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Schule in Pandemie-Zeiten:Piazolo im Feuer der Opposition

Kultusminister Piazolo

Wird kritisiert: Kultusminister Piazolo

(Foto: dpa)

Es gibt Wortgefechte und neue Anschuldigungen: Kultusminister Michael Piazolo wird im Bildungsausschuss des Landtags scharf kritisiert.

Von Johann Osel

Später am Tag steht noch ein Treffen der Kultusministerkonferenz an, der Fachausschuss im Landtag sei da "ein bisschen coming home", sagt Michael Piazolo. Der Ort mag ihm vertraut sein, eine heimelige Kuschelstimmung erwartet den Kultusminister (Freie Wähler) am Donnerstag aber nicht. Grüne, SPD und FDP hatten bereits vor dem Schulstart vom 11. Januar eine Sondersitzung beantragt, weil sich "Panne an Panne reiht", wie es hieß, weil der Minister "überfordert" sei. Nun war der Schulbeginn mit Distanzunterricht für alle Schüler passabel angelaufen, sogar die Lernplattform Mebis, die 2020 oft dem Ansturm nicht gewachsen war, tat ihren Dienst. Jetzt dennoch die Aussprache im Ausschuss. Oder deswegen? Piazolo wirkt gelassen, die Opposition teils aufgekratzt - weil es eben gar nicht so gut laufe.

Mebis sei "nicht das Einzige, das es auf der Welt gibt"

Piazolo räumt ein, dass "nicht alles perfekt" sei, aber es sei viel gemacht worden gerade in jüngster Zeit. In den Vorgängerregierungen von CSU sowie CSU und FDP seit 2008 sei Digitales in Schulen kein großes Thema gewesen. Als Ausgangsbasis. Man könne nur mit den Ressourcen umgehen, die man habe, Lehrkräfte wie auch die Mitarbeiter im Ministerium arbeiteten am Limit. Er verweist erneut auf eine nötige "Methodenvielfalt", Mebis sei "nicht das Einzige, das es auf der Welt gibt". Seine Devise für Mebis - "Ertüchtigen, Entzerren, Erweitern" - habe sich bewährt. Piazolo erläutert jüngste Beschlüsse wie die Verschiebung der Abschlussprüfungen. "Selbstverständlich" werde es Lernrückstände geben. Der Idee, das komplette Schuljahr zu wiederholen, erteilt er jedoch eine Absage. "Wir wollen, dass das Jahr, das kein normales ist, kein verlorenes ist. Natürlich werden wir bei den Leistungsanforderungen, bei den Leistungserhebungen reduzieren." Gesamtfazit: Es klappt, so gut wie möglich.

"Es ist so offensichtlich, dass man hier versucht, alles schönzureden", kontert die Bildungsexpertin der SPD, Simone Strohmayr. Die Verschiebung der Abschlüsse sei ein erster Ansatz - aber keine Lösung. Es sei "ungehörig", Prüfungen und Lehrpläne nicht ernsthaft zu überarbeiten. Matthias Fischbach (FDP) zeigt sich enttäuscht, dass nach zehn Monaten Pandemie nicht jeder Schüler ein eigenes Endgerät erhalte - seine Fraktion fordere den Rechtsanspruch. Digitale Bildung sei aber mehr: Statt hochwertigen, digitalen Unterrichtsmaterialien und Schulbüchern gebe es oft nur Scans von Analogem. Alles sei ein "Gezuckel", man müsse "dringend ins digitale Zeitalter kommen". Max Deisenhofer (Grüne) merkt an, dass es Ministerpräsident Markus Söder gewesen sei, der einen "Digitalturbo" versprochen und so die Erwartungen der Schulfamilie erst hochgeschraubt habe. Markus Bayerbach (AfD), als Ausschussvorsitzender der Zurückhaltung verpflichtet, fordert eine Honorierung der "permanenten Mehrarbeit für Lehrer", man brauche "irgendwie ein faires Angebot".

In seinen Reaktionen weicht Piazolo zuweilen doch von seiner Contenance ab. Etwa im Vorstoß der FDP erkennt er "beispiellose Naivität", man könne in so kurzer Zeit keine digitalen Schulbücher auf den Markt bringen. Zwischen Strohmayr und ihm entstehen Wortgefechte, Piazolo meint: "Wir kommen hier in eine Debatte, die uns auch nicht weiterführt." Generell: Durch Corona sei Schule öffentlich geworden, der Schutzraum Präsenzunterricht falle weg. "Es ist wahnwitzig, wer sich inzwischen zu Schule alles äußert. Jeder! Und jeder überschlägt sich mit Vorschlägen."

© SZ vom 22.01.2021
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