Modular

Dominant erscheint der alte Gaskessel, er prägt aber nicht nur die urban-industrielle Szenerie des Modular-Festivals, er wird auch genutzt: Zum dritten Mal können die Besucher sich Skates anziehen und drinnen in der Roller-Disco ihre Runden drehen. Welches andere Festival hat so etwas zu bieten? Das Modular hebt sich auch sonst von der Masse ab, mit 30 000 Gästen jährlich zählt es zu den größten Jugendkulturfestivals Deutschlands. Sein Engagement für Nachhaltigkeit wird ebenso gelobt wie seine moderaten Preise (vom 21-Euro-Sozial-Tages-Ticket bis zum regulären Drei-Tage-Pass für 122 Euro) und das Platzprogramm mit Kleidertauschbörse, Portraitzeichenkurs und der „Future World“ der Technischen Hochschule. Schier unglaublich ist, wie viele Acts es auf den vier Bühnen im Kreativquartier Gaswerk zu entdecken gibt, 75 Lieblinge der Gen Z stehen auf der Bühne, die Stars sind diesmal Zartmann („Tau mich auf“), MilleniumKid, Levin Liam, Bilderbuch, Badchief und Badmomzjay.
Modular, Freitag bis Sonntag, 6. bis 8. Juni, Augsburg, Gaswerk, www.modular-festival.de
Rock im Park

Es ist das größte Festival mit den kürzesten Wegen in Bayern: Rock im Park. Das heißt aber auch, dass man im Nürnberger Volkspark Dutzendteich etwas enger zusammenrücken muss – dieses Jahr wird es noch kuscheliger, denn zum runden Geburtstag (30 Jahre) hat man so viele Karten verkauft wie noch nie: 795 000 Besucher drängen an jedem der drei Tage aufs Zeppelinfeld, um auf der bislang größten Festivalbühne Schwergewichte des Gitarrenrock zu erleben. Die großen Zugnummern 2025 sind am Freitag Slipknot, Rise Against, Bullet for My Valentine, Kontra K, am Samstag Korn, Beatstakes, Falling in Reverse, Sleep Token und am Sonntag Bring Me The Horizon, The Prodigy, K.I.Z. und Biffy Clyro. Auch Freunde der feinen Indie-Unterhaltung werden fündig bei Weezer, Drangsaal, Tocotronic und mehr. Der Dutzendteich darf übrigens nicht beschwommen werden, dafür ist diesmal seit Langem wieder der Eintritt ins Stadionbad im Ticket inbegriffen.
Rock im Park, Freitag bis Sonntag, 6. bis 8. Juni, Nürnberg, Volkspark, www.rock-im-park.com
Noisehausen

Einmal im Jahr wird Schrobenhausen zu Noisehausen. Statt um Spargel dreht sich in der 18 000-Einwohner-Stadt dann drei Tage lang alles um Rock. Dass hier seit acht Jahren die Musikkultur einzieht, sei besonders wichtig für diese „kulturarme Region“ befand die Jury des Bayerischen Rockkulturpreises und zeichnete den „Festivalleuchtturm“ 2024 als Open Air des Jahres aus. Besonders schätzte man, das ehrenamtliche Engagement der Macher, das dabei helfe, dem „immer größeren Druck der Branchen-Giganten“ standzuhalten. Was aber auch beachtlich ist, ist das überaus ambitionierte Programm, diesmal 20 Bands an zwei Tagen. Wirklich prominente Künstler heben das Noisehausen von vielen Wald-und-Wiesen-Festivals ab. In diesem Jahr sind das neben dem britischen Folk-Punk-Star Frank Turner vorwiegend die namhaftesten Bands aus München: die Sportfreunde Stiller, deren Freunde von den Blackout Problems, die Brass-Pop-Band Monobo Son und die Italo-Pop-Queens Principess. Szenehelden sind auch Kavka aus Berlin (mit dem Underground-Hit „Alle hassen Nazis“) und Rap-Feingeist Der Peter aus der Mozartstraße.
Noisehausen, Freitag und Samstag, 25. und 26. Juli, Schrobenhausen, noisehausen.de
Brass Wiesn

