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Kultur in Bayern:Welche Freilicht-Bühnen sich in diesem Sommer lohnen

Lesezeit: 7 min

Nach der erzwungenen Corona-Pause geht es auf Bayerns Open-Air-Bühnen wieder um die großen und kleinen Fragen des Lebens. Eine Auswahl an Klassikern, Konzerten, Kinderstücken und historischen Stoffen.

Von Florian Fuchs, Maximilian Gerl, Matthias Köpf, Hans Kratzer, Clara Lipkowski und Olaf Przybilla

Corona mag in zwei Jahren viel kaputt gemacht haben, die Freude am Feiern, Singen und Spielen aber ist nicht ganz erloschen. Das Leben war ja auch früher getränkt mit Sorgen und Nöten. Der ständige Kampf gegen Seuchen, Hungersnöte und die Mächte des Bösen hat in den Menschen offensichtlich eine ewige Sehnsucht nach Ablenkung und Unterhaltung entfacht. Sichtbar zum Ausdruck kommt diese Lebensfreude alljährlich im Sommer, wenn von Berchtesgaden über den Bayerischen Wald bis hinauf ins Fichtelgebirge die Saison der Freilicht-Festspiele einsetzt. Man ist fast geneigt zu behaupten, dass sich dann fast ganz Bayern in eine Theaterlandschaft verwandelt. Immerhin wird mit großer Wucht eine seltene Fülle von Freilichtbühnen bespielt. Oft geht es um historische Ereignisse, die das Land geprägt haben. Und oft wird der Ernst komödiantisch verpackt, es geht ja darum, das Elend der Welt mit Lachen und Freude aufzuhellen. Nicht zuletzt geht es auch um die ganz großen Fragen der Menschheit.

Freilicht-Theater Mühldorf

Die Mühldorfer Ritterschlacht von 1322 war ein Ringen um die Kaiserkrone. Auch 700 Jahre danach ist das Thema aktuell. Das Theaterstück "Der bairische Aff oder wie einer Kaiser wird" in Mühldorf leuchtet jene Zeit aus, stellt aber auch Fragen von heute: nach Freundschaft in Zeiten des Krieges, nach Treue, nach Brüderlichkeit. Und warum wurde eigentlich nicht der Affe das bayerische Wappentier?

Premiere: Freitag, 22. 7., 19.30 Uhr, im Haberkasten-Innenhof in Mühldorf. Weitere Aufführungstermine: 23., 29. und 30. 7. Karten: Kulturbüro der Stadt Mühldorf, Tel. 08631-612 612; haberkasten.de

Bergwaldtheater Weißenburg

Das überschaubare fränkische Weißenburg mit 17 000 Einwohnern - ausgerechnet dieses Städtchen dient China zum Nachbau? Noch dazu in klimafreundlicher Ausführung? Sehr wohl, geht es nach Clemens Berger, der darüber im Juli eine aufwendige, satirische Komödie auf die Bühne des Bergwaldtheaters bringt. Ob sich die Stadt das gefallen lässt? "Bildgewaltig" werde es, versprechen Georg Schmiedleitner und Rebekka Gruber, die Regie führen. Für eine Videoproduktion zum Stück stürmten jüngst Dutzende das Weißenburger Rathaus. Irritierend? So viel sei verraten: Das Publikum erwartet laut Theaterteam eine "fatale Dynamik".

Premiere: 23.7., dann Termine bis 7. 8. Karten: 19 bis 31 Euro unter: tickets.vibus.de. Infos: glueckskeks.bergwaldtheater.de

Luisenburg-Festspiele Wunsiedel

Ein gewisser Jimmy Hartwig spielt den Habsburger Kaiser - aber das ist doch nicht der Jimmy Hartwig, oder? Doch genau der. Seine Stationen als Fußballer beginnen bei Kickers Offenbach, über die Löwen ging's zum HSV, wo er den "Europapokal der Landesmeister" nach Hamburg holte, so hieß damals die Champions League. Und nun Wunsiedel, die Luisenburg in Oberfranken. Mag mancher für einen Abstieg halten, unter den Freilufttheatern spielt Wunsiedel freilich in der Beletage. Zu sehen ist Hartwig, inzwischen Schauspieler, in Peter Shaffers Erfolgsstück "Amadeus". Ebenfalls auf dem Programm: "Sister Act", "Sturm" und "Zeitelmoos".

