Drohende Abschiebung:Kein Erbarmen für Cazim Makalic im Petitionsausschuss

Emina und Sead Makalic

Cazim und Emina Makalic sind zusammen mit ihrem Sohn aus Bosnien nach Donauwörth geflohen. Ihr Asylantrag wurde abgelehnt.

(Foto: Stefan Puchner)
  • Cazim Makalic hat in Bosnien eine Deutsche aus der Sklaverei gerettet.
  • Nun wird er mit seiner Familie ins Dorf der Täter zurückgeschickt.
  • Die Makalics haben im Petitionsausschuss des bayerischen Landtags eine Aufenthaltsduldung und Arbeitserlaubnis beantragt - doch beides wurde abgelehnt.

Von Stefan Mayr

Cazim Makalic, 57, ist ein bulliger Mann, mit seinem breiten Kreuz und seinen großen, kräftigen Händen wirkt er so, als könnte ihn so schnell nichts aus dem Gleichgewicht bringen. Doch am Mittwoch bricht der Bosnier im Maximilianeum gleich mehrmals in Tränen aus. Seine Ehefrau Emina und sein Sohn Dzanan stehen daneben und blicken schweigend zu Boden.

Die Makalics haben im Petitionsausschuss des bayerischen Landtags eine Aufenthaltsduldung und Arbeitserlaubnis beantragt. Dieser Wunsch wurde teilweise hitzig diskutiert und letztlich mit der Mehrheit der CSU-Abgeordneten abgelehnt. Allerdings ließ der Ausschuss der bosnischen Familie ein Hintertürchen offen. Ob dieses Türchen letztlich auch begehbar sein wird, muss sich aber noch zeigen.

Das Schicksal der Familie Makalic hat bundesweit viele Menschen bewegt. Bei einer Unterschriftensammlung im Internet haben sich 1300 Bürger für ein Bleiberecht der Makalics ausgesprochen. Cazim Makalic hat 2012 in seinem bosnischen Heimatdorf Karavlasi ein deutsches Mädchen aus den Fängen einer brutalen Familie gerettet. Die damals 17-Jährige wurde in seiner Nachbarschaft jahrelang wie eine Sklavin gehalten. Sie musste im Schweinestall schlafen und Tierfutter essen.

Der Bruder ihres Stiefvaters schlug und misshandelte sie. Makalic konnte ihr Leiden nicht länger mitansehen und kämpfte trotz erheblicher Widerstände so lange, bis die Behörden die junge Frau erlösten. Bettina, so heißt das deutsche Mädchen, ist seitdem frei. Doch für die Makalics begann ein Martyrium. Bettinas Peiniger wurden zwar verurteilt, aber deren Angehörige machten den Makalics das Leben zur Hölle. Sie wurden massiv bedroht; ein Mann hielt sogar dem siebenjährigen Sohn Dzanan ein Messer an den Hals und kündigte an, ihn zu töten.

Die Familie flüchtete schließlich 2014 zu einem Verwandten nach Donauwörth. Der Sohn musste wegen der traumatischen Erlebnisse in einer Klinik stationär behandelt werden. Dennoch wurde der Asylantrag der Familie - inzwischen rechtskräftig - abgelehnt. Es droht die Abschiebung in das Dorf der Täter, die längst wieder auf freiem Fuß sind.

Mutig gehandelt, dennoch greift das Ausländerrecht

Die letzte Chance war nun der Petitions-Ausschuss. In diesem waren sich zwar alle Abgeordneten einig, dass Cazim Makalic sehr mutig und lobenswert gehandelt habe. Doch ein Bleiberecht wollten ihm nur die Vertreter von SPD, Freien Wählern und Grünen gewähren. "Man muss die Zivilcourage würdigen", sagte Benno Zierer (FW), "wenn die Familie zurück muss, möchte ich nicht in ihrer Haut stecken." Alexandra Hiersemann (SPD) sprach von einer "humanitären Verpflichtung, der Familie zu ihrem Recht zu verhelfen". Martin Stümpfig (Grüne) betonte, man müsse "alles tun, dass die Familie nicht mehr zurückmuss".

Die CSU-Mitglieder sahen das anders. Ihr Integrationsbeauftragter Martin Neumeyer sprach zwar auch von einem "berührenden" Fall, er betonte allerdings, trotz Makalics vorbildlichen Verhaltens könne das Ausländerrecht nicht gebrochen werden. Deshalb schlug er vor, den Antrag der Familie abzulehnen - und dann nach ihrer Ausreise "zu versuchen", eine "Arbeitsmigration" zu ermöglichen. "Das ist der einzige gangbare Weg", betonte Neumeyer. Er bot der Familie eine "gewisse Unterstützung" über die Botschaft und das Sozialministerium an. "Ich verwende mich da tausendmal", sagte er.

Angesichts des gezeigten guten Willens sieht Makalics Anwalt Ismet Mujakic "gute Chancen" auf ein Happy-End für die Familie. "Details sind noch unklar, aber ich vertraue Herrn Neumeyer." Alexandra Hiersemann äußerte sich dagegen skeptischer: "Eine Unwägbarkeit bleibt." Ähnlich sieht das Cazim Makalic. Er verwies auf die Aussage der Kinderärzte, die von einer Reise seines Sohnes dringend abraten. Angesichts der drohenden Rückfahrt brach der Familienvater nach der Ausschuss-Sitzung erneut in Tränen aus.

© SZ vom 09.06.2016/vewo
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