Slogans hat die Brass Wiesn reichlich, „die Open-Air-Gaudi für Jung und Oid“ wird Neubairisch versprochen, oder „das Blasmusik-Festival seit 2013“, denn „hier trifft Gemütlichkeit auf Herzlichkeit“. Die Veranstalter haben jedenfalls aus dem weltweiten Blasmusikkosmos alles herausgeholt, was man herausholen kann: Hier tönt das Blech aus allen Rohren, ob unterm freien Himmel, im Bierzelt, in „urigen Almen“, auf den Zeltplätzen oder am (und sogar im) inzwischen von 15 000 Besuchern täglich arg überfüllten Echinger Badesee. Der bayerische Bazar, die Oldtimer-Bulldogs, ein Jodelkurs, die Böllerschützen oder die „Gipfelbar“ am Hügel auf dem Gelände („Monte Eho“) sorgen für ereignisreiche vier Tage. Und musikalisch finden auch nicht nur Freunde gepflegter Volksmusik (Musikverein St. Andreas) etwas, mehr steht die Feierei im Mittelpunkt bei Gruppen wie Gaudinockerl XXL oder Zipfeblech. Die Stars bei der elften Auflage sind die Austro-Pop-Giganten Wanda und Pizzera & Jaus, sowie Folkshilfe, Keller Steff und die Platzhirsche der Kapelle Josef Menzel. Mit den Frühschoppen im Festzelt um 10 Uhr hat die Brass Wiesn auch die frühesten Konzerte der Festival-Saison zu bieten.
Summer Breeze

Wer Metal-Musik dafür verantwortlich macht, dass Menschen massenweise geistig und körperlich abschlaffen, war noch nie auf dem Summer Breeze. Denn hier ist außer hirnzerschmetternder Klangkunst von mehr als 150 Bands auch für Körper, Geist und Spirit einiges geboten, etwa das Work-out-Programm „Metalza“, Metal-Yoga für von Satan verfolgte Seelen und die Ausstellung der Cover-Künstler Thomas Ewerhard und Björn Gooße. Das immer noch unabhängige Spektakel bei Dinkelsbühl für 45 000 Gäste macht dem Branchen-Führer Wacken heuer mit Genre-Stars wie Machine Head, Gojira, Blind Guardian, In Extremo, Within Temptation, Donots und Saxon Konkurrenz, sowie mit dem Auftritt der Blaskapelle Illenschwang und einem spaßigen Metal-Tribut an die Bee Gees.
Summer Breeze, Mittwoch bis Samstag, 13. bis 16. August, Dinkelsbühl, www.summer-breeze.de
Greenfields

Es ist das älteste Techno-Festival Süddeutschlands – und hat noch eine Konstante: Seit 2001 ist Electro-Pappa Sven Väth meistens Headliner dieser konzentrierten Tanzparty auf der Galopprennbahn in München-Riem. Diesmal steht auch Paul Kalkbrenner (Sky and Sand) an den Reglern sowie unter anderem Charlotte de Witte, Marten Lou, Meera, Pan-Pot und – auch ein Dauerbrenner – Festival-Gründer Rene Vaitl. Wie immer: elf Stunden am Stück treibende Rhythmen, diesmal auf noch größerer Fläche (17 000 Quadratmeter) mit zwei großen Bühnen, 20 Essensständen und 30 Bars.
Puch Open Air

Totgesagte leben länger: Plötzlich sind die wieder da, die Monostars, Münchens legendäre Hamburger-Schule-Band mit dem neuen Album „Alles Wollen Nichts Müssen“. Damit können die fünf nicht nur 30-Jähriges feiern, sondern auch beim Puch-Open-Air auftreten. Da gehören sie hin, denn Lenz Lehmeier ist nicht nur Monostars-Gitarrist und -Keyboarder, sondern auch Gastgeber dieses Lieblings-Festivals der Münchner Szene. Seit 1989 macht man seinen Jahresausflug ins Dachauer Land zu den feinsten Acts von Tocotronic bis Element of Crime. Für ein auserlesenes, spannendes Programm auf der Schweinewiese der Biofarm der Lehmeiers in Lueg bei Jetzendorf bürgt seit nun elf Jahren DJ-Legend und Labelchef Upstart. Ganz brandheiß gibt er gerade die Künstler für 2025 bekannt: die britischen Postpunks Benefits, das Senegalesische Mbalax-Sound-Wunder Ndagga Rhythm Force, sowie Schnecken im Hochbeet, die Dub-Spezialisten von Jahtari und die Monostars.
Echelon

