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Endlager in Oberbayern:Überraschte Lokalpolitiker

Bei der Suche nach einem deutschen Atommüllendlager ist erstmals auch Oberbayern unter den möglichen Standorten. Für Politiker aus der Region sei die Nachricht "aus heiterem Himmel" gekommen.

Von Matthias Köpf, Rosenheim

Entgegen allen bisherigen Erwartungen schließt die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) bei der Suche nach einem deutschen Atommüllendlager auch weite Teile Oberbayerns nicht mehr aus. So scheinen im am Montag vorgelegten Zwischenbericht der BGE neben kristallinen Gesteinsschichten im nördlichen Oberbayern auch Tonschichten unter dem östlichen Landkreis Rosenheim und dem zum Kreis Traunstein gehörenden Chiemsee auf. Ähnliches gilt für Flächen in den Landkreisen Mühldorf und Altötting. Die Politik in der Region reagierte am Montag überrascht und einhellig ablehnend.

"Ich kann mir derzeit nicht vorstellen, dass der betreffende Bereich des Landkreises Rosenheim als Endlager tatsächlich geeignet ist", sagte etwa der Rosenheimer Landrat Otto Lederer (CSU) in einer ersten Reaktion. In den betroffenen Gemeinden lebten fast 40 000 Menschen. Unter anderem befinde sich dort mit der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte das älteste Naturschutzgebiet Bayerns. "Ich denke, dass nach der Beurteilung all dieser Kriterien diese Umgebung nicht mehr als Endlager in Betracht gezogen wird", sagte Lederer.

Ähnlich überrascht zeigte sich auch der Mühldorfer Landrat Max Heimerl (CSU): "Dass auch unsere Region geeignet sein soll, ist ein völliger neuer Aspekt in der Diskussion." Er gehe weiter davon aus, dass der Untergrund im Landkreis nicht geeignet sei. In Altötting demonstrierte Landrat Erwin Schneider (CSU) Gelassenheit. Er sei "sehr sicher, dass wir angesichts unserer Randständigkeit und Kleinheit bei den geeigneten Standorten bei den weiteren Präzisierungen sehr schnell wieder aus der Standortsuche herausfallen werden". Auch Traunsteins Landrat Siegfried Walch (CSU) merkte an, dass die betreffenden Flächen dort sehr klein sind. Daher und weil wichtige Kriterien nicht eingeflossen seien, sei es "schwer vorstellbar, dass der betreffende Bereich in unserer Region tatsächlich als Endlager geeignet ist".

© SZ vom 29.09.2020/kafe
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