Oberbayern:Wirtshaus, Kramerladen und Kirche sind der Kern der Hirnsberger Idylle

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Bad Endorf, Hirnsberg, schönstes Dorf Bayerns,

Die Lage ihres Dorfes auf einem Hügel über dem Simssee ist ein Geschenk. Wie sie damit umgehen, hat den Hirnsbergern nun alle Ehre gemacht.

(Foto: Angelika Bardehle)

Jetzt kann die Kramerin Renate Gottschall von ihrem Laden über rundliche Natursteine hinüber zur innen barockisierten Kirche gehen, wo sie als Nebenerwerbs-Mesnerin den anderen Teil ihres Einkommens verdient. 340 Seelen hat die Kirchengemeinde, sagt Regina Gottschall. Ungefähr 60 kämen im Schnitt zur Sonntagsmesse, und ein paar Evangelische gebe es auch. Zuzügler werden schnell integriert, aber viele davon gibt es nicht, denn ein neues Haus wurde in Hirnsberg zuletzt vor zehn Jahren gebaut, und auch das nur an einer Stelle, an der davor auch schon ein Haus gestanden ist.

Manche müssen aber auch wegziehen wie die junge Frau, die hinüber ins drei Kilometer entfernte Antwort geheiratet hat in dem Gefühl, für den Mann ihre Heimat zu verlassen. So erzählt es Andrea Stein. Sie hat vor fünf Jahren von ihren Eltern den Campingplatz unten am See übernommen. Dafür zog sie vom 20 Kilometer entfernten Griesstätt nach Hirnsberg. Inzwischen vertritt sie das Dorf als Ortssprecherin im Bad Endorfer Marktgemeinderat.

Die Dreieinigkeit aus Wirtshaus, Kramerladen und Kirche ist der Kern der Hirnsberger Idylle, aber für die zweite Hälfte des Dorf-Wettbewerbstitels, für "Unser Dorf hat Zukunft", hätte das nicht gereicht. Da heißt es, auf den Strukturwandel zu reagieren und den ländlichen Raum sozial und ökologisch weiterzuentwickeln. Genauer hat ihnen das Sepp Stein erklärt, der im Landratsamt in Rosenheim arbeitet und die treibende Kraft hinter der Bewerbung gewesen ist.

Für viele Hirnsberger ist Sepp Stein nur der "Apfesepp", wegen seines leidenschaftlichen Einsatzes für den Obst- und Kulturweg, der drüben auf der Ratzinger Höhe bis Prien führt. Der Spitzname hat sogar auf den Sohn abgefärbt, den "Apfeschorsch", obwohl der es gar nicht so hat mit den Äpfeln.

Vollerwerbsbauern gibt es nur noch einen im Dorf

Für den Senior würde nur Sepp jedenfalls nicht reichen, denn es gibt in Hirnsberg ja noch einen Josef, und auch der hat viel mit dem Strukturwandel und mit der Zukunftsfähigkeit des Dorfes zu tun. Josef Öttl hat seinen alten Lamplhof zur Hackschnitzel-Heizzentrale umgebaut und versorgt mit seiner Nahwärme die Kirche, das Pfarrhaus, den Kindergarten und vorerst zwei Wohnhäuser.

Dem Stall sieht man das nicht an, so wie man drüben beim Hintermoar auch kaum bemerkt, dass im Stall keine Kühe mehr sind, sondern eine Werkstatt für Landmaschinentechnik. Vollerwerbsbauern gibt es nur noch einen im Dorf und eine Handvoll drumherum. Alle haben vereinbart, es mit dem Maisanbau nicht zu übertreiben. Das ist auch gut fürs Trinkwasser, das in Hirnsberg immer noch aus einem eigenen Brunnen kommt. Ob sie sich dessen Sanierung noch leisten können, ist aber offen.

Mit der übrigen Infrastruktur sehen sich die Hirnsberger ganz gut versorgt. Statt der Schule gibt es immerhin noch einen weithin gefragten Kindergarten mit 25 Plätzen. Eine Stunde pro Woche hat die Dorfbücherei geöffnet, und die Jugend hat einen Bauwagen bekommen, der alle paar Wochen bei einem anderen Bauern auf der Wiese steht, gerade so weit weg vom Dorf, wie das Verlängerungskabel reicht. Und den Mast mit den Mobilfunk-Antennen sieht man wenigstens nicht von überall.

Mit dem Breitband-Internet ist es zwar nicht recht weit her, aber dafür hat der Ort für den Dorfwettbewerb eine Homepage bekommen, denn die Juroren haben auch gern was zum Anklicken. Den Hirnsbergern selber hätte der Jahreskalender gereicht, den die Blaskapelle immer an Silvester beim Jahrausblasen im Ort und an allen Gehöften ringsum verteilt.

Die Homepage haben sie jetzt halt, aber eins haben sie in Wolfgang Kirners Gaststube vor dem Besuch der Bundeskommission auch ausgemacht: Hochdeutsch gesprochen wird nicht, weil das dann doch bloß wieder so seltsam klingt. Und das mit dem Englisch und mit dem europaweiten Wettbewerb lassen sie auch. Denn die Hirnsberger wissen, wann es genug ist Und auch da, sagt der Woof, musst du immer dahinter sein.

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