Das Zauberwort der Staatsregierung heißt derzeit „Fast Lane“: Vergangenen Donnerstag erst lobte Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) das vor einem Jahr eingeführte, schnellere Anerkennungsverfahren für ausländische Pflegefachkräfte. Ein „echtes Erfolgsmodell“ sei die Fast Lane, sagte sie. Künftig sollten deshalb auch die sogenannten Pflegefachhilfskräfte auf dieser Schnellspur nach Bayern kommen, so ihr Plan.
Am Freitag zog dann Arbeitsministerin Ulrike Scharf nach: Angesichts von 133 000 gemeldeten offenen Stellen in Bayern versprach sie eine generelle Fast Lane gleich für alle Berufsgruppen. Jeder qualifizierte Ausländer, der in Bayern arbeiten möchte, soll möglichst schnell kommen können, so Scharfs Botschaft: „Wir brauchen alle Arbeitskräfte aus dem In- und Ausland, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.“
In der Pflegebranche sieht man die Pläne der Staatsregierung mit Wohlwollen. Die Fast Lane hat die Anwerbung ausländischer Pflegekräfte vereinfacht. „Die Fast Lane hat wirklich was gebracht“, sagt Indira Schmude-Basic, vom Bundesverband der kommunalen Senioren- und Behinderteneinrichtungen. Statt früher sieben verschiedene Regierungsbezirke mit unterschiedlichen Ansprechpartnern sei nun nur noch eine zentrale Stelle für die Anerkennung ausländischer Pfleger und Schwestern zuständig: das Landesamt für Pflege in Amberg. „Wir Einrichtungen haben nur noch einen Ansprechpartner“, sagt Schmude-Basic.
Lob kommt auch von der Firma Lingoda, die ausländische Pflegekräfte in der Weiterbildung unterstützt. Das neue Verfahren sei schnell. Es gebe klare Ansprechpartner für ganz Bayern. Das Personal sei gut geschult und gut erreichbar. Und eine wichtige Neuerung: Unterlagen könnten komplett in digitaler Form eingereicht werden. Noch einfacher gehe es nur in Hamburg, wo Dokumente auch auf Englisch akzeptiert würden. Die neue Schnelligkeit lässt sich laut Ministerium auch in Zahlen messen. Die Verfahrensdauer sei um 25 Prozent verkürzt worden.
Einfachere Wege sollen vom 1. Januar 2025 an nun auch für die sogenannten Pflegefachhilfskräfte gelten, also für Schwestern und Pfleger mit nur ein- oder zweijähriger Ausbildung. Aus Sicht der Pflegebranche ist das ein sinnvoller Schritt. Die Fachhelfer sollen künftig die Fachkräfte mit dreijähriger Ausbildung entlasten. „Unsere Fachkräfte sind überbelastet mit Sachen, die sie nicht machen müssten. Gleichzeitig haben wir viele ungelernte Kräfte“, sagt Schmude-Basic. „Wir brauchen eine Zwischenstufe.“ Genau diese aber gibt es in den Heimen kaum, weil sie bislang gesetzlich nicht vorgesehen waren. Das Gesetz schrieb den Heimen eine feste Pflegefachquote von 50 Prozent vor. Diese starre Vorgabe wurde jetzt aufgehoben. Und viele Heime organisieren sich neu.
Künftig wird es vielerorts drei Gruppen von Mitarbeitern geben: Die Fachkräfte, die die Pflege überwachen und sich um besonders kranke Menschen kümmern. Die ungelernten Helfer, die Betten aufschütteln und Essen verteilen – und dazwischen die Pflegefachhelfer. Sie können alle Aufgaben der Grundpflege übernehmen: Patienten waschen, eincremen, ankleiden, ihre steifen Gelenke bewegen, Medikamente geben und Blutzucker messen. Die Frage ist nur: Wo sie herkommen sollen. Aus dem Ausland werde man sicher nur einen Teil anwerben können, sagt Indira Schmude-Basic. Sie warb dafür, auch ungelernten Helfer, die diese Tätigkeiten seit vielen Jahren gut machten, als Pflegefachhelfer anzuerkennen.

