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Bergtourismus:Weniger nörgeln - mehr Achtung vor Schutzzonen für Tiere

Die Sorge um das Birkhuhn hat einige Anwohner vom Hirschberg gegen den Tourismus aufgebracht.

Die Klagen über nächtliche Tourengeher am Hirschberg sind ein wenig schlicht. Aber der Umkehrschluss, dass da halt mal wieder einige Naturschützer eine Lappalie aufbauschen, ist auch zu einfach.

Kommentar von Christian Sebald

Nun sind also angeblich eine Event-Agentur und vergnügungssüchtige Skitourengeher aus München schuld, wenn am Hirschberg die paar wenigen Birkhühner leiden, die es dort noch gibt. Zumindest sehen sie das im Tegernseer Tal so. Oder wie soll man die Klage verstehen, dass ihr "dieser Hype, der hier gemacht wird, an einem so sensiblen Ort, so was von gegen den Strich geht", wie es eine Frau aus Kreuth unlängst einem Reporter in den Block diktierte? Aber damit machen es sich die Leute im Oberland ziemlich einfach.

Natürlich gehören die Birkhühner am Hirschberg geschützt, besonders an eiskalten Wintertagen wie diesen. Doch so lange die nächtlichen Tourengeher - und zwar nicht nur die paar, die aus München anreisen, sondern vor allem die vielen einheimischen - auf der Piste bleiben und spätestens bei den Rauheckalmen umdrehen, kommen sie den streng geschützten Vögeln nicht zu nahe. Die suchen dort oben in ihren Schneehöhlen Schutz vor den Minusgraden. Sie brauchen ebenso Ruhe wie die Rehe, die Hirsche, die Gämsen und all die anderen Wildtiere am Hirschberg. Bisher bleiben die allermeisten nächtlichen Tourengeher auf der Piste. Auch diejenigen, die mit dem Skibus aus München angereist sind: Sie haben gar nicht genug Zeit, um weiter als bis zum oberen Pistenrand aufzusteigen.

Aber auch der Umkehrschluss, dass da halt mal wieder einige Nörgler im Verbund mit Naturschützern eine Lappalie aufbauschen, ist zu einfach. Die Berge stehen gerade im Winter gewaltig unter Druck. Am Hirschberg stapfen an den Skitourenabenden vielleicht 80 oder 90 Tourengeher die Piste hinauf. Andernorts - am nahen Sudelfeld etwa - sind es bis zu 500. In aufgelassenen Skigebieten wie am Taubenstein im Spitzinggebiet hat inzwischen an jedem Wochentag eine Hütte abends geöffnet - so groß ist der Andrang.

Klagen über die Eventisierung der Berge nützen da nichts. Zumal gerade die Einheimischen - die Hüttenwirte, die Skiclubs, die Touristiker - den Boom nach Kräften fördern. Die Einhaltung von Wegegeboten und die Achtung von Schutzzonen sind deshalb umso wichtiger. Das gilt für Skitourengeher aus München genauso wie für die Einheimischen.

© SZ vom 26.01.2017/eca
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