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Pfandringe in Bamberg:Hilfe für Flaschensammler

Pfandflaschensuche im Müll

Pfandringe sollen Flaschensammlern helfen und dafür sorgen, dass sie nicht mehr Mülleimer durchsuchen müssen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Für 600 Euro hat die Stadt Bamberg Pfandringe angeschafft. Sie sollen das Wühlen in Müllbehältern überflüssig machen. Doch nicht alle Flaschensammler können den gelben Ringen etwas abgewinnen.

Von David Ganek, Bamberg

Sven K. steht am Zentralen Omnibusbahnhof in Bamberg und trinkt ein Bier. Seine halb volle Flasche hat er in einen Ring gestellt, der an einem Mülleimer befestigt ist. "Jetzt muss ich die Flasche nicht mehr auf dem Boden abstellen", sagt er. Aber da hat der 50-Jährige etwas missverstanden. Der "Cupholder" am Mülleimer soll eigentlich als "Pfandring" dienen, damit die Flaschensammler nicht mehr im Müll wühlen müssen.

Zwei dieser knallgelben Metallkonstruktionen hat die oberfränkische Stadt vor einem halben Jahr angeschafft. Die Grünen hatten den Antrag gestellt, die Vorrichtung auszuprobieren. Grünen-Stadtrat Tobias Rausch hält die Pfandringe für wichtig, "weil sie die unmittelbaren Folgen von Armut zumindest ein wenig lindern kann und das oft würdelose und gesundheitsgefährdende Wühlen in Müllbehältern überflüssig machen".

Doch nicht alle Flaschensammler können den gelben Ringen etwas abgewinnen. "Die Flaschenhalter sind der größte Witz", meint ein 46-jähriger Sammler am Busbahnhof. In den Glascontainern neben dem Mülleimer finde er viel mehr intakte Flaschen als in den Pfandringen.

Der Kölner Designer Paul Ketz hat die Pfandringe erfunden, die Platz für sieben Flaschen bieten. Im Jahr 2012 wurde er dafür mit dem Bundespreis "ecodesign" ausgezeichnet. "Mit dem Pfandring wird die sonst weggeworfene Flasche zum Geschenk - für die, die es wirklich brauchen", hieß es in der Begründung der Jury.

System mit fest aufgeteilten Sammler-Revieren

Bamberg ist die erste Stadt, die zwei solche Halter installiert hat, Kosten: 600 Euro. "Wir wollen die Ringe ein Jahr lang testen", erklärt eine Sprecherin, "dann werden wir die Erfahrungen evaluieren." Immer wieder würden sich Kommunen melden und nach den Erfahrungen fragen. In Köln, Karlsruhe, Düsseldorf, Hamburg und Nürnberg sei über die Pfandringe diskutiert, die Idee aber verworfen worden.

Norbert Kays vom Sozialamt in Nürnberg gibt zu bedenken, dass es ein "etabliertes System" mit fest aufgeteilten Sammler-Revieren gebe. Manche Flaschensammler holten die Flaschen mit Greifarmen aus Glascontainern. Außerdem würden "alteingesessene Pfandsammler" befürchten, "dass eine geringere Hürde beim Flaschensammeln den Konkurrenzdruck erhöht".

Sicherheitsrisiko für Kinder

"Die Konstruktion der Pfandringe erschwert auch die Entleerung der Papierkörbe", gibt Uwe-André Bauer zu bedenken, Werkbüroleiter des Nürnberger Servicebetriebs Öffentlicher Raum. Er sieht außerdem bei Massenveranstaltungen und für Kinder ein Sicherheitsrisiko. Hinzu kämen die Kosten: Ein Standard-Papierkorb koste 30 Euro, der Pfandring 150 Euro, aber nur, wenn man ihn in größerer Stückzahl bestellen würde. In einigen Jahren stünde die Anschaffung neuer Mülleimer in Nürnberg an, dann werde sich die Stadt nochmals mit den Pfandringen beschäftigen.

Am Bamberger Busbahnhof haben einige, die dort regelmäßig Bier trinken, ein eigenes System überlegt: Sie sammeln für "ihren" Obdachlosen die Flaschen in Tüten. Dass die Stadt 600 Euro für Pfandringe ausgegeben hat, dafür haben sie kein Verständnis. Sinnvoller wäre es, das Geld Obdachlosenunterkünften zur Verfügung zu stellen, sagt Sven K.

© SZ vom 26.09.2014 / epd/ahem
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