Unter Bayern:Mit Oberpfälzer Ideen durch die Krise

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Wie steht man diese kalte, öde und gleichzeitig anstrengende Zeit durch? Am besten auf einem Hochsitz.

Glosse von Deniz Aykanat, Regensburg

Wir haben ergonomische Bürostühle gekauft, ausgemistet, Kaschmir-Jogginghosen zum Preis von einer Monatsmiete bestellt, die darüber hinwegtäuschen sollen, dass wir seit Anfang 2020 - nun mal in Jogginghosen arbeiten. Wir haben Headsets und spezielle Mäuse gegen Sehnenscheideentzündungen angeschafft. Warum ist Homeoffice seit Beginn der Pandemie eigentlich nie Wort des Jahres geworden? Vielleicht, weil es eher ein Unwort ist? Nein, auch da ist nichts zu finden.

Möglicherweise taucht es nirgendwo auf, weil nicht alle ihren Arbeitsplatz nach Hause verlegen können. Alle, die wirklich wichtig sind, um genau zu sein. Vielleicht haben wir aber nur noch nicht kapiert, wo man den eigenen Arbeitsplatz noch optimieren könnte, wo man das Office zum Home machen könnte.

Jäger zum Beispiel. Die fallen einem nicht gleich als Berufsgruppe im Homeoffice ein, aber das ist falsch! Denn der Jäger hat, wenn er nicht grade im Wald umherstreift, ja quasi auch ein Büro: den Hochsitz. Und was spricht eigentlich dagegen, dieses gemütlicher zu gestalten. Nichts, dachte sich wohl der Oberpfälzer Daniel Hechtl. Der Zimmermann und Jäger aus dem Landkreis Tirschenreuth baut Hochsitze, die richtig was hermachen. Aus hochwertigem Holz, perfekt isoliert, mit Ablage, wenn gewünscht, berichtet der Bayerische Rundfunk. Da will ein Jäger selbst bei Minusgraden gar nicht mehr nach Hause.

Es gibt ja neben der "echten" Arbeit noch die andere. Die anstrengendere, für die es kein Geld gibt: Kinder, Haushalt, um die Eltern kümmern und so weiter. Man könnte die Hochsitz-Idee doch auf diesen "Office"-Bereich ausweiten. Anders als im ersten Lockdown sind beispielsweise die Sandkästen immerhin offen. Und da Turngruppen von einer Quarantäne in die nächste geschickt werden, bleibt Eltern im Moment nichts anderes übrig, als das bisschen Freizeit auf Parkbänken zu verbringen. Was spricht dagegen, die mit Sitzheizungen auszustatten? Und Halterungen für koffeinhaltige Getränke? Und Halterungen, um die Kinderleinen, äh, Hundeleinen anzubinden? Eben: nichts. Überhaupt lohnt immer ein Blick in die Oberpfalz, um diese auf anstrengende Weise öde Zeit durchzustehen: Es war schließlich ein Oberpfälzer, der "Mensch ärgere dich nicht" erfunden hat.

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