Kommunalwahl in PassauAcht Bewerber wollen OB Dupper nachfolgen

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2013 stand Passau im Lichte der Öffentlichkeit: Beim katastrophalen Hochwasser informierten sich der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer und die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Schäden. OB Jürgen Dupper (Mitte) bewährte sich als Krisenmanager.
2013 stand Passau im Lichte der Öffentlichkeit: Beim katastrophalen Hochwasser informierten sich der damalige Ministerpräsident Horst Seehofer und die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel über die Schäden. OB Jürgen Dupper (Mitte) bewährte sich als Krisenmanager. Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Nach fast 20 Jahren verzichtet SPD-Oberbürgermeister Jürgen Dupper auf eine weitere Kandidatur in Passau, acht Bewerber treten zur Kommunalwahl im März an.
  • Beobachter rechnen mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Andreas Rother (SPD) und Armin Dickl (CSU), beide sind bereits Stellvertreter von OB Dupper.
  • Die neue Stadtspitze muss große Projekte bewältigen: Medizincampus Niederbayern, umstrittene Hochwasserschutzmaßnahmen und die kostspielige Sanierung von 72 städtischen Brücken.
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Nach fast zwei Jahrzehnten im Amt verzichtet der beliebte Oberbürgermeister auf eine weitere Kandidatur. Bleibt der rote Fleck im schwarzen Niederbayern weiter in SPD-Hand?

Von Patrick Wehner, Passau

Der Landkreis Passau ist nicht gerade dafür bekannt, das natürliche Habitat der Sozialdemokratie zu sein. Die CSU hat die Region zwischen Bayerischem Wald und dem Rottal seit Jahrzehnten im Großen und Ganzen fest im Griff. Nur eine große Ausnahme gab es bisher: Passau selbst. Dort regiert der SPD-Mann Jürgen Dupper seit fast 20 Jahren als parteiübergreifend beliebter Oberbürgermeister.

In dieser Zeit navigierte Dupper seine Stadt durch eine Vielzahl von Krisen. Das Jahrhunderthochwasser 2013, die sogenannte Flüchtlingskrise 2015, die Corona-Pandemie nach 2020. Die Passauer waren überwiegend zufrieden mit der Arbeit ihres Rathauschefs. Aber der gerade 65 Jahre alt gewordene Dupper wird bei der Kommunalwahl im März nicht mehr antreten.

Gleich acht Kandidatinnen befinden sich im Rennen um die Macht in der Stadt Passau: Stefanie Auer (Grüne), Siegfried Kapfer (FWG), Urban Mangold (ÖDP), Holm Putzke (für die FDP) Andreas Vilsmeier (Passauer Liste), und Nika Kolitz (Linke). Zusätzlich treten auch die beiden bisherigen Stellvertreter von OB Dupper an, Andreas Rother für die SPD und Armin Dickl für die CSU. Beobachter rechnen damit, dass es am Ende ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Rother und Dickl werden könnte. Beide sind als Zweiter und Dritter Bürgermeister bereits vertraut mit den Herausforderungen des Amtes.

Dickl arbeitet als Unternehmensberater. Rother, der manchen Passauerinnen und Passauern scherzhaft zumindest als optischer Zwilling Duppers gilt, betreibt ein Augenoptik- und Hörakustikunternehmen mit zehn Mitarbeitern. Beide Kandidaten präsentieren sich im Wahlkampf als Söhne der Stadt, die in Passau fest verwurzelt sind. Wer sich am Ende auch durchsetzen mag, es wird viel Arbeit auf ihn warten. Denn auf Passau kommen einige große Projekte zu, die weit über die Stadt hinaus strategische Bedeutung haben.

Der Hochwasserschutz ist umstritten, manche sehen das Stadtbild als gefährdet an

Da ist zum einen der Medizincampus Niederbayern. Das Projekt, unter das noch Dupper seine Unterschrift setzte, soll langfristig dem Ärztemangel in Niederbayern entgegenwirken. Das Konzept sieht vor, dass Medizinstudierende die ersten sechs Semester an der Uni Regensburg absolvieren. Für die abschließenden vier klinisch-patientenorientierten Semester wechseln sie an einen der fünf regionalen Standorte, von denen einer Passau ist. Dazu werden an der Uni Passau sechs neue Lehrstühle eingerichtet, vom Wintersemester 2027/2028 an startet die Lehre in verschiedenen Fächern. Zusätzlich entsteht für 14 Millionen Euro ein fünfstöckiges Gebäude, in dem die Studierenden dann patientenbezogenen Unterricht erhalten. Ein Projekt, das gute Planung und Verlässlichkeit in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erfordert.

