Oberstaatsanwalt im Fall Gurlitt Mann für brisante Fälle

Im Zentrum der Kritik, dennoch bestens gelaunt - meistens jedenfalls: Augsburgs Leitender Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz.

Reinhard Nemetz stand schon oft im Rampenlicht: Er zitierte Kohl vor Gericht, führte Ermittlungen gegen Schreiber und Strauß junior. Und jetzt also Gurlitt. Wie reagiert der Augsburger Oberstaatsanwalt auf die aktuelle Kritik? Ein Besuch.

Von Stefan Mayr

An dieser Stelle darf sonst nie jemand parken. Direkt vor dem Augsburger Strafjustizzentrum. Mitten auf dem Gehweg. Doch an jenem Mittwoch drückte der Leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz beide Augen zu. Er unternahm nichts gegen das regelwidrige Parken vor seiner Tür.

Aus dem schwarzen BMW 530d stiegen sein Vorgesetzter, der Münchner Generalstaatsanwalt Christoph Strötz, und Ingeborg Berggreen-Merkel, die Chefin jener Task-Force, die die 1400 Gemälde aus der Schwabinger Sammlung Gurlitt begutachten soll. Sie kamen zum Antrittsbesuch bei Nemetz. Es gab Kaffee und Kuchen, dabei waren auch Staatsanwalt Johannes Ballis und die Leiterin der Abteilung für Wirtschaftsstrafsachen, Brigitta Baur. "Wir haben ein gutes und vertrauensvolles Gespräch geführt", sagt Reinhard Nemetz nach dem Treffen.

Wer ist dieser Mann, der brisante Verfahren wie ein Magnet anzieht? Was sagt er zur Kritik aus aller Welt - und von Cornelius Gurlitt selbst? Es ist nicht das erste Mal, dass der 62-Jährige und seine Behörde im Blick der internationalen Öffentlichkeit stehen.

Nemetz und seine Leute waren es, die den CDU-Parteispendenskandal aufklärten, die Altkanzler Helmut Kohl als zeuge nach Augsburg zitierten, die die geschmierten Panzergeschäfte mit Saudi-Arabien aufdeckten, die den Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber jahrelang jagten und dessen Auslieferung aus Kanada erwirkten. All die Jahre stand Nemetz immer wieder in der Kritik. Vor allem von den Beschuldigten wurde er stets als überstreng bis besessen bezeichnet.

Nemetz focht das nie an. Er gilt als Gerechtigkeitsfanatiker und akribischer Arbeiter mit unschlagbarem Fachwissen. Mit seinem staubtrockenen Humor hat er noch jedes Gewitter ohne Blessur überstanden. Jedenfalls äußerlich. Zum Beispiel in der ersten Gurlitt-Pressekonferenz Anfang November: Die internationalen Journalisten fragen ihn mit Verve, wie lange er die Gemälde denn noch unter Verschluss gehalten hätte. "Ich darf Ihnen versichern", entgegnet Nemetz, "die Bilder sollten nicht in meinem Büro aufgehängt werden." Manche Beobachter finden solche Antworten sympathisch, andere selbstherrlich.