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Oberbayern:Lokführer hält Zug an, um Rollstuhlfahrer zu helfen

Zug Rollstuhlfahrer

Zugführer Mario Röhner arbeitet seit sieben Jahren für die BRB.

(Foto: Mario Röhner)
  • Auf der Strecke vom Ammersee nach Augsburg bleibt Lokführer Mario Röhner mit seiner Bayerischen Regiobahn stehen, um einem hilflosen Mann zu helfen.
  • Der Rollstuhlfahrer war auf einem Spaziergang im Morast stecken geblieben.
  • Röhners Arbeitgeber zeigt sich stolz darauf, dass seine Mitarbeiter "ihrem großen Herzen Raum geben dürfen".

Die spontane Hilfsaktion dauerte nur vier Minuten. Doch seit Lokführer Mario Röhner aus Landsberg am Lech seinen weiß-blauen Zug stoppte, um einem Rollstuhlfahrer zu helfen, steht bei ihm das Telefon nicht mehr still. Der Lokführer der Bayerischen Regiobahn (BRB) war am Dienstag gerade unterwegs vom Ammersee nach Augsburg, als ihn der Kollege des Gegenzugs anrief und sagte, dass zwischen Schondorf und St. Ottilien ein hilfloser Mann im Rollstuhl im Morast feststeckte. Röhner solle sich das mal anschauen.

Doch Röhner schaute sich das nicht nur an. Er verlangsamte die Fahrt des Zuges, fragte den Fahrdienststellenleiter, ob es in Ordnung sei, wenn er kurz anhalte und brachte den Zug zum Stehen. Dann rannte er die 50 Meter zu dem Mann, der mit seinem elektrischen Rollstuhl im Morast stecken geblieben war.

"Ich dachte, das geht am schnellsten", sagt Röhner. "Die Gegend ist so abgelegen, da kommt so schnell niemand vorbei und ich dachte, bis die Polizei ihn findet, hab ich ihm schneller selbst geholfen." Er schob den Rollstuhl zurück auf den Waldweg, vergewisserte sich, dass mit dem Mann, der mit seinem kleinen Hund einen Spaziergang gemacht hatte, alles in Ordnung ist, und saß dann vier Minuten später wieder im Triebwagen. "Das war so spontan, da hab ich nicht mal eine Durchsage gemacht", erzählt er.

Mit dem Auto würde er ja auch anhalten

Seit sieben Jahren arbeitet Röhner für die BRB. Er fährt im gesamten Streckennetz bis Ingolstadt und Eichstätt. Aber gerade an der Strecke vom Ammersee nach St. Ottilien kenne er "jeden Förderstein". Die Bahnstrecke ist auf der Höhe der Autobahnbrücke bei Neugreifenberg, wo Röhner seinen außerplanmäßigen Halt einlegte, eingleisig. "Da wusste ich, dass ich keinen anderen Zug behindere."

Die BRB nimmt dem Zugführer seinen Zwischenstopp nicht übel - im Gegenteil. Das Unternehmen sei stolz darauf, dass seine Mitarbeiter "ihrem großen Herzen Raum geben dürfen", wie ein Sprecher sagt. Schließlich sei ja alles abgesprochen gewesen mit dem Fahrdienstleiter. Alltäglich sei die Situation zwar nicht, aber Röhner nennt sein Handeln "selbstverständlich". Mit dem Auto würde er ja auch anhalten, wenn eine Oma auf der Straße stürzt.

© SZ.de/ebri
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