Aktionen im öffentlichen RaumDiese Kunst ist Widerstand

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Mauern, Berge, Seen, Baumkronen, Wolken oder ein Feld: Peter Kees projiziert den Schriftzug „Dream Illegal“ auf alle möglichen Flächen.
Mauern, Berge, Seen, Baumkronen, Wolken oder ein Feld: Peter Kees projiziert den Schriftzug „Dream Illegal“ auf alle möglichen Flächen.
Peter Kees

Peter Kees plant mit Künstlerkollegen subversive Aktionen im öffentlichen Raum, die den Blick auf unsere Welt weiten sollen.

Von Sabine Reithmaier

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Kunst muss auf Krisen, Kriege und Umbrüche reagieren. Davon ist Peter Kees überzeugt. Der Konzeptkünstler befasst sich seit Jahren in seinen Aktionen mit aktuellen gesellschaftlichen Themen, mal spielerisch, mal hintersinnig, manchmal poetisch, oft sehr amüsant und immer politisch.  Sein jüngstes Projekt mit dem Titel „Dream Illegal“ versteht er als eine Einladung an alle, Unmögliches zu denken. „Zu träumen heißt, den Status quo infrage zu stellen“, sagt er am Telefon. „Wer träumt, zweifelt.“  Und er widersetze sich vielleicht den wachsenden Begrenzungen unse­res Denk- und Handlungsraums.

Ausgangspunkt des Projekts war ein Bannerflug, mit dem er im Herbst 2025 über München für illegales Träumen warb.  Natürlich nicht als Peter Kees, sondern als Botschafter von Arkadien, seiner Kunstfigur. Bereits 2006 hatte er den mythischen Sehnsuchtsort Arkadien für sich entdeckt. Keine Schäferidylle, sondern die Vorstellung eines Orts frei von zivilisatorischen Zwängen, für Kees das Modell einer gerechteren sozialen Zukunft. Auch wenn das Territorium seines Arkadiens ein imaginiertes ist, so hat er doch als Botschafter von Arkadien an vielen Orten in Europa „Landnahmen“ vollzogen: Jeweils einen Quadratmeter abgesteckt, okkupiert und zu arkadischem Hoheitsgebiet erklärt.

Zu „Dream Illegal“ hat er auch andere Künstler gebeten, „nicht konforme, guerillaartige, subversive Strategien und Interventionen“ für den öffentlichen Raum zu entwickeln und dem Gedanken „Kunst als Widerstand“ zu folgen. Die geplanten sechs Interventionen verteilen sich auf ganz Bayern, finden sowohl in Städten als auch auf dem Land statt. „Wir wollen unterschiedliche Menschen erreichen, maximale Wirkung erzielen und öffentliche Räume künstlerisch zurückerobern“, sagt Kees.

Was „Rocco und seine Brüder“ in München unter dem Titel „Feindliche Architektur“ planen, ist noch geheim. Aber das anonym agierende Berliner Künstlerkollektiv ist für seine spektakulären Kunstaktionen im öffentlichen Raum bekannt, zuletzt im Vorjahr mit dem „Denkmal für die ermordeten Menschen in Palästina“ auf dem Potsdamer Platz.

Medienwirksam agiert auch das ebenfalls aus Berlin stammende „Peng! Collective“. In Kees Plakataktion „Schrei es in die Welt hinaus“ sorgte es 2022 für Aufregung mit einem Plakat, das nur 20 Meter von einem bayerisch-österreichischen Grenzübergang entfernt in Bayerisch Gmain hing. Dieses Mal ist Peng in Passau zu erleben mit dem Projekt „Open Border League“, einem gamifizierten Be­lohnungssystem für Menschen, die sich für sichere Fluchtwe­ge, Menschenrech­te und den Zugang zu Asyl einsetzen.

Mit der Isar in Landshut beschäftigt sich „Top Down Fontäne“, eine Arbeit des Künstlerduos „bankleer“ alias Karin Kasböck und Christoph Maria Leitner, während der gebürtige Syrer Manaf Halbouni wegweisend tätig ist. In „FREE Was?“ spielen jedenfalls gelbe Wegweiser eine zentrale Rolle. In die eine Richtung geht es nach „Freedom“, in die andere nach „Freedoom“, ein Wortspiel aus „free“ und „doom“, also in den Untergang.

Auf die Staumauer des Sylvensteinsees durfte Kees seine Schrift nicht projizieren

Mit einem überdimensionierten Protestplakat aus Holz wird der dänisch-amerikanische Künstler Mads Lynnerup auf dem Münchner Odeonsplatz, dem Zeppelinfeld in Nürnberg oder in der Nähe von Schloss Neuschwanstein unterwegs sein. Eine fabelhaft absurde Aktion, da das Plakat nur riesengroß, aber ansonsten leer ist. Diese Performance gilt als Demonstration, was die Anmeldung für Kees erleichtert. Ansonsten ist es oft nicht einfach, für die Performances Genehmigungen zu erhalten. „Ich erlebe schon eine gewisse Vorsicht, eine Ängstlichkeit, aber das ist wohl bezeichnend für unsere Zeit“, sagt Kees.

Die Balance zwischen legal und illegal sei oft schwierig. Genehmigungsprozesse zu durchlaufen, dauere oft Monate. „Manchmal muss man es drauf ankommen lassen.“ Er selbst wird den Schriftzug „Dream Illegal“ auf weithin sichtbare Flächen projizieren – auf Mauern, Berge, Seen, Baumkronen und Wolken. „Wahnsinnig gern“ hätte er ihn auf der Staumauer des Sylvensteinsees gezeigt. Die offizielle Anfrage – „vielleicht ein Fehler“ – wurde abgelehnt. Begründung: Man wolle keine derartige Botschaft an einer kritischen Infrastruktur.

Im Moment ist Kees in der Dämmerung bereits auf dem Land unterwegs, um seinen Schriftzug zu projizieren. Beispielsweise auf eine alte Scheune im Landkreis Ebersberg, wo er lebt. Erst ganz ohne Publikum. Aber dann tauchte ein Bauer mit Traktor auf und bestellte mitten in der Nacht sein Feld. Und Peter Kees war glücklich: „Eine Aktion für einen einzigen Landwirt, das ist doch wunderbar.“

Dream Illegal, bis 31. Juli, Infos unter www.dreamillegal.org

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