Ohne Wissen der Angehörigen Auszubildende sollen an Leichen geübt haben

Das Ausbildungszentrum für Bestatter im unterfränkischen Münnerstadt, aufgenommen vor einigen Jahren, gilt europaweit als einzigartig.

(Foto: Daniel Karmann/dpa)
  • Gegen den Bestatter Ralf Michal, der Leichen ohne Wissen der Angehörigen zum Üben bereitgestellt haben soll, sind neue Anschuldigungen bekannt geworden.
  • Eine Zeugin sagte dem Bayerischen Rundfunk, Schüler hätten an Verstorbenen Nahttechniken geübt und ihnen Wunden zugefügt.
  • Bestatter Michal bestreitet die Vorwürfe.
Von Olaf Przybilla, Schweinfurt

Der Schweinfurter Bestatter Ralf Michal, stellvertretender Bundesvorsitzender des Bestatterverbandes, sieht sich neuen Anschuldigungen ausgesetzt. Einen Tag, nachdem die SZ über Ermittlungen gegen Michal wegen des Verdachts auf Störung der Totenruhe berichtet hatte, zitierte der Bayerische Rundfunk eine Zeugin namentlich. Sie war in Michals Unternehmen nach eigenen Angaben von 2016 bis 2017 beschäftigt, sowie zweimal zu Kursen im Bundesausbildungszentrum für Bestatter in Münnerstadt.

"Auch ich habe in dieser Zeit mitbekommen, dass Verstorbene des Öfteren nach Münnerstadt gefahren wurden, zu Lehrzwecken", sagte sie. Im Ausbildungszentrum habe sie miterlebt, wie Gruppen an Toten die Versorgung übten. Es sei "definitiv so", dass der Dozent dies vorführe und danach Schüler an Verstorbenen bestimmte Nahttechniken, auch das Verschließen des Mundes, übten. Dabei würden den Verstorbenen eigens für die Übung auch Wunden zugefügt.

Michal bestreitet die Vorwürfe. Der SZ hatte er im Februar gesagt, in den vergangenen Jahren seien aus seinem Unternehmen keine Toten nach Münnerstadt gebracht worden. In der Main Post betonte er nun, in Münnerstadt werde "keinem Verstorbenen eine Verletzung zugefügt". Eine zweite Zeugin sagte dagegen dem Fränkischen Tag: "Ich habe beobachtet, wie einem Verstorbenen Schnittwunden an Armen und Beinen zugefügt wurden."

Der SZ liegt darüber hinaus ein Dokument vor, in dem eine dritte Zeugin davon berichtet, sie habe angeblich in Münnerstadt an Verstorbenen geübt, die ohne offene Wunden eingeliefert worden seien. Bei Kursende habe jeder Teilnehmer eine offene Beinwunde zugenäht. Der Bundesverband Deutscher Bestatter bestreitet, dass es zu solchen Vorgängen in Münnerstadt kommen kann. Laut Oberstaatsanwältin Ursula Haderlein wird nun ermittelt, was Angehörige von einer etwaigen Versorgung in Münnerstadt wussten und was dort an den Leichen vorgenommen wurde.

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