"Papstkatze" kratzt und beißt Satansbraten auf vier Beinen

Der Papst und der Nachbarskater - eine tiefe Freundschaft soll das gewesen sein. Sogar ein Kinderbuch befasste sich mit dem innigen Verhältnis zwischen Benedikt XVI. und seinem flauschigen Gefährten. Doch nun verpasst ausgerechnet Papst-Bruder Georg Ratzinger dem Mythos einen Kratzer.

Kurz vor dem Deutschlandbesuch von Benedikt XVI. rüttelt sein Bruder Georg Ratzinger an Legenden über die "Papstkatze" Chico: Seinem Bruder werde eine besondere Beziehung zum Kater seines Pentlinger Nachbarn, Rupert Hofbauer, "angedichtet", die nun gar nicht stimme, stellt Ratzinger in seinem Buch "Mein Bruder, der Papst" (Herbig Verlag) klar und verrät: "Der Chico kann nämlich ziemlich bösartig sein." Und wenn der Kater böse werde, dann kratze und beiße er.

"Papstkater" aus Pentling: "Der Chico kann ziemlich bösartig sein."

(Foto: dapd)

Ratzinger schildert, dass sich Chico vor Jahren einmal in das Haus seines Bruders geschlichen habe. "Als mein Bruder dann gehen wollte, hat er sich nicht getraut, den Kater hinauszutragen." Er habe seinen Nachbarn rufen müssen, damit er den Kater hole. Chico sei "halt ein schwieriges Tier mit zwei Seelen in seiner Brust".

Hofbauer hatte dagegen stets von der engen Beziehung von Chico zum damaligen Kardinal Joseph Ratzinger berichtet, was dem Kater die Bezeichnung "Papstkatze" einbrachte. "Chico wollte gar nicht mehr weg von ihm, manchmal mussten wir ihn extra rausholen", erzählte er einmal. Nach seiner Wahl zum Papst habe sich Ratzinger in Briefen sogar nach dem Kater erkundigt.

Das wiederum inspirierte vor einigen Jahren die italienische Autorin Jeanne Perego zu ihrem Kinderbuch "Joseph und Chico". In dem Band, der in ein Dutzend Sprachen übersetzt wurde, ließ sie die "Papstkatze" aus Pentling das Leben Joseph Ratzingers von dessen Geburt in Marktl bis zur Papstwahl in Rom erzählen. Der Privatsekretär von Benedikt XVI., Georg Gänswein, steuerte das Vorwort zu dem Buch bei: "Ich habe es natürlich auch gelesen und war sofort Feuer und Flamme."

Doch hatte Kardinal Ratzinger am Ende zu Chico gar keine besondere Beziehung? Die Hofbauers bleiben bei ihrer Darstellung. "Der Chico war oft drüben, und er wollte auch gar nimmer rausgehen", versichert Therese Hofbauer auf Anfrage. Joseph Ratzinger habe den Kater sehr gern gehabt. "Er ist ein Katzenfan." Erst vor kurzem, als ein gemeinsamer Bekannter zur Audienz in Rom gewesen sei, habe sich Benedikt XVI. nach dem Schäferhund der Hofbauers sowie nach Chico erkundigt.

Dem mittlerweile betagten Kater gehe es übrigens "glänzend", berichtet Therese Hofbauer, die zusammen mit ihrem Mann das Privathaus des Papstes in Pentling verwaltet. Auch heute noch gehe Chico oft ins Benedikts Haus - "und versteckt sich dort". Dass sein Bruder ein großer Katzenfreund ist, bestätigt freilich auch Georg Ratzinger in seinem Buch: "Ich muss zugeben, wir Ratzingers mögen Katzen alle sehr gern."