Oberfranken Priester bittet Papst um Befreiung aus Zölibat

Priester Stefan Hartmann vor dem Katholischen Pfarramt St. Bartholomäus in Oberhaid bei Bamberg

(Foto: dpa)

"Barmherzigkeit! Jetzt!": Erst im Januar hat sich ein Priester aus Oberfranken zu seiner erwachsenen Tochter bekannt. Nun bittet er Papst Franziskus in einem offenen Brief darum, ihn aus dem Zölibat zu befreien. Die Enthaltsamkeit entspreche "nicht der Konstitution meiner Person."

Von Katja Auer, Bamberg

Als er sich Anfang des Jahres im Fernsehen zu seiner erwachsenen Tochter bekannte, hat Pfarrer Stefan Hartmann der lange währenden Debatte um den Zölibat für katholische Priester neuen Schwung verpasst. Nicht unbedingt zum Gefallen seines Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick. Der wusste, ebenso wie Hartmanns Gemeinde, längst von der Tochter, nun aber kritisierte Hartmann öffentlich die Ehelosigkeit als "Anachronismus, der vielen Menschen und der Kirche schadet".

Nun hat der Pfarrer aus dem oberfränkischen Oberhaid bei Bamberg nachgelegt: In einem offenen Brief bittet er Papst Franziskus, ihn vom Zölibat zu befreien. Auf seiner Facebook-Seite veröffentlichte der Pfarrer am Donnerstagabend das Schreiben, das er mit "Barmherzigkeit! Jetzt!" betitelt hat. Er beantrage die Dispens "im Bewusstsein meiner Schwäche, meiner Fehler und in aller geschuldeten Demut", schreibt Hartmann. Er habe nach langen Jahren eingesehen, dass das Zölibatsversprechen, dass er bei seiner Diakonatsweihe 1981 in Trier gegeben hatte "voreilig war und nicht der Konstitution meiner Person entspricht".

1989 wurde Hartmann Vater einer Tochter, mit deren Mutter er allerdings keine Beziehung führte. Er habe danach wieder entschlossen versucht, zölibatär zu leben, sehe jedoch zunehmend ein, dass er dazu offenbar nicht in der Lage sei. "Auch wenn ich keine aktuellen Eheabsichten verfolge, ist meine Bitte drängend", schreibt der Priester.

Ein Laisierungsantrag? Nein danke.

Hartmann will weiterhin als Priester, Seelsorge und Theologe wirken. Der Bamberger Erzbischof habe ihm einen Laisierungsantrag vorgeschlagen, einen solchen wolle er jedoch ausdrücklich nicht stellen, "sondern katholischer Priester im aktiven Dienst bleiben".

Auf dem Bamberger Domberg will man Hartmanns Brief nicht kommentieren, zumal der Erzbischof im Ausland weilt. Der Oberhaider Pfarrer selbst weiß um die geringen Chancen seines Ansinnens. "Aber ein Anfang muss gemacht werden", schreibt er auf Facebook, wo er viele Unterstützer hat. Als Zeitpunkt hat er sich den bevorstehenden Barmherzigkeitssonntag ausgesucht. Denn genau darum bitte er: um einen Akt der Barmherzigkeit.