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Parteitagsbeschluss:Grüne treten neuen Kruzifix-Streit los

Das Kruzifix-Votum der bayerischen Grünen sorgt für Zündstoff: Sowohl die beiden großen Kirchen als auch CSU und SPD kritisieren heftig die Forderung, religiöse Symbole aus den Klassenzimmern zu verbannen.

Die Kritik am Parteitagsbeschluss der bayerischen Grünen zum Verbot aller Religionssymbole in Klassenzimmern reißt nicht ab. Die Grünen hatten sich vergangenes Wochenende auf ihrem Parteitag in Augsburg dafür ausgesprochen, Symbole wie Kreuz, Kopftuch oder Nonnentracht aus bayerischen Schulen zu verbannen.

Das Grünen-Votum ziele auf eine "Kultur des Areligiösen", kritisiert der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx.

(Foto: Foto: dpa)

Nun haben sich die Spitzen der beiden großen Kirchen dazu geäußert: "Wir erkennen darin einen Verstoß gegen die grundgesetzlich garantierte Religionsfreiheit", schreiben etwa der evangelische Landesbischof Johannes Friedrich und die Synodalpräsidentin Dorothea Deneke-Stoll in einer Mitteilung. Die Forderung müsse unverzüglich korrigiert werden.

"Unvereinbar ist der Beschluss zudem mit den obersten Bildungszielen der Bayerischen Verfassung, zu denen die Ehrfurcht vor Gott und die Achtung vor religiöser Überzeugung zählen", so Friedrich und Deneke-Stoll weiter. Das sogenannte Kruzifix-Votum der Oppositionspartei im Landtag vom vergangenen Wochenende fördere ein Klima der Intoleranz, Unfreiheit und Religionsfeindlichkeit.

Im gesellschaftlichen und politischen Abseits

Ähnlich äußerte sich der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx: Wer gläubige Menschen auf diese Weise vor den Kopf stoße, stelle sich selbst ins "gesellschaftliche und politische Abseits". Der Vorgang zeige, dass es bei den Grünen nach wie vor ein "ungeklärtes Verhältnis zu Glaube und Religion und ihrer öffentlichen Bedeutung" gebe. Die Forderung ziele auf eine "Kultur des Areligiösen", die das Christentum von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ausschließen und Bayern von seinen geistigen Wurzeln abschneiden wolle.

Heftige Kritik an dem Beschluss der Grünen kam auch von mehreren Kabinettsmitgliedern, von Lehrerverbänden und der SPD-Fraktion im Landtag. So etwa bezeichnete deren Chef Franz Maget die Grünen-Forderung als "daneben" und sprach von einem "Fehler". Kruzifixe in öffentlichen Gebäuden seien eine Selbstverständlichkeit, an der niemand Anstoß nehme, betonte Maget. Es sei "unsinnig", hierüber jetzt einen Streit vom Zaun zu brechen.

Auch die CSU polterte mit: Von einer "kaum nachvollziehbaren Wut auf alle möglichen Symbole von Religion und Tradition in unserem Land" sprach der CSU-Fraktionschef im bayerischen Landtag, Georg Schmid. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer bewerteten vor allem die Gleichsetzung von Kreuz und Kopftuch als skandalös. Das Kopftuch sei ein Symbol der Unterdrückung. Christliche Traditionen hingegen seien fester Bestandteil "unserer Alltagskultur", sagte Haderthauer dem Münchner Merkur.

Die Grünen indes hatten ihre Forderung wiederholt als ein Gebot der Toleranz verteidigt. Denn - so die Argumentation - keine Religion dürfe hochwertiger sein als die andere. Das Votum des Parteitags stehe auch auf der Grundlage der Verfassung, weil damit die Gleichbehandlung der Religionen eingehalten werde: "Wenn ein Kopftuch nicht zulässig ist, ist auch Nonnentracht nicht zulässig", hatte Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause bekräftigt.

Auf ihrem Augsburger Parteitag am vergangenen Wochenende hatten die Delegierten der Grünen mehrheitlich dafür gestimmt, alle religiösen Symbole aus Bayerns Schulen zu Verbannen. Im Programmentwurf für die bayerische Landtagswahl im Herbst heißt es, die Religionsfreiheit von Schülern könne am besten geschützt werden, wenn sich die Neutralität der Lehrer auch in ihrem Erscheinungsbild niederschlage.