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Oberfranken:Bamberg will noch mehr Fahrradstadt werden

Radfahrer in Bamberg

In Bamberg gehören die Radfahrer zum Stadtbild, auch vor der Kulisse des Alten Rathauses.

(Foto: David Ebener/dpa)
  • Die Bamberger finden, dass in ihrer Stadt noch mehr für Fahrradfahrer getan werden müsste.
  • Deshalb war ein Bürgerentscheid geplant - der fällt jetzt aber aus, weil der Stadtrat die Forderungen selbst übernehmen will.
  • Die 60 000 Euro, die die Organisation des Entscheids gekostet hätte, sollen für den Ausbau der Infrastruktur verwendet werden.

Faktisch ist Bamberg längst eine Fahrradstadt, denn die Bamberger legen an Werktagen stolze 30 Prozent ihrer Wege mit dem Fahrrad zurück. Ein bayernweiter Spitzenwert, den die Stadt bei einer repräsentativen Befragung 2015 erhoben hat. Nach Ansicht vieler Bürger ist die Bamberger Infrastruktur aber noch nicht ausreichend auf die Bedürfnisse der Radfahrer ausgerichtet - sie wollten die Stadt deshalb mit einem Bürgerentscheid zu mehr Investitionen in sichere Radwege, Kreuzungen und vernünftige Abstellplätze zwingen.

Das ist nun aber nicht mehr notwendig: Der Stadtrat will sich an diesem Mittwoch die Forderungen des Bürgerbegehrens zu eigen machen, womit die für den 18. März geplante Abstimmung entfallen kann. Die 60 000 Euro, die die Organisation des Entscheids gekostet hätte, sollen stattdessen für den Ausbau der Infrastruktur verwendet werden. Insgesamt will der Stadtrat in diesem Jahr ein Budget von 180 000 Euro zur Förderung des Radverkehrs beschließen. Davon sind 10 000 Euro dafür reserviert, Käufer von Lasten-Pedelecs finanziell zu unterstützen.

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Auf diese Summen und ein dazugehöriges Maßnahmenpaket haben sich Stadtverwaltung und Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) in langen Verhandlungen mit der "Initiative Radentscheid Bamberg" geeinigt. Darüber hinaus soll es auch in den fünf folgenden Jahren ein festes Budget für den Ausbau des Radverkehrs geben, dessen Höhe jedoch erst in den jährlichen Haushaltsberatungen festgelegt wird. Die Stadt signalisiert dabei Bereitschaft, die Bürgerinitiative in die Entscheidungen, wie das Geld verwendet wird, einzubeziehen.

Christian Hader, 37, selbständiger Physiotherapeut und gebürtiger Bamberger, hatte das Bürgerbegehren nach dem Vorbild des "Volksentscheids Fahrrad" in Berlin angestoßen. Mit dem Ergebnis ist er mehr als zufrieden. "Es ist faktisch der gewonnene Bürgerentscheid. Wir haben sogar noch mehr erreicht." Denn die Stadt werde dem Radverkehr künftig bei der Verkehrsplanung Priorität einzuräumen. Dass die Budgets für die kommenden Jahre noch nicht definiert sind, bereite ihm keine Sorge, sagt Hader. "Wir gehen davon aus, dass der Druck von der Basis hoch genug ist."

Radfahrer sollen besser vor dem motorisierten Verkehr geschützt werden

22 Organisationen und Institutionen hatten sich der Initiative angeschlossen, deren parteipolitische Neutralität Hader betont, auch wenn er selbst sich inzwischen bei den Grünen engagiert. Die Initiative hatte 6600 gültige Unterschriften gesammelt - doppelt so viele wie notwendig waren.

Bis zum Jahresende sollen die ersten 1000 von insgesamt 5000 neuen Fahrradstellplätzen entstehen, wenn möglich und sinnvoll, sogar überdacht. Weniger konkret sind die anderen Maßnahmen des Verhandlungspakets. Fest steht, dass die Radfahrer besser vor dem motorisierten Verkehr geschützt werden sollen. Pro Jahr sind deshalb entlang von zwei Kilometern Hauptverkehrsstraßen Radwege geplant.

Welche Straßen dazu in welcher Form umgestaltet werden, muss aber noch geprüft werden. Teil der Vereinbarungen ist auch, drei Kreuzungen pro Jahr sicherer zu machen. Hier gehe es vor allem darum, Radfahrer vor Rechtsabbiegern zu schützen, erklärt Hader. Wenn es nach ihm geht, sollen solche Gefahrenquellen möglichst durch eine breite Bürgerbeteiligung identifiziert werden. Auch eine Imagekampagne ist geplant, damit die Bamberger ihr Auto künftig noch öfter stehen lassen und aufs Fahrrad steigen.

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