Ochsenau in Landshut:Naturschützer schalten EU-Kommission ein

Naturschützer wollen Pläne zu einer umstrittenen Bebauung in der ökologisch wichtigen Ochsenau im Osten Landshuts mit einem Gang nach Brüssel stoppen. Die Pläne der Stadt Landshut und des Freistaats Bayern zur Bebauung der Hälfte dieses 50 Hektar großen Kalkmagerrasens gefährdeten die Artenvielfalt in diesem Ökosystem, teilten der Landesbund für Vogelschutz (LBV) und der Naturwissenschaftliche Verein Landshut (NVL) am Dienstag mit. Viele seltene Arten hätten dort ihr letztes Refugium. Die Organisationen kündigten an, sich an die Europäische Kommission zu wenden. Aus Sicht der Naturschützer hätte das Gebiet als Teil des europäischen Schutzgebiets-Netzwerkes (Natura 2000) längst gemeldet werden müssen. "Es geht dabei auch um die Einhaltung nationaler und bayerischer Naturschutz-Gesetze und die Glaubwürdigkeit der Politik: Trotz aller Bekenntnisse zum Erhalt der Natur geht deren aktive Zerstörung auch im Freistaat unvermindert weiter", sagte Andreas von Lindeiner, LBV Landesfachbeauftragter Naturschutz.

In der Ochsenau lebten Arten, die es in ganz Bayern und teils in ganz Deutschland nicht mehr gebe. "Dieses Refugium muss dringend unter Schutz gestellt werden, so dass der Reichtum an außergewöhnlicher Natur auch für kommende Generationen erhalten bleibt", sagte Stefan Müller-Kroehling, Landshuter ÖDP-Stadtrat und Zweiter Vorsitzender des Naturwissenschaftlichen Vereins Landshut. Entlang der Isar gab es bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts eine durchgehende Achse von Kalkmagerrasen mit Lebensräumen für Arten wie Steppengrashüpfer, Deutscher Sandlaufkäfer und Kleine Wolfsfliege. Dass diese Lebensräume in der Ochsenau erhalten blieben, resultiert aus der früheren militärischen Nutzung.

© SZ vom 11.08.2021 / dpa
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