Entscheidung des Oberlandesgerichts Nürnberg Wie lange bleibt er frei? Wo geht er hin?

Noch ist unklar, wohin sich Mollath nun langfristig zurückziehen wird. Sein ehemaliges Wohnhaus ist zwangsversteigert; wo seine persönliche Habe geblieben ist, weiß niemand. "Nicht einmal ein Bild meiner Mutter ist mir geblieben", klagt Mollath immer wieder. Es ist davon auszugehen, dass sich Freunde und Unterstützer um den 56-Jährigen kümmern werden.

Um kurz vor 15 Uhr kommt ein bisschen Unruhe auf. Wenn er doch einen anderen Ausgang nimmt? Die Kameraleute diskutieren den besten Standort. Noch ein Vertreter der Piratenpartei fährt mit dem Wahlkampfmobil vor. Darauf steht: "Leb so wie du bist." Auch Karsten Schieseck kommt vorbei, der Rechtsanwalt des Klinikums. Er sagt, dass Gustl Mollath sein Entlassungsbescheid "zeitnah" zugestellt worden sei. Dann habe er natürlich Zeit bekommen, seine Sachen zu packen.

Wahlkampf vor dem Klinikum

Auf Twitter kommentieren seine Unterstützer unterdessen die Entscheidung des Gerichts - natürlich erfreut. Abgehakt ist der Fall damit aber natürlich noch lange nicht. Es werden weiter Informationen ausgetauscht und es wird gezetert, etwa über die Selbstgefälligkeit von Justizministerin Merk oder den Psychiater Klaus Leipziger.

Chronologie zum Fall Gustl Mollath

Schwierige Suche nach der Wahrheit

Die Linken sind jetzt auch da. Und ein Abgeordneter der Freien Wähler. Es ist Wahlkampf in Bayern - wie man auch an den Reaktionen der Politiker deutlich merkt. Unterdessen: Noch mehr Übertragungswagen, noch mehr Journalisten. Aber immer noch kein Gustl Mollath - der kehrte erst gegen 18 Uhr in die Freiheit zurück.

Bei dem Verfahren am Landgericht Regensburg sollen alle Informationen nochmal ganz neu untersucht werden. Es ist dann auch davon auszugehen, dass die dubiosen Geldgeschäfte, die Mollath der Hypo-Vereinsbank immer wieder angelastet hat, eine größere Rolle spielen werden.

Wiederaufnahmeverfahren wohl frühestens 2014

Das OLG Nürnberg hat in seiner Entscheidung auch ausdrücklich festgelegt, dass bei der Wiederaufnahme, wenn nötig, ein psychiatrisches Gutachten über Gustl Mollath eingeholt werden kann. Auch dabei dürften dann andere Spielregeln gelten. Denn über Jahre hinweg störte sich niemand daran, dass die meisten Sachverständigen, die Mollath für wahnkrank erklärten, ihn weder gesehen, geschweige denn untersucht hatten. Es waren Gutachten allein nach der Aktenlage.

Das Ergebnis des Hauptverfahrens entscheidet dann darüber, ob Gustl Mollath ein freier Mann bleibt oder ob er womöglich doch wieder verurteilt wird. Das dürfte jedoch frühestens 2014 der Fall sein. Denn das OLG Nürnberg hat verfügt, dass eine bislang mit dem Fall nicht befasste Strafkammer am Landgericht Regensburg das Wiederaufnahmeverfahren übernimmt. Und die muss sich erst in dieses komplexe Verfahren, das mittlerweile ganz Deutschland beschäftigt, einarbeiten.

Die bisherige Berichterstattung der SZ zum Fall Mollath finden Sie hier.