Passau Haftstrafe nach Angriff auf Bub

Mann sticht auf elfjährigen Sohn seiner Flüchtlingshelfer ein

Für einen Messerangriff auf einen Elfjährigen muss ein Mann aus Eritrea für siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis - das Kind ist der Sohn seiner Flüchtlingshelfer. Der Richter am Landgericht Passau verurteilte den 26-Jährigen am Montag wegen versuchten Mordes. Die Tat im niederbayerischen Vilshofen hatte im vergangenen Sommer Entsetzen ausgelöst. "Das Überleben des Buben ist einfach unheimliches Glück", sagte der Richter. Das Motiv für die Tat habe sich nicht zweifelsfrei feststellen lassen.

Zum Abschluss des fünftägigen Prozesses fasste der Richter das dramatische Geschehen so zusammen: Der 26-Jährige klingelt an einem frühen Abend im Juli 2018 bei der Familie, der Elfjährige öffnet die Tür. Der Mann will die Mutter sprechen, die jedoch nicht daheim ist, und geht in die Wohnung. Dort zieht er ein Messer aus der Hosentasche, der Bub versucht zu fliehen, stürzt und wird von dem Mann angegriffen. Zunächst sticht er dem Kind in Arme und Beine, als er auf dem Rücken liegt, schneidet der 26-Jährige ihm tief in den Hals und sagt mindestens zweimal: "Stirb!". Dem stark blutenden Jungen gelingt die Flucht aus dem Mehrparteienhaus, er rennt auf die Straße, wo ihm Passanten helfen. Die Eltern des Elfjährigen sind während des Angriffs mit anderen Flüchtlingen beim Möbelkauf. Wäre der Schnitt in den Hals nur minimal anders verlaufen, hätte der Junge nicht überlebt, wird der Gutachter später sagen.

Der Richter sieht das Mordmerkmal der Heimtücke als gegeben an. Der Bub habe mit dem Angriff nicht gerechnet. Das Motiv habe nicht eindeutig aufgeklärt werden können. Es sei auch nicht auszuschließen, dass der Mann wegen eines Wahnes vermindert steuerungsfähig gewesen sei. Der Bub ist seit der Tat in psychologischer Behandlung. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen versuchten Mordes neun Jahre Haft gefordert, der Verteidiger auf zweieinhalb Jahre wegen gefährlicher Körperverletzung plädiert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.