Landkreis Neuburg-Schrobenhausen:Erneut ausländerfeindlicher Vorfall in oberbayerischem Dorf

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Peutenhausen ist Teil der Gemeinde Gachenbach im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Seit Januar wird es von Rechten heimgesucht. (Foto: Thomas Balbierer)

Rechte Schmierereien und Rauchbomben: Seit der Ankündigung, keine Flüchtlinge mehr aufnehmen zu wollen, wird Peutenhausen von radikalen Kreisen heimgesucht.

Von Thomas Balbierer

Das oberbayerische Dorf Peutenhausen kommt nicht zur Ruhe. Seit der Ortsteil der Gemeinde Gachenbach im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen in die bundesweiten Schlagzeilen geraten ist, weil es keine Flüchtlinge mehr aufnehmen will, kam es wiederholt zu ausländerfeindlichen Vorfällen. Ende Januar waren in einer Straße mehrere Graffiti mit dem Logo einer rechtsextremen Kleinpartei entdeckt worden, dazu Parolen wie "Asylflut stoppen". Am Donnerstag meldete die Polizei einen weiteren Zwischenfall.

Am Morgen versammelten sich demnach sechs zum Teil vermummte Personen auf der Straße vor der Asylunterkunft und zündeten Rauchkörper, aus denen roter Signalrauch aufstieg. Dazu entrollten sie ein circa zehn bis 15 Meter großes Transparent und blockierten den Verkehr. Die Aktion nahmen sie auf Video auf. Als die Polizei kam, war die Gruppe bereits verschwunden.

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Wenig später entdeckte die Polizei einen weißen Transporter auf einem Rastplatz bei Dasing und nahm drei mutmaßlich an der Aktion Beteiligte vorläufig fest. Nach den drei übrigen Personen wird laut einer Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord noch gefahndet. Zum Hintergrund der Beteiligten und zum Inhalt des Transparents konnte sie auf SZ-Nachfrage zunächst keine Angaben machen, die Ermittlungen laufen noch und werden von der Kriminalpolizei Ingolstadt geleitet.

"Eine Gefahr für die Asylbewerber bestand nicht", sagte die Sprecherin. Es gehe um den Verdacht der Nötigung im Straßenverkehr sowie weitere Ordnungswidrigkeiten. Ob ein Zusammenhang mit den rechten Schmierereien der vom Verfassungsschutz beobachteten Kleinpartei besteht, werde geprüft. Dorfbewohner seien an der Aktion nicht beteiligt gewesen.

Das 600-Seelen-Örtchen ist in den Fokus rechter Kreise gerückt, seit Gachenbachs Bürgermeister Alfred Lengler (CSU) im Januar öffentlichkeitswirksam angekündigt hatte, keine Flüchtlinge mehr aufnehmen zu wollen. Rund 50 geflüchtete Menschen leben aktuell dort, verteilt auf zwei Gemeinschaftsunterkünfte und private Wohnungen. Anlass für diese Reaktion waren Übergriffe von Geflüchteten. Im Dezember sollen zwei Afghanen zwei Frauen sexuell belästigt haben, zudem gab es mehrere Einbrüche, die ein Jugendlicher aus der Ukraine begangen haben soll. Die Verdächtigen sind nicht mehr im Dorf. Nach Angaben von Christian Linden, Chef der Polizeiinspektion Schrobenhausen, werde man Peutenhausen nun besonders im Blick haben, um Dorfbewohner und Asylbewerber zu schützen. Unter der Aufmerksamkeit ausländerfeindlicher Gruppen leide jeder im Dorf, sagt er.

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