Gleiches gilt für den Bau von bereits beschlossenen Hochwasserschutzmaßnahmen, gegen die es in Passau Widerstand gibt, weil man unter anderem fürchtet, dass diese das Stadtbild zu sehr beeinträchtigen könnten. OB-Kandidat Andreas Vilsmeier von der Passauer Liste etwa hat sich vergangenes Jahr gegen einzelne Maßnahmen ausgesprochen.

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Ein weiteres Projekt, das mit weit mehr Ungemach für zukünftige Oberbürgermeisterinnen oder Oberbürgermeister verbunden sein dürfte, ist die aufwendige und kostspielige Sanierung der vielen Brücken im Stadtgebiet. 72 Brückenbauwerke sind in kommunaler Hand – sprich: Für die Sanierung muss die Stadt Passau bezahlen. Für die Drei-Flüsse-Stadt besonders wichtig sind dabei die Brücken über Inn und Donau. Seit Dezember 2025 ist die Schanzlbrücke für Lastwagen über 3,5 Tonnen Gewicht gesperrt, weil bei einer Untersuchung teils gravierende Schäden entdeckt wurden. Um die Brücke aber grundlegend zu sanieren, müsste der Verkehr komplett ruhen. Doch dazu bräuchte es wohl eine sogenannte Entlastungsbrücke, die man aber erst noch bauen müsste.

Bereits 2024 sorgte die monatelange Sperrung der Franz-Josef-Strauß-Brücke für Sanierungsarbeiten für Frust bei vielen Autofahrern. Auch die beiden Kandidaten Armin Dickl und Andreas Rother sehen hierbei einen ihrer Schwerpunkte. Dickl schreibt dazu auf Anfrage: „Die Sanierung und langfristige Sicherung unserer Infrastruktur – allen voran der Brücken – ist eine Aufgabe mit höchster Priorität, weil sie unmittelbar die Sicherheit, Mobilität und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unserer Stadt betrifft.“ Rother sagt, beim Verkehr gebe es keine einzelne Maßnahme, die die große Lösung bringt, „sondern eine Vielzahl an verschiedenen Bausteinen“. Das beginne bei der Schaffung von Barrierefreiheit für Fußgänger, gehe über den Ausbau des Radwegenetzes und die Optimierung des ÖPNV bis zum Bau einer neuen Donaubrücke.

Armin Dickl (CSU) will Oberbürgermeister in Passau werden.
Armin Dickl (CSU) will Oberbürgermeister in Passau werden. privat
OB-Kandidat Andreas Rother von der SPD ähnelt zumindest optisch dem bisherigen Rathauschef.
OB-Kandidat Andreas Rother von der SPD ähnelt zumindest optisch dem bisherigen Rathauschef. privat

Unsicheren Zeiten sind auch die vielen Arbeitnehmer in der Autozulieferer-Branche ausgesetzt. Das gilt zwar deutschlandweit, dennoch könnten davon auch viele Jobs in Passau und näherer Umgebung betroffen sein. Der in die Krise geratene Konzern ZF beschäftigt dort 4000 Menschen. Zwar hat der Zulieferer von BMW gerade einen Milliardenauftrag erhalten, der bis in die 2030er-Jahre laufen soll. Aber ob damit auch der Standort Passau zukunftsfest gemacht wird, ist noch unklar. In der Vergangenheit war jedenfalls immer wieder von Stellenstreichungen bei ZF die Rede.

Im Bereich der Förderung von Kultur jenseits der großen Veranstaltungen wie etwa den europäischen Wochen sehen Passauer Kulturschaffende und Veranstalter Handlungsbedarf. Viele wünschen sich kreativere und unbürokratische Lösungen, zum Beispiel in Form von Zwischennutzungen, um leer stehende Gebäude bespielen zu können. Damit soll auch lokalen Künstlern mehr unter die Arme gegriffen werden.

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