Oper in der Eishalle Von Narren und Weisen

Am Wochenende beginnt das Richard-Strauss-Festival in Garmisch-Partenkirchen

Von Sabine Reithmaier, Garmisch-Partenkirchen

Bis jetzt hat noch kein Künstler abgesagt. Der Wetterbericht ist auch nicht so schlecht. "Ich bin aber trotzdem auf alles Mögliche gefasst", sagt Brigitte Fassbaender. Seit 2009 leitet die Kammersängerin das chronisch unterfinanzierte Richard-Strauss-Festival in Garmisch-Partenkirchen, das an diesem Samstag, 11. Juni, startet. "Von Narren und Weisen", lautet das Motto der diesjährigen Festspiele. Ein Schelm, wer glaubt, dass dies auf die Dauerdebatten um Geld und Zuschüsse mit Politikern und Sponsoren anspielen soll. Es bezieht sich einfach nur auf die drei Tondichtungen, die im Mittelpunkt des Festivals stehen werden: "Till Eulenspiegels lustige Streiche", "Also sprach Zarathustra" und "Don Quixote".

Es ist das vorletzte Strauss-Festival Brigitte Fassbaenders. "Dann verabschiede ich mich von Garmisch-Partenkirchen", sagt die fast 77-Jährige. Und trotz einer leichten "Vorabschiedsstimmung" amüsiert sie sich über einen Reim im Programm - den Cello-Part im Don Quixote spielt Daniel Müller-Schott (17. Juni). In dem Konzert sind auch das Erste Cellokonzert von Camille Saint-Saëns zu hören und die Orchestersuite aus dem Strauss-Ballett "Schlagobers". "Die wollte ich unbedingt einmal live hören, da ist so selten die Gelegenheit", sagt Fassbaender. Hatte sie sich während des letzten Festivals auf die frühen Tondichtungen konzentriert, so geht es dieses Mal um die mittleren Jahre, eben auch um "Also sprach Zarathustra" (12. Juni), einem Stück, von dem jeder zumindest den Anfang kennt, seit Stanley Kubrick 2001 die einleitenden Takte in seinem Film "Odyssee im Weltraum" verwendete.

Enkel und Urenkel lesen aus dem Briefwechsel des Komponisten mit seinem Vater

Das persönliche Highlight Fassbaenders ist aber die "Elektra" (11. Juni), eines der "tollsten Stücke" Strauss', wie sie findet. "Nicht so lang, dafür geballte Kraft." Außerdem ist sie neugierig auf die viel gerühmte Strauss-Kultur des Aalto-Musiktheaters Essen. Dass die Aufführung der konzertanten Oper in der Eishalle stattfindet, sorgt sie nicht. "Die kriegen wir atmosphärisch immer gut hin."

Stolz ist die Festivalleiterin darauf, dass es ihr gelungen ist, die Koloratursopranistin Edita Gruberova zu einem ihrer seltenen Meisterkurse zu überreden. "Sie kokettiert da zwar ein bisschen und behauptet immer, sie könne das nicht, weil sie keine Geduld hat." Fassbaender freut sich schon immens auf das Künstlerinnengespräch mit ihrer Kollegin (12. Juni, ausverkauft), weil Edita Gruberova eben nicht nur sehr eloquent, sondern auch sehr lustig sei.

Originell dürfte auch die Lesung aus dem Briefwechsel von Vater Franz und Sohn Richard Strauss sein. Denn lesen werden Enkel und Urenkel des Komponisten, Christian und Alexander Strauss (13. Juni). "Authentischer kann man es nicht haben", findet Fassbaender. Sie selbst rezitiert bei einem Melodramenabend Strauss' "Enoch Arden", das er nach dem Gedicht von Alfred Lord Tennyson komponierte, ein eher selten aufgeführtes Werk, bei dem Wolfram Rieger den Klavierpart spielt.

Insgesamt, so findet die Festspielleiterin, ein rundes Programm. Fassbaender macht sich aber dennoch wieder einmal Gedanken darüber, warum ein Festival, das einen Komponisten von Weltgeltung würdigt, so knapp bei Kasse gehalten werde. Mozart habe sich in Würzburg doch nur wenige Stunden aufgehalten, um Kaffee zu trinken; aber das Festival, das die Stadt in Erinnerung an diesen Kurzaufenthalt ins Leben rief, werde groß bezuschusst, konstatiert sie. Richard Strauss wiederum lebte 42 Jahre lang in Garmisch-Partenkirchen, die meisten seiner Kompositionen entstanden hier. "Ich weiß nicht", klagt Brigitte Fassbaender, "warum sich seine Wichtigkeit nicht durchsetzt in den Köpfen der bayerischen Kulturpolitiker.