Grundstücksdeal:Schenken verboten!

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Kühe auf grüner Wiese

Die oberbayerischen Wiesen sind nicht so teuer wie Grundstücke in München. Doch für einen Euro scheint man sie trotzdem nur schwer zu bekommen - zumindest als Kommune.

(Foto: Photographie Peter Hinz-Rosin)

Es ist eine Lokalposse: Die Peracher verkaufen den Erlbachern für den symbolischen Preis von einem Euro Anteile eines Grundstücks. Alle sind zufrieden - dann schalten sich die amtlichen Rechnungsprüfer ein.

Glosse von Matthias Köpf

Wirklich weit sind Perach und Erlbach nicht voneinander entfernt, von Kirchturm zu Kirchturm sind es Luftlinie keine fünf Kilometer. Eine Gemeindeverwaltung teilen sie sich auch, die aber wiederum in Reischach angesiedelt ist. Da gibt es also viele Gemeinsamkeiten. Selbst ein kleines Grundstück in Erlbach gehörte den 1228 Perachern und den 1238 Erlbachern zusammen. Inzwischen gehört es aber nur noch den Erlbachern, denn die Peracher haben ihnen ihren Anteil verkauft - zum Freund- und Nachbarschaftspreis von exakt einem Euro.

Ein Euro für ein Grundstück ist nicht viel, selbst in einer eher abgelegenen Ecke Oberbayerns wie dem nördlichen Landkreis Altötting. Die Peracher waren mit dem Preis trotzdem zufrieden, und die Erlbacher sowieso. Schließlich steht auf dem Grundstück ihr Jugendheim. Als einzige nicht zufrieden waren dann aber die Rechungsprüfer im Landratsamt. Die monierten nämlich, dass eine Gemeinde einer anderen nicht einfach so ein Grundstück schenken darf.

Deswegen herrschte neulich Erklärungsbedarf für den Peracher Gemeinderat. Doch wie eigentlich immer, wenn irgendwo irgendwas für den berühmten symbolischen Euro den Besitzer wechselt, kann auch zwischen Perach und Erlbach vom Verschenken überhaupt gar keine Rede sein. So geht es jedenfalls aus der Stellungnahme des Peracher Gemeinderats hervor. Denn es möge ja sein, dass der Bodenrichtwert vor drei Jahren 85 Euro je Quadratmeter betragen habe und das ganze Grundstück demnach rund 5865 Euro wert war.

Aber Perach habe ja nur ein Drittel gehört, und außerdem habe man sich jahrzehntelang nicht um den eigenen Besitz gekümmert und die Erlbacher mit den laufenden Kosten ganz allein gelassen. Und überhaupt: Das Jugendheim diene der Katholischen Landjugend der Pfarrei Erlbach, zu welcher auch Teile der Gemeinde Perach gehörten. Deshalb sei das Grundstücksgeschäft praktisch eine Investition in die kommunale Pflichtaufgabe, eine professionelle Jugendarbeit zu unterstützen.

Die amtichen Rechnungsprüfer werden das alles mit Wohlgefallen lesen. Hoffentlich ist auch der Kaufpreis nachweisbar geflossen. Und wenn der Euro nicht am Kontoauszug auftaucht, dann wird sich schon noch eine Quittung finden.

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