Passau:Warum das Dackelmuseum nach Linz abwandern will

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Dackelmuseum Passau

Dackel in allen Variationen - darum geht es im Museum für den Hund in Passau.

(Foto: dpa)

Die Betreiber des Museums liegen mit der Stadt Passau im Streit. Doch eine Welteinzigartigkeit ausgerechnet an Österreich verlieren? Vielleicht könnte ein Museumstausch die Blamage verhindern.

Glosse von Maximilian Gerl

Laut Bairischem Wörterbuch ist "aufdackeln" oder "aufdaggeln" im Sinne von "sich auffällig schmücken" zu verstehen. Inwiefern das Verb vom guten alten Dackel oder vielleicht doch eher vom seemänischen "auftakeln" herrührt, wäre mal eine Aufgabe für Sprachwissenschaftler. In jedem Fall passend machte sich das Wort bislang über der Tür des Dackelmuseums in Passau, der nach eigenen Angaben weltgrößten Schau über den mutmaßlich bayerischsten aller Hunde.

Auch Passau selbst schien das 2018 eröffnete Kleinod längst ins Herz geschlossen zu haben. "Liebevoll", heißt es auf der Rathaus-Website, und "mit Augenzwinkern" werde die Ausstellung am "wohl schönsten Platz der Stadt, dem Residenzplatz", präsentiert.

Mit der Harmonie ist es jedoch vorbei. Dem Residenzplatz droht eine Zukunft ohne Aufdackelei. "Wir schließen das Dackelmuseum", teilten die Betreiber vergangene Woche dem BR mit. Stein des Anstoßes war demnach eine Aufforderung der Stadt, künftig das Aufstellen von Sonnenschirmen, Möbeln und diverser Dackel-Artikel vor dem Museum zu unterlassen: Dafür sei ein Sondernutzungsantrag nötig, der aber "gemäß der geltenden Stadtbildsatzung nicht genehmigungsfähig" sei.

Das wiederum wollten die Museumsverantwortlichen so nicht auf sich sitzen lassen. Seit vier Jahren bewerbe das Dackelmuseum die Stadt Passau weltweit, zitierte sie der BR. Doch stattdessen werde man nicht nur mit Nichtachtung bestraft, sondern nun auch noch mit Strafandrohung. Wenn es sich die Stadt daher nicht anders überlege, werde man umziehen. Das nahe Linz etwa werde das Museum "mit Handkuss" nehmen.

Eine Welteinzigartigkeit, die nach Österreich abwandert? Das müsste es eigentlich schon aus lokalpatriotischen Gründen zu verhindern gelten. Außerdem haben sie in Linz bereits ein Museum für eher spezielle Interessen. Das dortige Zahnmuseum zeigt historische Exponate der Zahnheilkunde in Vitrinen, die an Backenzähne erinnern. Ein besonderer Teil der Ausstellung ist dabei der Kieferorthopädie gewidmet. So gesehen könnte sich hier notfalls auch ein für alle Seiten gesichtswahrender Kompromiss anbieten: Dackel gegen Zähne - es wäre der Museumstausch, der Passaus Residenzplatz zumindest vor der rein optischen Abdackelung bewahrte.

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