Am Tag nach dem Unfall auf dem Eibsee ist der Zustand eines 25-jährigen Mannes stabil, aber kritisch. Der Tourist aus Indien war am Donnerstag mit mehreren Menschen auf der Eisfläche des Sees am Fuß der Zugspitze eingebrochen. Auch am Morgen danach sei er noch immer in intensivmedizinischer Behandlung, sagte ein Polizeisprecher am Freitag.
Mehr als ein Dutzend Menschen sind am Donnerstag auf dem teils noch zugefrorenen Eibsee ins Wasser eingebrochen. Kurz vor 14 Uhr wurde das Polizeipräsidium Oberbayern Süd darüber informiert. Von einem Café sei das Ganze beobachtet worden, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums tags darauf. Demnach hätten mehrere Passanten bei der Polizei angerufen und den Unfall gemeldet.
Die Verunglückten waren Touristen aus Indien, insgesamt 16 Personen seien auf die Eisfläche des Sees bei Grainau gegangen. Drei Menschen seien vollständig durch die Eisdecke eingebrochen, sagte der Sprecher. Wie lange sich die drei jeweils im Wasser befunden hätten, könne man nur mutmaßen. Zeugen retteten die drei aus dem See. Der 25 Jahre alte Mann wurde schwer verletzt und musste reanimiert werden, wie die Polizei und auch das Bayerische Rote Kreuz (BRK) berichteten.
Den drei vollständig eingebrochenen Urlaubern, zwei Männern und eine Frau, kamen zwei Zeugen zu Hilfe, die die Situation vom Ufer aus beobachtet hatten. Die beiden Männer, ein 37-Jähriger aus Thüringen und ein 43-Jähriger aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen, nahmen ein Boot und holten alle drei Verunglückten aus dem Wasser, wie die Polizei berichtete. Danach kümmerten sich die alarmierten Rettungskräfte um die Verunglückten.
Der restliche Teil der Personen im Alter von 22 bis 29 Jahren war teilweise eingebrochen, die meisten konnten sich aber danach selbst ans Ufer retten.
Das BRK meldete insgesamt 14 Verletzte. Elf von ihnen galten demnach als leicht verletzt, beispielsweise durch Unterkühlungen. Zwei Personen hätten mittelschwere Verletzungen erlitten. Insgesamt vier Menschen seien in Krankenhäuser gebracht worden. Die übrigen Geretteten seien im Hotel am Seeufer betreut worden.Laut BRK und Polizei waren mehrere Hubschrauber, etliche Rettungswagen und auch die Feuerwehr im Einsatz. Zur Betreuung der Retter, Zeugen und Betroffenen waren auch Experten für psychosoziale Notfallversorgung vor Ort.
Fälle, dass Menschen einen zugefrorenen See betreten und daraufhin einbrechen, kämen selten vor, erklärte der Polizeisprecher am Freitag. „In dieser Größenordnung erst recht.“ Wieso die Gruppe den Eibsee betrat, wisse er nicht. Schließlich sei die Lufttemperatur weit über null Grad Celsius gewesen. Ein Erklärungsansatz sei aber, dass die Touristengruppe aufgrund ihrer Herkunft nicht genügend Kenntnisse über Deutschland und das Wetter gehabt habe.



Aufnahmen einer Wetter-Webcam an einem nahegelegenen Hotel zeigten am frühen Donnerstagnachmittag, dass mehrere Menschen trotz Temperaturen deutlich über dem Gefrierpunkt und bei strahlendem Sonnenschein auf der zugefrorenen Fläche unterwegs waren. Später waren dort auch Rettungskräfte zu sehen.
Behörden warnen bei den derzeit herrschenden, zweistelligen Plusgraden auch in den Bergen davor, das inzwischen dünne Eis zu betreten, vielerorts herrscht Betretungsverbot. Der Eibsee ist ein beliebter Tourismusort auf knapp 1000 Meter Höhe und gehört zur Gemeinde Grainau. Medienberichten zufolge hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Diskussionen um Menschen gegeben, die trotz entsprechender Warnungen das Eis des zugefrorenen Sees betreten hatten. Der See selbst ist in Privatbesitz.
Auch die Wasserwacht Bayern warnte in der laufenden Wintersaison davor, zugefrorene Seen zu betreten, wenn diese nicht von offizieller Stelle freigegeben sind. „Es besteht Lebensgefahr, wenn man sich auf diese Eisflächen begibt“, warnte der Landesvorsitzende Thomas Huber. „Bricht man ein, so erleidet man innerhalb weniger Minuten einen Kälteschock, der zum Ertrinken führen kann.“



