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Oberpfalz:Wie Tännesberg die erste Modellgemeinde für Biodiversität wurde

Tännesberg Oberpfalz Modellgemeinde Biodiversität

Tännesberg in der Oberpfalz ist Vorbild beim Naturschutz. Nun ziehen zehn andere Kommunen nach.

(Foto: oh)

Bauern, Bürger und Politiker leisten in der Nähe von Weiden seit Jahrzehnten gemeinsam viel für den Naturschutz. Andere Gemeinden wollen nun nachziehen.

Das oberpfälzische Tännesberg ist eine stille, ländliche Marktgemeinde mit 1600 Einwohnern. Der Hauptort zieht sich auf halber Höhe den 700 Meter hohen Schlossberg entlang. Es gibt einen Metzger, einen Bäcker, einige Gasthäuser, ein kleines Hotel und unten an der B 22, die nach Weiden führt, eine Tankstelle. Aus dem Kindergarten tönt vormittags fröhliches Lachen. Und auf den knapp 40 Bauernhöfen wird eifrig gewerkelt.

Auf eines sind die Tännesberger besonders stolz. "Wir sind Biodiversitätsgemeinde", sagt Bürgermeister Max Völkl, "die bisher einzige in Bayern." Seit gut 30 Jahren leisten die Tännesberger so viel für den Naturschutz, dass der Markt den sperrigen Titel "Bayerische Modellgemeinde Biodiversität" verliehen bekommen hat.

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Seit Mitte der Achtzigerjahre tritt Tännesberg den Beweis an, wie viel ländliche Gemeinden für den Naturschutz tun können - wenn die Bevölkerung, die Bauern und die Kommunalpolitiker mitmachen. Und der Freistaat und die Naturschutzverbände sie mit Wissen und Geld unterstützen. Da ist zum Beispiel die Renaturierung des Kainzbachtals im Norden der Gemeinde. In den abgeschiedenen Wäldern dort trifft man auf alte, aufgelassene Fischweiher, in denen einst Karpfen und Forellen gezüchtet wurden.

Zwischen den Weihern erstreckten sich Wiesengründe. "In der modernen Landwirtschaft lohnte sich die Bewirtschaftung der Waldwiesen nicht mehr", berichtet Toni Wolf, 69, Förster und sein Berufsleben lang amtlicher Naturschützer in der Oberpfalz. "Mitte des 20. Jahrhunderts wurden deshalb viele aufgeforstet, man begradigte den Kainzbach, die wenigen übrigen Feuchtwiesen wurden entwässert." Bauern und Förster erwarteten sich davon bessere Erträge.

Die Hoffnungen wurden bitter enttäuscht. Als erstes versauerte und verschmutzte der Kainzbach. Die entwässerten Wiesen brachten längst nicht die erwarteten Futtererträge. Auch die jungen Fichtenwälder gediehen nicht. Dafür waren die Verluste an Flora und Fauna immens. Aus dem Kainzbach verschwanden die Bachforellen. Dann waren Kiebitze, Ziegenmelker und andere Vogelarten weg. Auch Kröten und Frösche wurden immer seltener.

Anfang der Neunzigerjahre wollte Wolf den Niedergang des Kainzbachtals nicht länger hinnehmen. Er suchte sich Mitstreiter in Tännesberg, im Bund Naturschutz und im Landesbund für Vogelschutz. Miteinander starteten sie die Renaturierung des Tals. Sie rodeten die maroden Fichtenwälder, ließen dem Bach wieder seinen ursprünglichen Lauf und erneuerten Feuchtwiesen und Moore. Sie pflanzten Moorbirken, Erlen und Eschen, wie sie früher an den Rändern des Tals wuchsen.