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Oberbayern:Golfplatz Tegernsee und Golfclub Tegernsee streiten um Namen

Sommer am Tegernsee

Wann darf man den Tegernsee im Namen tragen? Darüber streiten die beiden Golfclubs.

(Foto: dpa)

Denn eine der beiden Anlagen liegt zwölf Kilometer vom See entfernt.

Von Christian Gschwendtner

Ganz ohne Glamour geht es dann doch nicht. Das dürfte sich auch Karl-Heinz Krutz gedacht haben, als er nach einem Namen für seinen neuen Golfplatz suchte. Die Anlage liegt in Piesenkam, ein 300-Einwohner-Dorf im Landkreis Miesbach, das niemand kennt, das aber einen Vorteil hat: es liegt nur zwölf Kilometer vom Tegernsee entfernt. Und den Tegernsee, den kennen die Leute.

Also hat der Unternehmer Krutz das Naheliegende getan, er hat seine Grünanlage auf den Namen "Golfplatz Tegernsee" getauft. In der Hoffnung, dass so möglichst viele Leute den Weg nach Piesenkam finden. Ganz abwegig ist das nicht, schon gar nicht im Golfplatz-Gewerbe, wo es nie ganz ohne Prestige geht. Der Münchener Golf Club e.V. liegt schließlich auch nicht in München sondern in Straßlach-Dingharting. Ortsmarkenschwindel ist Teil des Geschäfts.

Nur sind die Dinge in Piesenkam etwas komplizierter. Karl-Heinz Krutz will nicht verraten, wie er auf den Namen für seinen Golfplatz gekommen ist. Aus einem einfachen Grund: Wegen der nicht ganz korrekten Ortsangabe hat der Golfplatz-Chef eine Klage am Hals. Eingereicht hat sie der in Bad Wiessee ansässige "Golfclub Tegernsee", der sich mächtig über die Konkurrenz von außerhalb ärgert. Eine Konkurrenz, die es erst seit einem Jahr gibt und die den fast identischen Namen trägt. "Die wollen sich mit dem Namen und dem Image schmücken", sagt Thomas Hübner, der Vorstand des Wiesseer Vereins. Er meint selbstverständlich das Image seines Vereins, der 1958 gegründet wurde und direkt am Tegernsee liegt.

Hübner erzählt, dass sich neuerdings einige Oberland-Golfer verfahren. Sie wollen eigentlich nach Bad Wiesee und bei Seeblick ein paar Bälle schlagen - stattdessen landen sie in Piesenkam, wo es keinen See gibt. Nur Wald und Wiesen. Schuld ist angeblich das Internet.

Gibt man nämlich bei Google "Golfclub Tegernsee" ein, bekommt man erst als zweiten Treffer den Wiesseer Verein angezeigt, obwohl der genauso heißt. Der erste Treffer ist der "Golfplatz Tegernsee". Hübner hat dafür eine Erklärung: Aus der Internetseite der Piesenkamer Konkurrenz gehe nicht klar hervor, dass bis zum Tegernsee ein paar Kilometer fehlen. Deshalb hat sein Verein eine Klage eingereicht, wegen Irreführung und Markenverletzung. Golfclub gegen Golfplatz.

Ob die Wiesseer damit Erfolg haben, ist ungewiss. Am Dienstag fand die Hauptverhandlung vor dem Münchner Landgericht statt. Angeblich ließ das Gericht eine gewisse Sympathie für die Wiesseer Lesart erkennen, eine Entscheidung wird es allerdings erst Ende August geben. Bis dahin haben die Streitparteien noch Zeit einen Kompromiss auszuhandeln. Wie der aussehen soll, will keiner sagen. Beide Seiten betonen, dass sie sich nicht zum Verfahren äußern wollen. Aus Sicht der Wiesseer ist die jetzige Situation allerdings untragbar.

Golfclub-Chef Hübner vermutet, dass die Verwechslung zu Lasten seines Vereins geht. Es führen deutlich mehr Gäste fälschlicherweise nach Piesenkam als andersherum. Und dort blieben sie dann auch, weil sie sich schon im Internet mit den entsprechenden Gutscheinen eingedeckt hätten. Unfreiwillig, wie Thomas Hübner betont. Er sagt: "Die Gäste sind erbost."

© SZ vom 14.07.2017/mmo

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