Politik:Noch nie schaffte es die Linke ins Maximilianeum

"Für uns wäre es wunderbar", sagt auch Nicole Gohlke, Sprecherin der bayerischen Landesgruppe in Berlin. Natürlich würde Ernst in Berlin im Fraktionsvorstand fehlen, seine Kandidatur erhöhe die Chancen der Linken, 2018 in den Landtag einzuziehen aber stark.

Noch nie schaffte es die Linke in Bayern ins Maximilianeum. Wenn sie es mit Ernst an der Spitze vollbringen sollte, ist ihm ein Platz in den Geschichtsbüchern der bayerischen Linken sicher. Die Chance, 2018 die Fünf-Prozent-Hürde zu knacken, sei durchaus im Bereich des Möglichen, sagt Landeschef Gürpinar: "In absoluten Zahlen hatten wir mit 450 000 noch nie so viele Stimmen in Bayern wie zur Bundestagswahl 2018."

Und dazu noch ein Mitgliederzuwachs vor allem bei den Jüngeren. Auch das Wählerklientel habe sich verändert: weniger Erwerbslose, dafür mehr prekär Beschäftigte und Akademiker. Leute, die auch bei einer Landtagswahl wählen gingen, hofft Gürpinar.

Einige aber beschreiben den Zustand des Landesverbands ganz anders. Der Augsburger Stadtrat Alexander Süßmair etwa. Zum Jahreswechsel verließ er nach 21 Jahren in PDS und der Linken die Partei. Hauptgrund sei "der Umgang miteinander, auch persönlich mit mir", schreibt er in seiner Austrittserklärung. Der sei rücksichtlos und unsolidarisch und würde sich nur noch um politische Macht, Posten und Mandate drehen.

Verheerend seien außerdem die Stimmenverluste bei Hartz-IV-Beziehern und Geringverdienern. "Die Linke verliert zunehmend die Fähigkeit zu wissen, was diese Menschen für Sorgen und Nöte haben", schreibt Süßmair. Auch Beate Jenkner, Bezirksrätin aus Oberbayern, erklärte ihren Rücktritt und beklagt, dass in der bayerischen Linken "mehr auf Kadergehorsam als auf kontroverse politische Diskussionen" gesetzt werde. Sie sei nicht mehr gewillt, sich weiterhin Mobbing und Demütigungen auszusetzen.

Nicole Gohlke bedauert die Austritte, die Kritik kann sie nicht nachvollziehen. Beide hätten innerparteilich nicht mehr die ganz großen Chancen gehabt, es spiele auch gekränkte Eitelkeit eine Rolle. Im Vergleich zu den Anfängen sei der Landesverband jetzt ein wahrer Kuschelverein. Klaus Ernst zumindest scheint es in Bayern nicht allzu schlecht zu gefallen.

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