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Passauer Messer-Attentat:Mannichl kritisiert seine Kollegen

Passaus Polizeichef wirft den Fahndern vor, seine Familie zu spät vom Verdacht einer Beziehungstat entlastet zu haben.

Knapp drei Monate nach dem Mordanschlag auf Alois Mannichl hat der Passauer Polizeichef seine ermittelnden Kollegen kritisiert.

Alois Mannichl

(Foto: Foto: ddp)

In einem Interview mit dem Magazin Stern hielten der Polizeidirektor und seine Frau Anneliese der Sonderkommission vor, zu spät auf die Spekulationen über eine Beziehungstat reagiert zu haben.

Die "Hetze" gegen die Familienmitglieder sei kaum zu ertragen gewesen, sagte das Ehepaar. Entlastende Informationen hätten früher mitgeteilt werden müssen.

Das für die Ermittlungen zuständige Bayerische Landeskriminalamt (LKA) wies die Vorwürfe von Alois Mannichl am Mittwoch zurück. "Das ist vielleicht seine Sichtweise, aber wir richten uns nach den vorliegenden Fakten", meinte LKA-Sprecher Detlef Puchelt in München.

Mannichl bekräftigte erneut, dass seiner Meinung nach ein Neonazi der gesuchte Messerstecher ist. "Für mich ist klar, dass er ein Wahnsinniger ist", sagte er dem Blatt. Mannichl bekräftigte außerdem seine Einschätzung, der Täter sei "ein überzeugter Rechter", dieser müsse aber nicht in einer Organisation sein. Derartige Einzeltäter seien allerdings am schwierigsten zu ermitteln, fügte er hinzu.

Seine Wunde sei sehr gut verheilt, sagte Alois Mannichl. Nach wie vor müsse in der Familie aber "die Angst verarbeitet werden, dass dieser Wahnsinnige irgendwann wiederkommt".

Mannichl und seine Frau Anneliese beklagten, dass nach der Tat auch die Familie unter Verdacht geraten und zum Gespött der rechten Szene geworden sei. "Dieser Erfolg war für den Täter wesentlich größer, als wenn er mich getötet hätte. Der muss ja strotzen vor Selbstbewusstsein", sagte der Polizeichef.

Seine Frau erzählte: "Als mein Mann außer Lebensgefahr war, dachte ich, das Schlimmste wäre überstanden. Ich hätte nie für möglich gehalten, was danach noch über uns hereingebrochen ist."

Der bei dem Anschlag am 13. Dezember 2008 schwer verletzte Polizeichef hatte seinen Kollegen mitgeteilt, dass ihn der unbekannte Täter mit einer Nazi-Parole beleidigt habe. Da Mannichl immer wieder gegen Rechtsextremisten-Aufmärsche vorgegangen war, wurde von der 50-köpfigen Soko zunächst in der rechten Szene ermittelt.

Als sich diese Spuren nicht erhärteten, kamen bereits Ende 2008 die ersten Gerüchte auf, dass Mannichl in Wirklichkeit von seiner Ehefrau oder einem der beiden Kinder niedergestochen worden sein könnte. Erst im Februar erklärten die Ermittler, dass am Verdacht gegen die Angehörigen nichts dran sei.

Das Ehepaar Mannichl kritisiert nun, dass die Ermittler nicht früher an die Öffentlichkeit gegangen sind. "Man hat einfach übersehen, dass hinter dem Fall Mannichl vier Menschen stehen", sagte der Polizeichef. "Vier Menschen, die wochenlang wirklich durch die Hölle gegangen sind." Sie habe gedacht, dass es nur ein paar Tage dauere, bis sie, der Sohn und die Tochter "raus aus der Schusslinie" sind, meinte auch Anneliese Mannichl.

Der LKA-Pressechef erklärte hingegen, dass die Sonderkommission ohne jede Zeitverzögerung über die Ermittlungen informiert habe. Als klar gewesen sei, dass die Angehörigen nicht als Täter infrage kommen und sich Mannichl auch nicht selbst verletzt hat, sei dies sofort den Medien mitgeteilt worden. "Das wurde nicht künstlich in die Länge gezogen", betonte Puchelt.