Oberhausen 300 Quadratmeter Frankreich

Der mannshohe Sarkophag erinnert an den französischen Nationalhelden La Tour d'Auvergne.

(Foto: Stefan Puchner)

Ein Denkmal in Oberbayern steht auf französischem Staatsgebiet

Von Stefan Mayr, Oberhausen

Lust auf eine Visite in Frankreich? Sie suchen den kürzesten Weg auf französischen Boden? Es gibt da einen heißen Tipp, sowohl von München als auch von Nürnberg aus ist man in etwa anderthalb Stunde da: Auf der Bundesstraße B 16 an Neuburg/Donau vorbei Richtung Oberhausen. Am Ortsausgang weisen eine EU-Fahne und die Trikolore den Weg zu einem Stückchen Frankreich mitten in Bayern. Nur noch zwei, drei Minuten Fußmarsch über eine grüne Wiese - et voilà, bienvenue en France!

Auf einer Anhöhe befindet sich ein steinernes Denkmal, das an einen französischen Nationalhelden erinnert: La Tour d'Auvergne. Der Soldat hatte sich Ende des 18. Jahrhunderts nicht nur als mutiger Befehlshaber der Colonne Infernale (Höllische Kolonne) einen Namen gemacht, sondern auch durch seinen ungewöhnlichen Lebenslauf. Obwohl er aus adeligem Hause war, emigrierte er nach der französischen Revolution nicht, sondern stellte sich in den Dienst der Armee der Republik. Er lehnte jede Beförderung über den Dienstgrad des Hauptmannes hinaus ab und kämpfte stets an vorderster Front. Nebenher forschte er über die bretonische Sprache und veröffentlichte Bücher.

Als er sich längst aus der Armee verabschiedet und auf die Wissenschaft konzentriert hatte, verpflichtete er sich im Alter von 54 Jahren nochmals als einfacher Soldat für den Krieg. Grund: Er stellte sich als Ersatz für den einzigen Sohn eines Freundes zur Verfügung, damit dieser nicht eingezogen wird. Diese Geschichte erfuhr auch der damalige Erste Konsul Napoleon Bonaparte. Er verlieh D'Auvergne den Titel "Erster Grenadier der Armee der Republik" - mitsamt Ehrensäbel.

Exakt zwei Monate später, am 27. Juni 1800, fiel d'Auvergne bei Oberhausen in einer Schlacht gegen österreichische Truppen. Er wurde mit einer Lanze erstochen. Noch im selben Jahr ließ die Armee auf dem Schlachtfeld ein Denkmal zu Ehren d'Auvergnes errichten. Zuvor hatte sie das 300 Quadratmeter große Grundstück von Bauern gekauft. Es befindet sich bis heute im Staatseigentum Frankreichs.

Das Denkmal besteht aus einem wuchtigen, mannshohen Sarkophag, den ein Neuburger Steinmetz gefertigt hatte. Ein kleinerer Gedenkstein erinnert auch an die Gefallenen aus Bayern und Österreich. Mittlerweile ist das Denkmal auch ein Ort der Völkerverständigung, im Jahre 1979 veranstalteten die französische Armee und die Bundeswehr hier eine gemeinsame Rekrutenvereidigung.

Zu Füßen der Anlage erzählen Infotafeln in deutscher, französischer, englischer und bretonischer Sprache - wo in Bayern gibt es sonst noch ein bretonisches Schild? - den Lebenslauf des Helden. Sein Leichnam liegt allerdings nicht mehr hier. Er wurde 1889 exhumiert und per Sonderzug nach Paris gebracht. Dort wurde er in der nationalen Ruhmeshalle Panthéon beigesetzt.

Für den Tipp danken wir Markus Wittenzellner aus Vierkirchen.