Politik in Bayern:Franz Josef Strauß kann sich Koalition mit Grünen vorstellen

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Franz Josef Strauß aus Aying

Zu seiner Geburt hat Franz Josef Strauß aus Aying eine Silbermünze vom Landesvater geschenkt bekommen.

(Foto: Tamara Pohl)

Der Namensvetter des einstigen bayerischen Ministerpräsidenten ist 32 Jahre alt und lebt in Aying im Landkreis München. Natürlich ist er bei der CSU. Wobei: So klar war das nicht immer.

Interview von Ana Maria Michel

Um die CSU steht es ein paar Tage vor der Landtagswahl in Bayern hundsmiserabel schlecht. Auf nur noch 33 Prozent kommt die Partei der jüngsten Umfrage zufolge, da hat auch das Gedenken und Beten am Grab des altehrwürdigen Franz Josef Strauß nichts geholfen. Was er wohl zum Zustand der CSU sagen würde? Wir haben seinen sehr viel jüngeren Namensvetter gefragt.

SZ: Es gibt in Bayern nicht viele wie Sie: Nur wenige Menschen heißen wie Ministerpräsidenten der letzten Jahre. Namen wie Edmund Stoiber, Horst Seehofer oder auch Markus Söder scheinen recht einzigartig zu sein. Wie erklären Sie sich das?

Franz Josef Strauß: Wahrscheinlich liegt es daran, dass sie alle noch leben. Und Markus Söder ist ja gerade erst Ministerpräsident geworden. Warten wir mal ab, ob es nicht in einigen Jahren doch ein paar Markus Söders oder Horst Seehofers gibt. Der Name muss aber auch passen. Wenn jemand so heißt und nicht schlagkräftig ist oder nicht in die Öffentlichkeit möchte, ist das nicht so gut.

Was haben Ihre Eltern sich dabei gedacht, Sie Franz Josef Strauß zu nennen?

Mein Vater hieß Josef Strauß, der Name meiner Mutter ist Maria Strauß. Sie dachten: "Irgendwie fehlt uns noch ein Franz Josef Strauß in der Familie." Das hatte gar nicht unbedingt politische Gründe, wobei Strauß damals recht bekannt und beliebt war. Bald hat sich auch die Bild-Zeitung bei uns gemeldet, ich war bereits 1986 als Neugeborener in der Zeitung. Zu meiner Geburt habe ich sogar Post von Strauß bekommen, der mir eine Silbermünze mit seinem Konterfei geschickt hat. Er war auch zu meiner Taufe eingeladen, aber er war damals leider in Russland.

Gibt es Ärger mit dem Namen? Oder eher Fans?

In der Grundschule war es eher ein Nachteil, Franz Josef Strauß zu heißen. Der Lehrer konnte sich meinen Namen viel besser merken als die der anderen Kinder. Deshalb bin ich häufig drangekommen, obwohl ich mich nicht gemeldet hatte. Das war unangenehm, weil ich damals recht schüchtern war. Heute gefällt mir mein Name ganz gut, er ist auf jeden Fall etwas Besonderes und ich profitiere davon. Allerdings bin ich auch heute nicht unbedingt jemand, der besonders gerne im Rampenlicht steht.

Als ruhiger Typ war der Ministerpräsident Franz Josef Strauß nicht unbedingt bekannt. Berühmt ist unter anderem seine Rhetorik. Verbindet Strauß und Sie abgesehen vom Namen und der Partei noch mehr?

Wir sind zwar über 18 oder 19 Ecken verwandt, aber das ist kaum noch erwähnenswert. Ich bin relativ sportlich und schlank, Strauß war eher stämmig und hatte keinen Hals.

Gut, das sind Äußerlichkeiten, aber Sie sind doch auch politisch aktiv. 2014 sind Sie in Aying bei der Kommunalwahl auf Listenplatz 9 für die CSU angetreten. Wie ist es danach für Sie weitergegangen?

Leider bin ich damals nicht in den Gemeinderat gekommen, aber 2020 will ich mich wieder aufstellen lassen.

Wieder für die CSU? Bevor Sie in die Partei eintraten, waren Sie immerhin sechs Jahre bei den Freien Wählern.

Meiner Meinung nach sollte man die Kommunalwahl eigentlich parteifrei gestalten, denn es ist eine persönliche Wahl, bei der es um meine persönliche Meinung geht. Ich war noch relativ jung, als ich von den Freien Wählern gefragt wurde. Irgendwann bin ich aber auf die CSU gestoßen - auch wegen meines Namens.

Sind Sie nur wegen des Namens in der CSU? Was verbindet Sie politisch mit der Partei?

Wir sind ja in Bayern doch sehr CSU-geprägt. Da stellt sich für mich eigentlich gar nicht mehr die Frage, ob ich in einer anderen Partei sein möchte. Dass ich in die CSU gehöre, ist für mich ganz klar. Auch unabhängig davon, was aktuell in der Politik passiert. Für mich gibt es da keine Alternative mehr. Nachdem ich meinen Antrag für den Eintritt in die CSU abgeschickt hatte, kam allerdings erstmal ein Anruf von weit oben. Ich wurde gefragt, ob das eine Verarschung sei.

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