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Pfarrkirchen:Reden und Spaß haben

Petra Fuchs, 39, freut sich über 5000 Euro Preisgeld. Damit will sie unter anderem digitale Angebote ausarbeiten, um während der Corona-Krise Unterhaltung bieten zu können.

(Foto: Startsocial/Gordon Welters)

Spielcafé von Petra Fuchs erhält Auszeichnung von Bundeskanzlerin

Von Paut, Pfarrkirchen

Das Spielcafé der Generationen im Landkreis Rottal-Inn kämpft gegen die Einsamkeit von Jung und Alt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat das Projekt nun mit dem Startsocial-Sonderpreis ausgezeichnet. Ein Gespräch mit der Vorsitzenden Petra Fuchs.

SZ: Wie war es diesen Preis zu gewinnen?

Petra Fuchs: Es war überwältigend. Wir haben auf ein Preisgeld gehofft, aber dass wir den Sonderpreis kriegen, da haben wir nicht einmal dran gedacht. Das war der Griff nach den Sternen. Dass unser Projekt so gesehen und erkannt wird, das hat uns wirklich sehr gefreut.

Wie werden Sie das Preisgeld von 5000 Euro einsetzen?

Es wird innerhalb unserer gemeinnützigen Arbeit aufgesplittet, für die Kinder-, Jugend- und Seniorenarbeit, Schulungen und Forschung. Wir sind jetzt auch am Thema Digitalisierung dran, dass wir während Corona digitale Ersatzangebote schaffen.

Wie funktioniert das Spielcafé denn während der Pandemie?

Wir hatten von März bis August geschlossen und haben im Oktober wieder schließen müssen. Das ist natürlich klar, weil viele Risikogruppen zu unseren Besuchern zählen. Deshalb wollen wir bis Ende des Jahres auf online umstellen. Es wird möglich sein, per Videokonferenz zu spielen, wo es reicht, dass nur eine Person das Spielmaterial hat. Es gibt Onlineplattformen, wo man Brettspiele spielen kann, aber das ist eher etwas für technikaffine Menschen. Bei Senioren werden wir auf Video setzen, wofür wir Schulungen anbieten, das mit ihnen einrichten und üben. Wir werden auch barrierefreie Erklärvideos mit Text und Video erstellen. Senioren ohne Wlan können in Telefonkonferenzen Stadt, Land, Spiel oder Kniffel spielen. Das ersetzt das direkte Spiel aber nicht, wir werden damit wahrscheinlich nicht alle erreichen.

Wie gehen Ihre Spieler damit um?

Ich glaube, dass die meisten wirklich traurig sind. Man hat das auch gemerkt, als wir wieder geöffnet haben mit Hygienekonzept und sehr strengen Regeln. Wir haben an Tischen mit eineinhalb Metern Abstand und nur Spiele gespielt, bei denen kein Material gemeinsam genutzt wird. Das ist gewöhnungsbedürftig und dennoch waren die Plätze ausgereizt, weil die Leute froh waren, sich überhaupt treffen zu können. Das vermissen einfach viele, daher ist es jetzt wichtig, eine Alternative zu schaffen.

Was macht das Spielcafé so besonders?

Die Leute können sich zum Reden und Spaß haben treffen. Das Gesellschaftsspiel bringt Menschen zusammen, die im normalen Leben nicht zusammenfinden. Das Spiel verbindet und dadurch wächst der Zusammenhalt. Wir wollen Einsamkeit entgegenwirken und bei uns findet jeder einen Platz.

© SZ vom 30.10.2020/van
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