Petition im Landtag Göring-Tochter fordert Geld vom Freistaat zurück

  • Die Tochter von Hermann Göring, der Nummer zwei im nationalsozialistischen Regime, fordert vom Freistaat Bayern Geld zurück.
  • In einer Petition bittet sie den Landtag um Entschädigung für das im Jahr 1948 enteignete Erbe von Hermann Göring.
  • Mit ihrer Petition bleibt Edda Göring erfolglos. Der Rechtsausschuss des Landtags wischte ihre Petition beiseite.
Von Wolfgang Wittl

Die Frau wünscht Diskretion, das wird bereits zu Beginn der Sitzung klar. Punkt 13 - Entschädigung wegen Enteignung - werde auf Wunsch der Petentin nicht öffentlich verhandelt, sagt der Vorsitzende im Rechtsausschuss. Den Namen der Frau sagt er nicht. Sucht man ihn im Internet-Telefonbuch, taucht nur ein gutes Dutzend verschiedener Leute auf. Nicht viel für eine Millionenstadt wie München. Vielleicht weil es ein Name ist, der bis heute gewisse Assoziationen weckt. Ganz ohne Öffentlichkeit geht es dann aber doch nicht für Edda Göring, wenn sie Teile ihres Familienvermögens zurück bekommen möchte.

Die Tochter von Hermann Göring, der Nummer zwei im nationalsozialistischen Regime, fordert vom Freistaat Bayern Geld zurück. In einer Petition bittet sie den Landtag "um Entschädigung für das im Jahr 1948 enteignete Erbe meines Vaters". Göring, 76, verlangt nicht das gesamte Vermögen, das wäre wohl auch zu viel des Guten. Ihr Vater zählte zu den bekanntesten Kunsträubern der Menschheitsgeschichte, alleine seine Sammlung wäre heute wohl von unschätzbarem Wert. Edda Göring schwebt eine Art Unterhaltszahlung vor, ein Zuschuss für ihre Rente. Eine Summe ist nicht bekannt.

Görings Beute

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Görings Argument: Die Enteignung sei 1948 posthum erfolgt, zwei Jahre nach dem Tod ihres Vaters. Seiner Hinrichtung kam er durch Selbstmord zuvor. Göring war der bekannteste Nationalsozialist in den Nürnberger Prozessen, 1941 hatte er die "Endlösung der Judenfrage" angeordnet. Seine 1938 geborene Tochter Edda entstammt seiner zweiten Ehe mit der Schauspielerin Emmy Sonnemann.

Göring hatte zu ihrer Geburt das Gemälde "Madonna mit dem Kinde" erhalten

Warum Edda Göring ausgerechnet jetzt, 70 Jahre nach Kriegsende, den Wunsch auf Entschädigung äußert, vermag niemand zu sagen. In den Sechzigerjahren hatte sie einmal eine Auseinandersetzung um ein Bild von Lucas Cranach dem Älteren geführt. Damals ging es in einem Rechtsstreit gegen die Stadt Köln. Göring hatte zu ihrer Geburt nicht nur Hunderttausende Glückwunschtelegramme erhalten, sondern auch das Gemälde "Madonna mit dem Kinde". Sie unterlag vor Gericht.

Heute lebt sie völlig zurückgezogen in München - ihrem Vater offenbar stets verbunden. Dem schwedischen Fernsehen sagte sie einmal, welch schöne Kindheit sie dank der Liebe ihrer Eltern genossen habe: "Mein Vater war äußerst populär, auch im Ausland, er besaß einen dementsprechenden Hintergrund, große Persönlichkeit und eine natürliche Herzlichkeit." Von Hitler habe er gedacht, dass er tatsächlich Gutes für Deutschland bedeute: "Das war ein verhängnisvoller Irrtum."

Mit ihrer Petition bleibt Edda Göring am Donnerstag erfolglos. In nur wenigen Minuten wischt der Rechtsausschuss ihr Ansinnen mit Verweis auf Kontrollratsgesetz und Zwei-plus-Vier-Vertrag beiseite. Einstimmig.