Die Festspiele haben schon begonnen, sie enden am 1. 9. Karten von 8 bis 59 Euro, Infos: luisenburg-aktuell.de

Calderón-Spiele Bamberg

Shakespeares "Romeo und Julia", muss man sich das immer wieder anschauen? Die Darreichungsform in Bamberg, bei den Calderón-Spielen, macht Appetit. In der Alten Hofhaltung auf dem Domberg kann man nicht viel falsch machen, die Atmosphäre ist so bestrickend, dass Filmaufnahmen fast an der Tagesordnung sind. Wer trotzdem skeptisch ist, sollte sich das Einführungsfilmchen des ausrichtenden ETA Hoffmann Theaters anschauen - das Deklamieren in historischem Gebäudekomplex unter freiem Himmel macht mindestes mal Laune. In Aussicht gestellt werden "intensive Gefühlsströme"!

Premiere ist am 25. 6., läuft bis 23. 7., Karten zu 18 und 40 Euro. Infos: theater.bamberg.de

Further Drachenstich

Der Further Drachenstich ist eine Art Superlativ, mit Strahlkraft weit über den Landkreis Cham hinaus. So stammt seine früheste Erwähnung aus dem Jahr 1590, weshalb er als Deutschlands ältestes Volksschauspiel beworben wird. Der namensgebende Drache in Furth bekam als weltgrößter "vierbeiniger Schreitroboter" einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde. Worum es in dem Stück geht? Angesichts der feuerspeienden Drachennüstern fast schon Nebensache: aber vor allem um den Kampf des Guten gegen das Böse.

Von 3. bis 21. 8. am Stadtplatz von Furth im Wald, der auch mit dem Zug von Regensburg aus erreichbar ist. Karten je nach Platzwahl ab 23 Euro, Infos unter drachenstich.de

Sommerfestspiele Dinkelsbühl

Ein chaotisches Revival der 1980er-Jahre mit: "Ich will Spaß oder wo bitte ist die Fernbedienung?", ein Vater, der verkraften muss, dass sein Nachwuchs keine katholischen Männer heiratet ("Monsieur Claude und seine Töchter"), eine Travestie-Show, große Gefühle bei der Musical Gala, "Robin Hood" und Auftritt: Django Asül. Kurzum, es wird bunt und beschwingt in Dinkelsbühl zu den Sommerfestspielen 2022. Kleiner Tipp: Decken und Kissen selbst mitbringen, diese stehen in diesem Jahr nicht zur Verfügung.

Die Festspiele dauern noch bis 21. 8., Karten ab 6 Euro (Kinderstücke) und 17 Euro unter (09851) 582527-27. Online unter tickets.vibus.de. Infos: landestheater-dinkelsbuehl.de

Kreuzgangspiele Feuchtwangen

"Beziehungsprobleme geschäftlicher und glamouröser Art", Ereignisse, die sich überstürzen - Besucherinnen und Besucher können sich auf Rasanz gefasst machen, wenn Kreuzgangspiele in Feuchtwangen zu "Im weißen Rössl" auffahren und das Lustspiel frei in ein Singspiel übersetzen. Außerdem im Kreuzgang zu sehen sind Klassiker wie "Kabale und Liebe" und Kindertheater im ebenso schönen Nixel-Garten. Alles laut Intendant Johannes Kaetzler unter zwei Schlüsselbegriffen: Zuversicht und Glücksversprechen.

