Passau:"Hier sah es aus wie im Dschungel"

Lesezeit: 3 min

Danach nahmen die Bürger das Projekt selbst in die Hand. Kummer erinnert sich noch gut daran, wie sie erst politisch den Weg bereiten und die Zweifler in München umstimmen mussten. "Wir transportieren doch keine heiße Luft", hieß es dort zunächst abschätzig über das Vorhaben. Später ging es darum, die Strecke wieder flott zu machen.

"Hier sah es aus wie im Dschungel", erzählt Kummer. Im Förderverein der Ilztalbahn mit etwa 700 Mitgliedern fanden sich jedoch Dutzende, die anpackten und die Gleise wieder freilegten. Mittlerweile machen die Schienen-Freunde dem Bahn-Konzern vor, wie man eine solche Nebenstrecke halt doch betreiben kann.

Die Latein- und Religionslehrerin Monika Fecher ist heute im Schienenbus unterwegs und verkauft als Zugbegleiterin die Tickets. "Das ist Abenteuer pur", sagt sie. Im Bahnhof Waldkirchen steht Stefan Gärditz am Bahnsteig. Von Beruf ist er Eisenbahnbetriebsleiter und arbeitet in Nürnberg. In seiner Freizeit lässt er hier ehrenamtlich für die Ilztalbahn die Züge fahren.

10 000 Euro Preisgeld für die Bahnfreunde

"Sieben Tage Eisenbahn die Woche", sagt er in einem Ton, so als könnte die Woche für ihn auch gut und gerne acht Bahntage haben. Andere Freiwillige bedienen die Schranken oder machen Werbung. 20 bis 30 Ehrenamtliche sind jedes Wochenende im Einsatz, damit der Bahnbetrieb möglich wird. Es war deshalb nur konsequent, dass der Landtag 2011 den Bürgerkulturpreis für herausragendes ehrenamtliches Engagement an die Bahnfreunde vergab - verbunden mit 10 000 Euro Preisgeld.

Schreiben Sie der SZ

Von Hengersberg nach Hopferau, von Lohr am Main nach Tyrlaching: Die Bayernredaktion reist im Sommer kreuz und quer durch den Freistaat. Wo es nach unserer Fahrt mit der Ilztalbahn hingehen soll, bestimmen die Leser. Ungewöhnliche Menschen und deren Leben, Naturschönheiten, Ausflüge in die Geschichte, seltene Berufe, ausgefallene Hobbys, Stadtgeflüster und Landpartien, all das kommt als Thema in Frage. Schreiben Sie uns, was und wen Sie in Ihrer Heimat für besonders halten. Per Post an Süddeutsche Zeitung, Bayernredaktion, Hultschiner Str. 8, 81677 München oder per Mail an bayernredaktion@sueddeutsche.de. Tipps, aus denen wir eine Geschichte machen, werden mit einer Flasche Wein belohnt.

SZ

Die Fahrgäste sind eine Belohnung ganz anderer Art. Unter ihnen gibt es jene mit Wanderschuhen, die die Bahn nutzen, um später von den Haltepunkten aus das Ilztal zu erkunden. Aber man sieht auch Halbschuhträger, die einfach nur gekommen sind, um auf Züge zu starren. "Herrlich, dass ich das noch erleben darf", sagt ein Mann, der sich sogar ans Steuerpult setzen und dabei wie ein Kind fühlen darf.

Fahrpläne, Preise und das Programm der Ilztalbahn finden sich im Internet unter www.ilztalbahn.eu Für den Tipp bedanken wir uns bei Sophie Papke aus Passau.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema