Allgäu:Herr Ried, wie schmeckt Latschenkiefer-Eis?

Allgäu: Bürgermeister Alois Ried (links) und Massimo Maguolo, der bei der Eisherstellung hilft - hier mit dem Latschenkiefer-Eis.

Bürgermeister Alois Ried (links) und Massimo Maguolo, der bei der Eisherstellung hilft - hier mit dem Latschenkiefer-Eis.

(Foto: Gemeinde Ofterschwang)

Die Gemeinde Ofterschwang hat einen eigenen Eisladen. Der Rathaus-Chef und gelernte Koch will damit über regionale Produkte aufklären.

Interview von Florian Fuchs

Ofterschwang im Allgäu hat einen gemeindeeigenen Eisladen. Bürgermeister Alois Ried höchstselbst kreiert hier jedes Jahr aufs Neue eine besondere Eissorte, immer aus regionalen Zutaten. Dieses Jahr gibt es Latschenkiefer-Eis.

SZ: Herr Ried, wie schmeckt Latschenkiefer-Eis?

Alois Ried: Ein bisschen herb, ein bisschen nach Wald.

Man denkt im ersten Moment, dass man sich das Eis nach einer Wanderung vielleicht besser auf die Muskeln schmieren sollte. Wie kamen Sie darauf?

Wir betreiben seit drei Jahren eine Schnapsbrennerei im Ort und produzieren verschiedene Destillate. Letztes Jahr haben wir einen Gin mit Latschenkiefer hergestellt. Da ist schon auch Wacholder und Zitrone drin, aber das Aroma der Latschenkiefer schmeckt man raus. Und da haben wir uns dieses Jahr gedacht: Warum nicht auch ein Eis draus machen, natürlich ohne Alkohol. Wir haben quasi den Gin weiterentwickelt.

Klingt interessant.

(lacht) Man muss nicht mutig sein, um das Eis zu probieren. Da ist auch Maronenpüree dabei. Das rundet den Geschmack ab, damit die Latschenkiefer nicht zu dominant ist. Es kommt auf die richtige Dosierung an, wir haben ein ganzes Wochenende daran getüftelt.

Das Latschenkiefer-Eis ist nicht die einzige besondere Eissorte in Ofterschwang?

Wir denken uns jedes Jahr eine neue Sorte aus. Vor zwei Jahren zum Beispiel haben wir ein Eis mit einem 15 Monate alten Bergkäse hergestellt. Ganz zum Schluss haben wir in die Eismaschine Käsespäne reingehobelt, das war auch interessant: Es ergab einen leicht salzigen Geschmack. Und vor vier Jahren haben wir ein Hanfeis entwickelt.

Sie sind also der Bürgermeister, der Gin und Hanfeis herstellt.

Ja, das fanden damals schon einige lustig. Aber keine Sorge, wir haben nichts angebaut, das war alles legal. Die Grundidee hinter alldem ist, mit regionalen Produkten zu arbeiten.

Hanf ist ein regionales Produkt?

Hanf und Flachs wurden hier früher viel angebaut. Latschenkiefer steht sowieso fürs Allgäu, gerade bei uns im Tiefenberger Moos.

Wie kam es überhaupt, dass die Gemeinde einen eigenen Eisladen betreibt?

Wir hatten hier einen Bauern, der hat mit seiner Milch ein Eis hergestellt und es im Ort in der ehemaligen Poststelle verkauft. Leider ist er früh gestorben und wir haben einen Nachfolger gesucht, aber es wollte keiner anpacken. Also haben wir gesagt: Machen wir es selbst. Wir haben die Poststelle für 80 000 Euro hergerichtet und erweitert. Mit unserer fahrbaren Hütte verkaufen wir auch auf Veranstaltungen in der Region, beim Viehscheid zum Beispiel.

Andere Orte haben einen Dorfladen, Sie haben einen Eisladen.

Wir haben schon auch einen Dorfladen, der steht ein paar Meter weiter. Die Betreiberin wollte nicht mehr, also haben wir den übernommen. Und wieder zwei Jahre später haben wir noch einmal ein paar Meter weiter einen Bauernhof gekauft. Da brennen wir jetzt den Schnaps und da haben wir einen Schinkenreiferaum und einen Käsekeller.

Ofterschwang ist also sozusagen autark.

(lacht) Mit dem Schnaps als Grundversorgung, ja.

Spielt bei alldem eine Rolle, dass der Bürgermeister gelernter Koch ist?

Ja, mir liegen regionale Produkte am Herzen. Wer weiß denn heute, dass ich für ein Kilo Käse zehn Liter Milch brauche und da dann 18 Monate Arbeit drin stecken. Über so etwas können wir in Ofterschwang aufklären. Dann beißen die Leute vielleicht nicht mehr einfach nur rein in einen Käse und lassen den Rest liegen.

Wie kommt Ihr Angebot denn an?

Es läuft super. Der Eisladen hat von 13 bis 18 Uhr offen, an guten Tagen verkaufen wir knapp 1300 Kugeln.

Vor allem Latschenkiefer?

Wir haben auch Vanille und Erdbeere.

Und welche Sorte gibt es nächstes Jahr?

Darüber mache ich mir im Februar und März Gedanken. Regional soll es sein.

© SZ vom 20.07.2020
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