Die Festspiele dauern noch bis 14. 8., Karten ab 27,50 Euro am besten telefonisch unter (09852) 904 44 erhältlich. Online: kreuzgangspiele.reservix.de. Infos: kreuzgangspiele.de

Trenckfestspiele Waldmünchen

Bei den Trenckfestspielen in Waldmünchen (Landkreis Cham) haben jährlich die Panduren ihren großen Auftritt. Diese Krieger dienten kroatischen Edlen und im Heer der österreichischen Kaiser. Und sie zogen 1742 unter Freiherr von der Trenck durch die Oberpfalz, wobei Waldmünchen nur knapp einer Katastrophe entging. Eine Geschichte also wie für die Bühne gemacht. Das 280. Jubiläum der Ereignisse wird in der Region gefeiert, weshalb neben den Festspielen von 24. bis 26. Juni ein Themenwochenende in Cham geplant ist.

An mehreren Terminen von 9. 7. bis 13. 8.; Erwachsene zahlen 18 Euro, Kinder zehn Euro. Karten unter okticket.de, Infos unter trenckfestspiele.de

Faust-Festspiele Pottenstein

Die Idee, Goethes "Faust" nahe der Teufelshöhle in der fränkischen Schweiz anzuschauen, versetzt sogar den Ministerpräsidenten in freudige Erregung. Jedenfalls laut Grußwort. Tatsächlich ist Pottenstein selbst Heimat einer alten Teufelspakt-Legende: In der Teufelshöhle soll ein Raubritter dem Teufel seine Seele übergeben haben, auf dass der ihn bei Überfällen und Raubzügen beschütze. Erst die Liebe zu einer Frau soll ihn bekehrt und vom Pakt erlöst haben. Ursprünglich waren die Faust-Festspiele in Kronach zu Hause, nun haben sie in Pottenstein ihre Heimat gefunden.

Mit "Der Pottensteiner Teufelspakt" beginnen die Festspiele am 22. 6., "Faust" folgt am 2. 7., Karten: 8 bis 24 Euro. Infos: faust-festspiele.eu

Schlacht bei Ampfing

Ihre "Schlacht bei Ampfing" lassen sich die Ampfinger nicht nehmen, obwohl das Ereignis auch als "Schlacht bei Mühldorf" in die Geschichte eingegangen ist und korrekt "Schlacht bei Erharting" heißen müsste. Wie auch immer: Die letzte Ritterschlacht ohne Feuerwaffen, die Ludwig der Bayer und Friedrich der Schöne um die Kaiserwürde führten, ist 700 Jahre her - für die Gemeinde ein Anlass, mit großer Laienschar ein Schauspiel mit dem Titel "1322 - Die Schlacht bei Ampfing" aufzuführen.

Ab zehn Jahren, Premiere 12. 8., bis 28. 8 freitags, samstags und sonntags, bei großer Nachfrage auch 2. bis 4. 9., Mittelalterfest 10./11. 9., Karten von 37 bis 59 Euro, Infos: schlachtbeiampfing.de

Allgäuer Freilichtbühne Altusried

Friedrich Schiller hat sich den Bayerischen Hiasl mutmaßlich zum Vorbild genommen. Aber was wäre, denn der Autor von "Die Räuber" und der Wilderer Matthäus Klostermayer sich tatsächlich getroffen hätten? In "Schiller und der Bayerische Hiasl: Wir Räuber" verknüpft Volker Klüpfel die Lebenswege des Dichters und des Hauptmanns. Alle drei Jahre bespielen sie in Altusried ihre Freiluftbühne, immer mit Inszenierungen, die sich dem Freiheitskampf verschrieben haben - nur das Leitungsteam besteht aus professionellen Künstlern. Klüpfel stand dort 1982 als Tellbub auf dem Rasen.

Noch bis 21. 8., Karten von 18,80 bis 42,80 Euro, Infos: allgaeuer-freilichtbuehne.de

Wallensteinfestspiele Altdorf

In Altdorf bei Nürnberg wird man demnächst wieder von Landsknechten, Feuerschluckern und Kaufleuten empfangen. Mit rund 1000 Darstellerinnen und Darstellern in historischen Gewändern wartet der Ort bei den Wallenstein-Festspielen auf. Dann werden auf der Bühne die tragische Wallenstein-Trilogie von Friedrich Schiller und das Volksstück "Wallenstein in Altdorf", nach dem Feldherrn, der dort tatsächlich studiert hatte, gezeigt. Und: Der Marktplatz wandelt sich zum Mittelalter-Lager.

