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CSU:Zwei CSU-Talente weniger im Landtag

Hans Reichhart CSU Landtagswahl Bayern

Hans Reichhart war gerade frisch im Kabinett, nun sitzt er nicht einmal mehr im Landtag.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)
  • Zwei vergleichweise junge CSU-Abgeordnete haben es bei der Landtagswahl nicht ins Parlament geschafft: Oliver Jörg und Hans Reichhart.
  • Jörg, der in Würzburg gegen den Grünen Patrick Friedl verlor, will nach 12 Jahren im Landtag wieder als Rechtsanwalt arbeiten.
  • Hans Reichhart ist seit März Finanzstaatssekretär, der Jurist kann auch wieder zurück in seinen alten Job im Staatsdienst.

Wie geht es nun mit Oliver Jörg weiter, dem bisherigen Würzburger Stimmkreisabgeordneten, der mit 46 Jahren noch deutlich zu jung ist, um in Rente zu gehen? "Sie müssen sich um mich keine Sorgen machen", sagt der CSU-Mann. Nach zwölf Jahren im Landtag wird er vermutlich wieder als Rechtsanwalt tätig sein. In einer großen Würzburger Kanzlei warte ein Schreibtisch auf ihn, so ganz habe er seinen alten Beruf nie aufgegeben, auch wenn er zuletzt als Vorsitzender des Arbeitskreises Wissenschaft und Kunst in der Fraktion fast keine Zeit mehr für die Juristerei erübrigen konnte.

29,24 Prozent der Erststimmen hat Jörg am Sonntag bekommen, 0,7 Prozentpunkten weniger als der Grüne Patrick Friedl. Vor sechs Jahren war Jörg auf 39,4 Prozent gekommen, Friedl auf 16,3 Prozent. Für die Verluste sind keine persönlichen Skandale verantwortlich, Jörg war ein respektierter Abgeordneter. Er selbst hat inzwischen ein paar Erklärungsansätze gefunden. "Es gibt insgesamt den Trend, dass wir in den urbanen Räumen als Christlich- soziale Union nicht mehr so punkten können", sagt er.

Oliver Jörg CSU Landtagswahl Bayern

Knapp 500 Stimmen haben Oliver Jörg gefehlt, um den Stimmkreis Würzburg wieder zu gewinnen.

(Foto: Privat)

Hinzu komme, dass er sich als Repräsentant einer Volkspartei nicht den Luxus leisten könne, sich nur auf eine Seite zu schlagen - auf die der Naturschützer etwa, die Flächenverbrauch strikt ablehnten, oder auf die von Wirtschaftsfreunden, die Neubauten fordern. "Man steht vor dem gigantischen Spagat, allen eine Antwort zu geben", sagt Jörg. Dasselbe gelte für die Partei: Sie müsse Wähler im liberalen städtischen Umfeld so ansprechen wie auf dem niederbayerischen Land. Aber hat die CSU genau das nicht früher geschafft?

Aus Jörgs Sicht hat auch eine Rolle gespielt, dass in Würzburg viele Studenten wohnen und "junge Leute dazu tendieren, nicht wertkonservativ zu wählen". Das ändere sich oft, wenn sie Kinder bekommen und ein Eigenheim bauen. Tatsächlich ist die grüne Übermacht auf die Stadt beschränkt, im Landkreis Würzburg lag Jörg deutlich vor Patrick Friedl (33,2 zu 23,6 Prozent). Dass die Parteiführung in Berlin das junge und weltoffene Klientel in Würzburg mit ihren Aussagen zur Asylpolitik verschreckt habe, sagt Jörg so deutlich zwar nicht. Aber das dürfte mit dieser Aussage gemeint sein: "Die bundespolitische Ebene war nicht hilfreich."

Da könnte sicher auch Hans Reichhart zustimmen. Auf seine Analyse, was alles schief gelaufen ist in der CSU, mussten seine früheren Fraktionskollegen in ihrer ersten Sitzung am Dienstag allerdings verzichten. Reichhart kandidierte auf der schwäbischen Liste, sein Stimmkreis Günzburg gehört dem früheren Justizminister Alfred Sauter. 2013 war bayernweit noch ein Dutzend CSU-Abgeordneter über die Liste in den Landtag eingezogen, Reichhart war einer von ihnen. Diesmal hat es kein einziger geschafft. Dabei holte Reichhart ein Ergebnis, von dem manche in der CSU nur träumen können. 32 490 Stimmen sammelte er auf der Schwaben-Liste, 10 000 mehr als 2013. Umso bitterer muss der Abschied aus dem Landtag schmecken.

Um einen Job wird sich Reichhart keine Sorgen machen müssen. Der Jurist arbeitete als Staatsanwalt und Richter im Staatsdienst, eine Rückkehr ist garantiert. Auch seine politische Laufbahn dürfte allenfalls unterbrochen sein. Seit 2013 ist er Landesvorsitzender der Jungen Union, im März dieses Jahres holte ihn Ministerpräsident Markus Söder als Finanzstaatssekretär in sein Kabinett. Söder hält viel von ihm, eine Weiterbeschäftigung ohne Mandat gilt dennoch als unwahrscheinlich. Nicht nur die Jüngeren in der Partei schätzen den 36-Jährigen, auch die Älteren halten ihn für eines der wenigen echten Talente. CSU-Chef Horst Seehofer hatte ihn früh in sein Strategieteam berufen. Spätestens dort hat Reichhart gelernt, vor den Parteigrößen unverblümt die Meinung zu sagen.

In der Sitzung des Parteivorstands am Montag, dem Tag nach der Wahl, rief er seine CSU zur schonungslosen Analyse auf. Man dürfe sich nichts mehr vormachen, es brauche inhaltliche und strukturelle Veränderungen, forderte Reichhart nach Teilnehmerangaben. Die CSU sei eine offene Partei. "Es darf nichts unter den Tisch gekehrt werden."

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