Süddeutsche Zeitung

Oberpfalz:Steinbruch im früheren KZ Flossenbürg soll stillgelegt werden

  • Der Wissenschaftsausschuss des bayerischen Landtags will die Stilllegung des umstrittenen Steinbruchs des ehemaligen Konzentrationslagers Flossenbürg grundsätzlich unterstützen.
  • Allerdings ist die Würdigung der Petition kein finaler Beschluss.
  • Geplant ist, den Abbau 2024 zu beenden und die Fläche in die KZ-Gedenkstätte zu integrieren.

Seit Jahren setzt sich Stefan Krapf für die Stilllegung des umstrittenen Steinbruchs im früheren Konzentrationslager Flossenbürg ein. Am Mittwoch nun hat der Wissenschaftsausschuss des Landtags eine entsprechenden Petition des Flossenbürgers gewürdigt und ihm damit grundsätzliche Unterstützung zugesagt. Zwar bedeutet die Würdigung keinen finalen Beschluss.

Doch weil Thomas Goppel (CSU) die Bereitschaft der Staatsregierung betonte, den Granitabbau im Jahr 2024 zu beenden und das Gelände in die angrenzende KZ-Gedenkstätte zu integrieren, hält Krapf die Stilllegung des Steinbruchs für "mehr oder weniger beschlossen". Auch Verena Osgyan (Grüne) ist sich sicher, dass die Staatsregierung nun "nicht mehr zurück" könne.

Der Freistaat hatte den Steinbruch nach dem Zweiten Weltkrieg immer wieder verpachtet, zuletzt 2004 an die Granitwerke Baumann. Durch gezielte Tötung und wegen der schlimmen Bedingungen sind in Flossenbürg während der NS-Zeit mindestens 30 000 Menschen umgekommen.

Zwar hatte der frühere Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) bereits 2017 versprochen, den bis 2024 laufenden Pachtvertrag nicht mehr zu verlängern und den Steinbruch in die Gedenkstätte zu integrieren. Doch sein Nachfolger Bernd Sibler (CSU) äußerte sich zuletzt nicht mehr ganz so eindeutig. Es hänge "von verschiedenen Voraussetzungen ab", ob der Steinbruch "in konzeptionelle Planungen der KZ-Gedenkstätte einbezogen" werden könne, sagte Sibler im vergangenen Juli.

Nach der Sitzung des Wissenschaftsausschusses sagte Michael Piazolo (Freie Wähler), er sei "hoffnungsfroh", dass bald "ein angemessenes Gedenken" möglich sei. Stefan Krapf, der Initiator der Petition, reagierte dagegen mit gemischten Gefühlen. Dass es nun eine klare Aussage gebe, sei natürlich gut, sagte Krapf. Doch lieber wäre es ihm, wenn der Freistaat den Steinbruch schon jetzt stilllege, und nicht erst 2024.

Er findet, dass das Gelände sofort unter Denkmalschutz gestellt gehört, um es nicht weiter zu beschädigen. Das war auch die Forderung seiner Petition. Krapf findet: "Es macht keinen Sinn, dass man sechs Jahre weiter abbaut und noch alles ganz kaputt macht." Mehr könne er jetzt aber nicht mehr unternehmen. "Ich kann mich ja nicht in den Steinbruch reinstellen und protestieren", sagte Krapf.

Bestens informiert mit SZ Plus – 14 Tage kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4136172
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 20.09.2018/baso
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.