Piding Erste Molkerei verbietet Einsatz von Glyphosat

Die Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau im oberbayerischen Piding verbieten ihren Milchbauern den Einsatz von Glyphosat auf den Viehweiden und Futtermittel-Äckern. Dies gab die Genossenschaft, die im Besitz ihrer etwa 1800 Milchlieferanten ist, nach einer Sitzung des Aufsichtsrats bekannt. "Es gibt in unserem Milcheinzugsgebiet keine Notwendigkeit, ein Totalherbizid einzusetzen, dessen wissenschaftliche Bewertung hinsichtlich Auswirkungen auf Mensch und Umwelt kontrovers ist", sagte Geschäftsführer Bernhard Pointner. Die Molkerei reagiert damit auf die öffentliche Beschwerde einer Kundin, die einen großflächigen Glyphosat-Einsatz eines Milchbauern im Landkreis Traunstein angeprangert hatte.

Im Grünland Glyphosat auszubringen, um alle Pflanzen zum Absterben zu bringen und neues Gras auszusäen, ist laut dem Institut für Pflanzenschutz der Landesanstalt für Landwirtschaft zwar sehr selten, aber probat. Diese "Grünlanderneuerung" sei das letzte Mittel, wenn Unkraut nicht mehr anders bekämpft werden könne und auch das komplette Umpflügen nicht angemessen sei. Denn dies berge eine gewisse Erosionsgefahr - gerade im Alpen- und Voralpenland. Glyphosat dürfe aber nie in Kontakt mit den Futterpflanzen kommen, die vom Vieh verzehrt werden.

Gleiches betont Susanne Nüssel vom Verband der Bayerischen Privaten Milchwirtschaft. Ihr sei keine andere Molkerei mit einem ähnlichen Verbot bekannt. Auch sei es die Frage, ob Alternativen zum Glyphosat wirklich nachhaltiger seien. Es sei aber durchaus möglich, dass andere Betriebe bald nachziehen. Die Molkerei in Piding zahlt ihren Bauern relativ hohe Milchpreise und hat ihre Marke "Berchtesgadener Land" mit Erfolg im Premium-Segment positioniert. Zur Strategie gehört seit 2010 auch ein Gentechnik-Verbot. Ein EU-weites Verbot von Glyphosat wird seit längerem diskutiert, bisher ohne Ergebnis.