Diskussion über die Zukunft der MuseenKunst finanzieren in Zeiten leerer Kassen

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Auch das Olaf Gulbransson Museum setzt auf ein Public Private Partnership-Modell.
Auch das Olaf Gulbransson Museum setzt auf ein Public Private Partnership-Modell. (Foto: Imago / Manfred Bail)

Eine Diskussionsrunde im Olaf Gulbransson Museum darüber, wie man bei der Finanzierung von Museen Sponsoring und Transparenz vereinbart. Auch Vorwürfe gegen das Haus am Tegernsee kommen zur Sprache.

Von Sabine Reithmaier

Die Demokratie zu stärken, ist eine der wichtigsten Aufgaben von Museen. Doch um sie erfüllen zu können, werden die Einrichtungen angesichts leerer Kassen verstärkt auf Public Private Partnership-Modelle setzen müssen. „Wir sind sogar zwingend darauf angewiesen“, sagte Anton Biebl, ehemaliger Münchner Kulturreferent und derzeit Leiter der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen. Gemeinsam mit Michael Beck, Galerist und Vorstandsvorsitzender der Olaf Gulbransson Gesellschaft Tegernsee, Reinhard Spieler, Direktor des Sprengel Museums Hannover, und Katrin Stoll vom Auktionshaus Neumeister, debattierte er in Tegernsee über die vielfältigen Herausforderungen, vor denen die Museen derzeit stehen.

Eine deutschlandweite Studie des Instituts für Museumsforschung hatte im Vorjahr ergeben, dass Museen vielen Menschen als Orte des Vertrauens gelten. In Zeiten, in denen die Gesellschaft massiv auseinanderdrifte und jede Menge „Polarisierungsakteure“ unterwegs seien, böten sie eine Plattform, um Menschen wieder zusammenzubringen, sagte Spieler. „Das macht uns unverzichtbar.“

Um Projekte verwirklichen zu können, gilt das allerdings auch für Sponsorengelder. Von den 39 Millionen Euro des Gesamthaushalts der Staatsgemäldesammlungen sind laut Biebl bereits jetzt 12,5 Millionen Drittmittel. Kein Problem, fand Spieler, jedenfalls solange die Frage, wer von der Partnerschaft profitiere, klar und transparent beantwortet werde. Sponsoren dürften Ausstellungen nicht beeinflussen. „Wir entwickeln eine Idee, und dann ist es mein Job, jemanden aus der Wirtschaft dafür zu begeistern.“ Auch wenn klare Richtlinien für die Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand unverzichtbar seien: „Paragrafen allein werden es nicht richten.“ Maßstab sei die persönliche Integrität.

Das Gulbransson-Museum ist seit seinen Anfängen ein PPP-Modell. Bereits 1973 hatte der Freistaat mit der Gesellschaft einen Überlassungsvertrag geschlossen. Seit damals ist sie – laut Vertrag „ehrenamtlich auf eigene Rechnung“ – für die Verwaltung des Museums zuständig. Dafür überlässt ihr der Freistaat die Eintrittsgelder. „Damit finanzieren wir circa 40 Prozent des Museumsbetriebs“, sagte Biebl. „Alles andere ist dem Vorstand und dem Verein zu verdanken, auch der unterirdische Neubau, in dem wir sitzen.“

Dass dieser große Saal gerade ganz ohne Kunst auskommen muss, ist die Nebenwirkung eines SZ-Artikels, der einen Leihgeber so verschreckte, dass er seine Ausstellungszusage zurückzog. In dem Artikel waren am Beispiel des Tegernseer Hauses die intransparenten Grenzen zwischen Staatsgemäldesammlungen, gemeinnützigem Verein und privater Galerie kritisiert und Beck vorgeworfen worden, er nutze das Museum, um Arbeiten von Künstlern zu zeigen, die er in seinem Beruf als Galerist im Programm habe.

„Ich habe mir da nichts vorzuwerfen“: Michael Beck, Galerist und Vorstandsvorsitzender der Olaf-Gulbransson-Gesellschaft, weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe strikt von sich.
„Ich habe mir da nichts vorzuwerfen“: Michael Beck, Galerist und Vorstandsvorsitzender der Olaf-Gulbransson-Gesellschaft, weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe strikt von sich. (Foto: Michael Dannenmann)

Der wies das entschieden zurück. „Ich habe mir da nichts vorzuwerfen.“ Spieler sprang ihm bei. „Zu glauben, dass ein Galerist, der seit über 30 Jahren in Düsseldorf Picasso und andere Künstler vertreibt, auf das Gulbransson-Museum angewiesen ist, um seinen Galeriebetrieb zu puschen, ist eine abstruse Vorstellung.“ Der Welthandel finde sicher nicht am Tegernsee statt, stimmte Katrin Stoll zu und bedauerte das anhaltende Kunsthändler-Bashing, das sie empfindet.

Dass zwischen Staatsgemäldesammlungen und dem Förderverein alles korrekt läuft, bestätigte Biebl. Inzwischen habe man die Verträge von 1973 überprüft, sogar in Archiven nach Gesprächsnotizen gesucht. „Es ist positiv, dass wir durch diese Geschichte verpflichtet waren, die Prozesse anzuschauen, Transparenz in die Verträge zu bringen und einen Verhaltenskodex zu erarbeiten.“  So wird in künftigen Leihverträgen festgehalten, dass der Leihgeber nicht die Absicht hat, das Werk zu verkaufen.

Beck, seit mehr als 40 Jahren im Kunsthandel tätig, verfügt über ein großes Netzwerk. Die Sammler, seine Kunden, seien zu Freunden geworden. „Dass wir die wertvollen Leihgaben erhalten, verdankt sich unserer Arbeit in der Galerie, nicht dem Museum.“

Was die Staatsgemäldesammlungen und die gegen sie erhobenen Vorwürfe betrifft, versucht Biebl gerade, das Vertrauen zurückzugewinnen. Noch laufen sowohl die internen als auch die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. „Ich bin inzwischen bei Fragenkomplex 60 angelangt“, sagte Biebl. Spieler, auch Vorstandsmitglied im Deutschen Museumsbund, kritisierte die Form des Rückzugs von Bernhard Maaz, dem ehemaligen Generaldirektor des Hauses. „Dass eine Amtsenthebung mit der Ansage erfolgt, wir leiten jetzt die Untersuchungen ein, geht nicht.“ Um eine Amtsenthebung, ein förmliches Disziplinarverfahren, sei es nie gegangen, konterte Biebl. „Das war ein einvernehmlicher Rücktritt“. Eine Aussage, die das Publikum hörbar wenig überzeugte.

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