Dauer der Spiele: 24. 6. bis 30. 7. Das Lager ist samstags ab 17 und sonntags ab 11 Uhr offen. Für die Theaterabende im Universitätshof wird warme Kleidung empfohlen. Karten: 3 bis 12 Euro. Infos: wallensteinfestspiele.de

Burgfestspiele Vilseck

Die Burgfestspiele in Vilseck (Landkreis Amberg-Sulzbach) starten mit neuem Programm. Diesmal im Mittelpunkt: Franz Troglauer, ein Rädelsführer der berüchtigten "Großen Fränkischen Diebes- und Räuberbande", die einst die Region unsicher machte und dem Bamberger Bischof den Bischofsstab stahl. In der Folge wurde Troglauer gejagt und 1801 in Amberg gehängt. Dort, wo er damals in Gefangenschaft saß, findet heute das von der Stadtbühne Vilseck inszenierte Theater um ihn statt - im Innenhof der Burg Dagestein.

Von 24. 6. bis 10. 7., immer Freitag-, Samstag- und Sonntagabend. Karten: ab 19 Euro unter okticket.de oder nt-ticket.de. Infos: vilsecktheater.de

Theatertage Mildenburg

Miltenberg am Main sollte man gesehen haben - und die "Mildenburg" ist gar nicht zu übersehen. Etwa 150 Meter oberhalb der Stadt liegt sie, wurde vom Mainzer Erzbischof im 12. Jahrhundert als östliche Grenzsicherung seiner Machtsphäre errichtet und gilt spätestens seit einer Renovierung vor zwölf Jahren als Schmuckstück. Für die "Theatertage auf der Mildenburg" dient ihr Hof als Kulisse. Das Hauptstück ist "Don Gil, der betrogene Betrüger", eine Komödie von Mathias Schuh, der ein spanisches Volkstheaterstück als Vorlage diente. Für jüngere Zuschauer steht "Frau Holle" auf dem Spielplan.

Von 13. 7. bis 23. 7., Karten: von 6 bis 23 Euro, Infos: theatertage-mildenburg.com

Burgfestspiele Neunußberg

Aus heutiger Sicht gilt Karl Valentin (1882-1948) als bedeutendster Humorist Bayerns. Doch zu Lebzeiten hatte er es nicht immer leicht. Vor zehn Jahren bescherten die Valentin-Sketche dem Ensemble der Burgfestspiele Neunußberg einen Riesenerfolg. Nach zwei Jahren Corona-bedingter Bühnenpause mit entsprechenden Folgen für Ensemble und Vereinsfinanzen entschied man sich in diesem Jahr, eine Wiederauflage der Bühnenstücke von Valentin auf den Burganger der Burgruine Neunußberg zu bringen. Mit Bier und Brotzeit.

Premiere Valentin-Abend 15. 7., weitere Aufführungen: 16., 21., 22. und 23.7. Karten: Tourist-Info Viechtach, Tel. 09942/808250. Infos: burgfestspiele-neunussberg.de

Altmühlsee-Festspiele Muhr am See

"Sechs Tanzstunden in sechs Wochen" - das ist nicht das Programm der diesjährigen Altmühlsee-Festspiele Muhr am See, es ist der Titel der bissigen Tragikomödie nach Richard Alfieri. Marion Nitsch und René Oltmanns tanzen und spielen mitten im Panorama des Fränkischen Seenlands, sie streiten erbittert-komisch und raufen sich zusammen bei schmerzlichen Themen. Außerdem zu sehen: "Macbeth" (FSK 16), "Szenen einer Ehe" und "Sherlock Holmes" - eine Kriminalkomödie für drei Schauspieler und eine Nebelmaschine.

Die Festspiele enden mit Klassik-Open Air am 24. 7. Karten dafür 12 Euro, für die Theaterstücke 24 Euro, Ermäßigung möglich: reservix.de. Infos: altmuehlsee-festspiele.de

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