Das Echelon sah schon immer aus wie eine Zukunftsvision: Techno-Freaks, die unter den Radon-Kuppeln der ehemaligen US-Kaserne tanzten. Aber das „größte Festival seiner Art in Süddeutschland“ (womit Electro-Festivals gemeint sein dürften) mit gut 100 DJs und 25 000 Besuchern in Bad Aibling erfindet sich auch immer wieder neu. So gibt es diesmal die Aquasphere (einen Shuttleservice zum Badesee), die Frequency-Stage für Drum’n’Bass und die Symbiotikkae-Area vom KitKat Club Berlin in der „verruchten Ästhetik der Berliner Underground-Szene“ für alle, die „den Abgrund des Techno“ erleben wollen.
Echelon, Freitag und Samstag, 15. und 16. August, Bad Aibling, www.echelon-festival.de
Taubertal Open Air

Glaubt man langjährigen Stammgästen, ist das Taubertal Open Air das Festival mit der zauberhaftesten Stimmung in Bayern und darüber hinaus. Beschaulich gelegen ist es allemal neben der Tauber auf der Eiswiese mit Blick auf den Hügel mit der Altstadt Rothenburgs. Die Stimmung unter den 40 000 Gästen kurbeln diesmal vier Tage lang 40 Konzerte an, diesmal vergleichsweise rockig mit H-Bloxx, Papa Roach, Enter Shikari, Kontra K, Madsen, Yungblud, Emil Bulls und Nothing But Thieves.
Klangtherapie

Hinter dem Klangtherapie-Festival steht eine Utopie. Und darin steckt: Liebe. Seit 20 Jahren verwandelt ein Team von unermüdlichen Freiwilligen „20 Hektar fränkischen Waldboden“ in eine „Kulturlandschaft“, und das ganz unkommerziell und ohne Sponsoren. Denn niemand wollen sich am hart erarbeiteten Geld der 4500 Gäste bereichern, schreiben die Veranstalter. So sollen Räume für Begegnungen entstehen: beim gemeinsamen Tanzen zu Techno und Live-Bands (von Alec Tronic und Alien Chicks über Stereo Total-Held Brezel Göring und der Kurkapelle Sonnendeck bis zu DJ Zikiwiki) ebenso wie bei unzähligen Workshops von Acro-Yoga über Blumenkränze binden und Aktzeichnen und Räuchern mit heimischen Pflanzen. Vier Tage in drei Wörtern: „Techno. Liebe. Utopie.“
Münchner Sommernachtstraum

Das Hausfestival des Münchner Olympiaparks ist das einzige Open Air, das ein Feuerwerk als Hauptattraktion zu bieten hat. Aber was für eins: länger als eine halbe Stunde zu ausgesucht ergreifender Musik wird der Himmel über dem Olympiasee zum Blitz-und-Donner-Spektakel. Aber ein runder Open-Air-Tag wird es natürlich nur mit musikalischen Glanzlichtern: Pop-Liebling Max Giesinger, die Isländerin Ásdís und Nico Laska sind die Stars auf der Hauptbühne, vor der Halbinsel-Bühne tanzt man clubbig zur Grammy-nominierten Psych-Folk-Band Altin Gün und dem kolumbianisch-deutschen Duo Cosmica Bandida.
Superbloom

Es ist eines der jüngsten Großfestivals des Landes – und dadurch auch eines der modernsten. Denn so konsequent wie das „Superbloom“ reizt kein anderes Open Air die Möglichkeiten so eines Ereignisraumes aus. Natürlich gibt es für 50 000 Besucher auf zahlreichen großen und kleinen Bühnen im Hippie-mäßig umdekorierten Olympiapark auch bei der vierten Ausgabe viel Musik von Stars wie Post Malone, Hozier, Shawn Mendes, Tiësto, Nelly Furtado, Giant Rooks, Alligatoah, 01099 oder den Italo-Pop-Abräumern Roy Bianco & die Abbrunzati Boys (diesmal etwas früher, schon Ende August). Aber viel Engagement steckt das Team um Fruszina Szep auch in das „Experience“-Programm mit Straßentheater, Kunst, Tanz, Sport, Podcasts, Lesungen, Diskussionsrunden, Wissenschaft zum Anfassen und Organisationen, die die Welt besser machen wollen.
Superbloom, Samstag und Sonntag, 30. und 31. August, München, Olympiapark, keine Zeltmöglichkeit

