Almabtrieb in BayernNur Schifffahren ist noch schöner

Lesezeit: 2 Min.

In den kommenden Wochen werden, wie hier in Oberstaufen, in etlichen Orten im bayerischen Alpenraum die Tiere von den Bergweiden wieder ins Tal gebracht.
In den kommenden Wochen werden, wie hier in Oberstaufen, in etlichen Orten im bayerischen Alpenraum die Tiere von den Bergweiden wieder ins Tal gebracht.
Foto: Stefan Puchner/dpa

Im bayerischen Alpenraum werden in diesen Tagen und Wochen die Kühe von den Bergweiden ins Tal geholt. So manches Tier genießt dabei einen ganz besonderen Service.

Kolumne von Alexander Kappen

SZ bei Google bevorzugen

Noch bis Mitte Oktober werden in den bayerischen Bergen und benachbarten Alpenländern wieder die Kühe von der Weide geholt und zum Überwintern ins Tal gebracht. Almabtrieb, Alpabtrieb, Alpabfahrt, Alpabzug, Viehscheid oder Kiekemma – Namen gibt es im In- und Ausland dafür so einige. Einher geht das Ganze vielerorts mit traditionellen Feierlichkeiten mit Musik, Tanz und regionalen Gerichten.

Haben die Tiere die Almsaison unfallfrei überstanden, werden sie für diesen Feiertag mit Bändern, Blumen, Zweigen und Glocken festlich geschmückt und nach dem Abtrieb wieder ihren Besitzern übergeben. Doch der Weg dorthin kann zuweilen ein bisserl komplizierter sein. Nicht überall, wo es am Berg Almen gibt, stehen im Tal auch die passenden Verkehrswege zur Verfügung.

Am Königssee etwa kommen die Kühe nach ihrem Sommer in luftiger Höhe auf der Heimreise in einen ganz besonderen Genuss. Weil es keinen Fußweg zu und von den Almen gibt, werden sie jeden Herbst mit großen Transportschiffen, den „Landauern“, zurück ans Ufer der Seelände auf der Nordseite des Königssees gebracht. Sich gemütlich übers Wasser schippern zu lassen und dabei das Bergpanorama zu genießen, ist also keinesfalls das Privileg der zahlreichen Touristen in dieser Region.

Einen nicht minder exklusiven, wenn auch in seinem Leben wohl nur einmaligen Almabtrieb hat dieser Tage ein junger Stier im Chiemgau hinter sich gebracht. Genau genommen hätte er den Weg ins Tal gar nicht antreten sollen – weil er Berechnungen zufolge eigentlich noch gar nicht auf der Welt gewesen wäre. Wie der BR berichtet, wollte ein Bauer seine trächtigen Kühe von der Feichtenalm ins Tal bringen, musste dann allerdings feststellen, dass eine der werdenden Mütter ihren Geburtstermin eigenmächtig nach vorne verlegt hatte.

Ausgesucht hatte sie sich für die Niederkunft noch dazu eine denkbar ungünstige Stelle an einem Steilhang. Da zu dem abgelegenen Gelände keine befahrbaren Wege führten, trug der Bauer das Jungtier, das nicht selbständig stehen konnte, auf seinen Schultern zunächst hoch aufs Plateau.

Auch als der Landwirt dann die Kühe mit seinem Vater und einem Bekannten ins Tal trieb, genoss das Kalb seinen ganz besonderen Transportservice. Wobei die drei sich als Träger abwechselten. 40 Minuten Fußweg ins Tal können schließlich ganz schön anstrengend sein – zumindest, wenn man nicht das 35-Kilo-Kalb ist, das gemütlich auf den Schultern liegt, sondern derjenige, dem die Schultern gehören.

Dem Vernehmen nach sind Mensch und Tier wohl behalten unten angekommen. Und der junge Stier wird sich am Ende vermutlich gedacht haben: gar nicht anstrengend, so ein Almabtrieb. Nur Schifffahren ist vielleicht noch schöner.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Almwirtschaft in Bayern
:Die Wolfsjagd ist eröffnet

Zwei Wolfsrüden sind in den bayerischen Bergen nachgewiesen. Obwohl sie sich unauffällig verhalten, dürfen Jäger und Förster sie nun wieder jagen. Artenschützer sind entsetzt.

SZ PlusVon Christian Sebald

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: