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Auszeichnung:Passau ist "Drehort des Jahres"

Ausgezeichnete Kulisse: Passau ist auch für Filmleute eine attraktive Stadt.

(Foto: Klaus Neuner/mauritius)

Das hat eine Fachjury entschieden. Außer der verwinkelten Altstadt überzeugten die Infrastruktur - und die Einwohner selbst.

Drei unterschiedliche Ecken Bayerns haben es auf die Leinwand in München geschafft. In der kuscheligen Lounge im Arri-Kino laufen Filmszenen, gedreht in Bad Tölz, in der Alpenwelt Karwendel sowie in Passau. Malerische Kirchen und Gassen, rauschende Bäche und mächtige Flüsse, grüne Wiesen mit Kühen, Sonnenschein und Himmel mit weißen Wattewolken, umrahmt von flapsigen Dialogen - alles dabei. Die Gäste versinken in den roten Plüschsesseln und sind gespannt, was da jetzt kommt. Wie im Kino eben. Und der Gewinner ist: Passau. Die niederbayerische Stadt ist "Drehort des Jahres" in den Augen der bayerischen Filmszene, am Mittwoch offiziell ausgezeichnet.

Seit 2015 prämiert die Initiative "Filmkulisse Bayern" den besten Drehort, eine Fachjury entscheidet nicht nur über die Schönheit der örtlichen Landschaften selbst, sondern vielmehr auch über die Rahmenbedingungen am Set: der Zugang zu Motiven, die Erteilung von Drehgenehmigungen oder der Service rundherum für die Filmschaffenden. Der Preis habe seit seinem Bestehen schon Auswirkungen auf ganz Bayern gezeigt, heißt es: Mittlerweile arbeiteten viele Regionen an der Weiterentwicklung als Filmstandort und bestellen eigens Ansprechpartner. Getragen wird die Initiative von der Film- und Fernsehförderung sowie dem staatlichen Tourismusmarketing. Preisträger bisher waren Nürnberg, die Region Tegernsee-Schliersee, Regensburg und das Berchtesgadener Land.

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Schirmherrin ist die Schauspielerin Veronika Ferres; die ist am Mittwoch genau da zu sehen, von wo man sie gut kennt: auf der Leinwand, im Münchner Kinosaal eingespielt von einem Dreh in Kanada. Dafür kommen die zuständigen Staatsminister persönlich, Digitalministerin Judith Gerlach (CSU), in deren Beritt Filme und Kinos fallen, und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler), der für Tourismus verantwortlich zeichnet. Aiwanger - "Lieblingsfilm Winnetou" - spricht davon, dass Bayern natürlich "eine gewisse Klischeelandschaft" sei, "wie im Heidiland" und ein Kontrapunkt "zu den herzlosen Städten".

Man biete aber die ganze Bandbreite an, "vom Berg bis zum Flachland", und dies erweise sich zunehmend im "Filmland Bayern" als Erfolg. Die Symbiose, die Film und Tourismus eingehen sollen, erkennt man übrigens auch beim Empfang in der Lobby, bei Sektschlürfen und Smalltalk. Viele Filmmenschen sind da, schicke Kostümchen und Sakkos, durchbrochen immer wieder von Dirndl und Trachtenjanker.

Freund oder Feind. Ein Krimi aus Passau,Szenenfoto

Der Krimi "Freund oder Feind" wurde in Passau gedreht. Die Ausstrahlung ist für dieses Jahr geplant.

(Foto: Hendrik Heiden/Degeto/BR)

Gerlach lobt zuvorderst die Initiative Filmkulisse als "Scharnier, das alle Player zusammenfasst". Der Freistaat sei ein Top-Standort für alles, was mit Filmen und Serien zu tun habe. Passau habe da gut vorgelegt. Seit vergangenem Jahr dreht die ARD dort die neue Reihe "Der Passau-Krimi". Ebenfalls in der Region entstanden ist zuletzt Joseph Vilsmaiers Kinofilm "Der Boandlkramer und die ewige Liebe". Jury und Krimi-Produzenten überschlagen sich mit Lob. So biete Passau ein "einzigartiges Panorama und Ambiente, auch nachts" und facettenreiche Motive: verwinkelte Altstadtgassen, großzügige Plätze mit Blick auf Bürgerhäuser, die vielfältige Kirchenarchitektur. "Im Gegensatz zu anderen Städten öffnen die kirchlichen und akademischen Einrichtungen Tür und Tor für Dreharbeiten."

Pluspunkte bei der Jury gibt es zudem für Infrastruktur wie Hoteldichte und Anbindung - und für die Passauer selbst. Das Ordnungsamt hilft demnach unbürokratisch, wenn es um Drehgenehmigungen oder Vollsperren und sogar den Aufstieg von Drohnen geht. "Alle handeln maximal flexibel." Die Passauer selbst parkten anstandslos Autos um oder beteiligten sich als Statisten. Dass die Stadt eine "lebende Solidargemeinschaft" sei, sei ja bekannt; auch bei den Flutkatastrophen habe man in Passau zusammengehalten und vieles auf die Beine gestellt.

Den Passauer Gästen im Münchner Kino - Katrina Jordan, Medienreferentin der Universität, und der Tourismusdirektorin Pia Olligschläger - bleibt bei all dem durchinszenierten Preisverleihungstrubel kaum Raum für Dankesworte. Nur so viel: Besuch in die Gegenrichtung sei erwünscht, auf den Spuren der Kulissen. "Passau ist immer eine Reise wert." Gereist wird seit Herbst - ein neues Projekt der "Filmkulisse" - übrigens verstärkt in alle Winkel Bayerns. Auf Wunsch von Produzenten organisiert man Fahrten in die Regionen, um faszinierende lokale Geschichten aufzuspüren, die Stoff für die Leinwand bieten. Also der umgedrehte Weg: erst der Ort, dann das Drehbuch. Womöglich ist ja ein "Drehort des Jahres" der Zukunft mit dabei.

© SZ vom 23.01.2020/vewo
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