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Pentling:Vermisster lebt mehrere Monate in einer Höhle - Ehefrau will keinen Kontakt

  • Die Polizei hat am Mittwoch in einer Höhle bei Pentling einen Mann entdeckt, der seit mehr als zwei Jahren spurlos verschwunden war.
  • Der 63-Jährige war im September 2014 von seiner schwangeren Ehefrau als vermisst gemeldet worden.

Wie würde Tolkien beginnen? In einer kleinen Höhle, zwischen Unterirading und Matting, da lebte einst ein Mann. Was danach folgt, könnte eine schöne Weihnachtsgeschichte sein. Immerhin kommen ein neugeborenes Kind und eine ungewöhnliche Unterkunft vor. Es geht um das Suchen und das Gefundenwerden. Vielleicht spielt die Liebe eine Rolle, vielleicht aber auch deren Abwesenheit. Es ist nicht so ganz klar, ob die Geschichte eigentlich glücklich endet.

Die Kurzversion: Eine schwangere 28-Jährige aus Münster meldet ihren damals 63-jährigen Ehemann als vermisst. Zwei Jahre später wird dieser gesund und wohlauf in einer Höhle bei Pentling nahe Regensburg gefunden. Die lange Version ist komplizierter.

Sie beginnt im September 2014. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen sucht vergebens nach dem vermissten Ehemann. Erst am vergangenen Mittwoch gibt es eine neue Spur: Die Polizei in Neutraubling bekommt einen Hinweis, der sie zu dem Vermissten in den Wald führt. Von wem der Hinweis stammt, will der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, Albert Brück, nicht sagen. "Wir haben uns auf den Weg gemacht und ihn um 16 Uhr in der Höhle angetroffen. Er ist gesund, war ordentlich gekleidet und körperlich fit." Nach eigener Aussage lebe er seit mehreren Monaten in der Höhle, hoch oben am Berghang, mit Blick auf das Donautal. Der 65-Jährige wurde auf die Polizeiinspektion gebracht, wo er erfuhr, dass er von seiner Frau als vermisst gemeldet wurde. Außerdem wurde ihm mitgeteilt, dass er während seiner Abwesenheit Vater geworden sei. "Er war froh, die Nacht in einer warmen Zelle verbringen zu dürfen", sagt Brück. "Die war offenbar wohnlicher als seine Höhle."

Darin seien keine Anhaltspunkte für Straftaten gefunden worden. Für die Polizei gilt der Mann deshalb als Obdachloser, der von der Gemeinde Pentling inzwischen untergebracht worden sei. "Für uns ist der Vorgang damit abgeschlossen", sagt Brück. Es gebe weder Grund noch Rechtsgrundlage, weiter zu forschen. Wieso der Mann damals aus Münster verschwunden ist? "Das liegt einzig und allein zwischen ihm und seiner Frau", sagt der Polizeisprecher.

Die kuriose Geschichte des Höhlenbewohners ruft bei so manchem Einheimischen Kindheitserinnerungen hervor. "Als ich das gelesen habe, musste ich schmunzeln", sagt Martin Horlacher. Der 50-Jährige ist am nahe gelegenen Minoritenhof aufgewachsen "Ich bin mir nicht sicher, ob das die Höhle ist, wo ich als Kind immer war. Da war vorne eine Holztür, sogar mit Scharnier. Sehr versteckt, vielleicht fünf Quadratmeter groß. Es sah so aus, als würde da wer leben."

Jetzt, Jahrzehnte später, diente die Höhle erneut als Bleibe. Vielleicht kannte der 65-Jährige den Rückzugsort aus Kindertagen. "Er stammt aus Pentling, hat hier seine Wurzeln", bestätigt die Polizei. Ob er zu Frau und Kind zurückkehre, ist noch unklar. Seine Ehefrau sei jedenfalls über sein Auftauchen informiert worden, sagt Polizeisprecher Roland Vorholt aus Münster. "Sie hat uns unmissverständlich klar gemacht, dass sie keinen Wert legt auf eine Kontaktaufnahme."