Parteitag in Augsburg Grüne wählen Sigi Hagl zur neuen Landesvorsitzenden

Sigi Hagl nach ihrer Wahl zur Landesvorsitzenden der bayerischen Grünen in Augsburg.

Ärmel hochkrempeln und zurück zu den Kernthemen: Sigi Hagl ist zur neuen Landesvorsitzenden der bayerischen Grünen gewählt worden - mit 86,9 Prozent. Bei der Debatte über die Ursachen der Wahlniederlagen im September herrschte auf dem Parteitag dagegen weniger Einigkeit.

Die Niederbayerin Sigi Hagl ist neue Landesvorsitzende der bayerischen Grünen. Die 46-Jährige wurde am Sonntag auf dem Parteitag in Augsburg mit großer Mehrheit zur Nachfolgerin von Theresa Schopper gewählt, die nicht mehr kandidiert hatte. Sie erhielt 205 von 236 Stimmen, das sind 86,9 Prozent. Hagl ist seit 2008 Stadträtin in Landshut und war seit 2012 Beisitzerin im Landesvorstand. Weitere Kandidatinnen gab es nicht.

Die beiden Landesvorsitzenden - ein Mann und eine Frau - werden bei den Grünen im Wechsel gewählt. Landeschef Dieter Janecek hat bereits angekündigt, seinen Posten im kommenden Jahr abzugeben.

Hagl rief ihre Partei zu einer Rückbesinnung auf grüne Kernthemen auf. Die Grünen müssten die Ärmel hochkrempeln und selbstbewusst für grüne Politik kämpfen. "Klimaschutz und Energiewende geht nur grün", sagte sie. Dabei müsse auch der Atomausstieg wieder stärker thematisiert werden. "Wenn der Atomausstieg auch beschlossene Sache ist - er ist noch lange nicht vollzogen", warnte sie.

Zugleich kündigte Hagl an, in ihrem neuen Amt für die Belange der Kommunen zu kämpfen. Die Städte und Gemeinden seien unterfinanziert - das müsse sich ändern. Mit Blick auf die Kommunalwahlen und die Europawahl im kommenden Jahr sagte sie: "Wir werden gebraucht. An uns soll 2014 kein Weg vorbeiführen." Kritik übte Hagl an den unzureichenden Ganztagsangeboten an den Schulen. Es müsse mehr echte Ganztagsangebote geben und nicht nur Mittagsbetreuungs-Angebote.

Bereits am Samstag hatte Janecek ganz ähnliche Forderungen gestellt. Er prangerte eine falsche Schwerpunktsetzung im Wahlkampf an und forderte ebenfalls eine Rückbesinnung auf eigene Kernthemen. Nach den Niederlagen bei Landtags- und Bundestagswahl wurde über die Ursachen heftig gestritten. So warf eine Delegierte dem Landesvorstand vor, mitschuld an der falschen Themensetzung zu sein. Sie wünsche sich hier vom Vorstand "etwas mehr Selbstreflexion". Ein anderer Delegierter kritisierte, er habe, was die Plakate angehe,noch nie einen derart inhaltsleeren Wahlkampf erlebt wie diesen.

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