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Oberbayern:19-jähriger Afghane zündet sich in Supermarkt an

  • Ein Asylbewerber aus Afghanistan hat sich in Gaimersheim in Oberbayern in einem Supermarkt angezündet und sich dabei lebensgefährliche Verletzungen zugezogen.
  • Ein Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrats sorgt sich um das Stimmungsbild, das sich bei Gesprächen mit jungen Afghanen abzeichne.

Von Dietrich Mittler

In der oberbayerischen Marktgemeinde Gaimersheim im Kreis Eichstätt hat sich am Montagmorgen gegen 7.10 Uhr ein 19-jähriger Asylbewerber aus Afghanistan in einem Supermarkt nahe der Pfarrkirche "Mariä Aufnahme" mit Benzin übergossen und angezündet. Nach Angaben eines Polizeisprechers erlitt er dabei lebensgefährliche Verletzungen.

Mitarbeiter des Supermarktes hatten den brennenden Mann entdeckt und sofort damit begonnen, die Flammen zu ersticken. Der 19-Jährige wurde von Rettungskräften in ein Krankenhaus gebracht. Nach Angaben des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord hatte der junge Flüchtling kurz nach Ladenöffnung den Supermarkt betreten und sich unauffällig in das Warenlager begeben.

Dort überschüttete er sich mit dem Kraftstoff, den er "zuvor selbst an einer Tankstelle gekauft hatte", wie die Polizei mitteilte. Die Motive für seine Verzweiflungstat seien derzeit noch unklar, hieß es. Der Betroffene habe überdies ein Messer mit sich geführt, dieses aber nicht benutzt.

Stephan Dünnwald, einer der Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrats, erklärte auf Anfrage, eine solche Entwicklung habe er bereits erwartet. Viele junge Afghanen stünden angesichts der sich häufenden Arbeitsverbote und der bereits vollzogenen Abschiebungen von Landsleuten "unter Strom". "Das sind nicht die Senegalesen, die mit großer Langmut Arbeitsverbote und alles andere über sich ergehen lassen", sagte er.

Das Stimmungsbild, das sich bei Gesprächen mit Afghanen abzeichne, sei besorgniserregend. "Ich erwarte nichts Gutes, das wird noch zunehmen, befürchte ich", sagte Dünnwald mit Blick auf weitere ihm bekannte Suizidversuche von afghanischen Flüchtlingen. Im konkreten Fall Gaimersheim müsse man aber erst einmal die Ermittlungen der Polizei abwarten, bis klar sei, welche Motive den 19-Jährigen zu diesem Suizidversuch angetrieben hatten.

Aus dem Kreis der örtlichen Flüchtlingshelfer, aber auch seitens der Gemeinde Gaimersheim wollte sich niemand zu dem Fall äußern. "Wir halten uns hier an die Absprache mit der Polizei", hieß es im Rathaus. In Gaimersheim (gut 11 500 Einwohner) sind derzeit nach Auskunft des Zweiten Bürgermeisters Günther Bernhardt circa 140 Asylbewerber in Containern untergebracht. Betreut werden sie unter anderem von Kräften des Caritas Migrationsdienstes in Eichstätt.

© SZ vom 03.01.2017/amm
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