wohl so etwas wie das liberale Korrektiv zur CDU sein

Seine konkrete Mission am Mittwoch ist es, vehement auf christsoziale Mitsprache bei der Kür des Bewerbers zu pochen. "Ohne die CSU wird es keinen Kanzlerkandidaten geben", ruft er, "und ohne die Stimme aus Bayern kann kein Unions-Mann gewählt werden."

Die drängende Frage, welcher Mann sich zunächst mal für den CDU-Vorsitz empfiehlt, lässt Söder kraftvoll unbeantwortet. Sämtliche Aspiranten seien "hochkompetente Persönlichkeiten", beteuert er, wobei man darauf tippen darf, dass er Armin Laschet für noch hochkompetenter hält als Friedrich Merz und Norbert Röttgen. Im Fall eines Merz-Sieges müsste die CSU wohl so etwas wie das liberale Korrektiv zur CDU sein - das, sagt ein CSU-Mann von Rang, wäre eine durchaus kuriose Versuchsanordnung.

Söders Rede, seine bislang beste in Passau, identifiziert zwei politische Hauptgegner, die AfD und die Grünen. Gegenüber der AfD verschärft er noch einmal den Ton. Die rechtsradikale Szene sei eine Herausforderung "in der Dimension der RAF", die AfD deren "parlamentarischer Arm" und Björn Höcke ein "Nazi". Etwas spielerischer geht er die Grünen an, die Partei der "Verbote und Belehrungen", so wettbewerbsfeindlich, dass sie Kindern beim Fußball das Torezählen untersage. Kurz: momentan "nicht koalitionsfähig".

Zu einem Rat an die CDU lässt Söder sich dann noch hinreißen: Sie möge sich bei der sittsam-stilvollen Ausgestaltung des personellen Wettbewerbs an seiner Stabübernahme von Horst Seehofer orientieren. Ein bisschen Fasching steckt halt doch im Aschermittwoch.

© SZ vom 27.02.2020/mmo
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