Pilotprojekt im OberallgäuWie Sensoren in der Natur vor Katastrophen warnen sollen

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Die Natur im Allgäu ist oft idyllisch. Der Klimawandel kann das Leben für Menschen, Tiere und Pflanzen aber ungemütlich machen.
Die Natur im Allgäu ist oft idyllisch. Der Klimawandel kann das Leben für Menschen, Tiere und Pflanzen aber ungemütlich machen. Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Hochwasser, Starkregen – aber auch „Trockenstress“: Der Klimawandel ist angekommen im Oberallgäu. In einem Pilotprojekt will man nun das Wetter besser verstehen lernen. Und die Möglichkeit bekommen, Hochwasser oder Lawinenabgänge besser vorherzusagen.

Von Florian Fuchs, Augsburg

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Den Klimawandel spüren die Menschen im Oberallgäu schon länger: Mal kommt der Starkregen und mit ihm das Hochwasser, mal leiden die Tiere auf den Bergwiesen unter der Hitze oder die Pflanzen an Trockenstress. Insgesamt wird es wärmer und wohl auch feuchter, gerade im hochsensiblen voralpinen Raum im Allgäu aber spiele sich vieles mikroklimatisch ab, sagt Thorsten Metke. „Hier scheint die Sonne und 1500 Meter weiter regnet es“, so etwas kann schon vorkommen, erläutert der Klimamanager im Landratsamt Oberallgäu.

Unter solchen Bedingungen ist es eine Herausforderung zu erkennen, was auf die Natur und die Menschen zukommt. Ein Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit der TU München und einem Landschaftsplanungsbüro im Allgäu soll dem Landkreis dabei helfen: Metke und seine Kollegen von der Koordinationsstelle Klimaschutz im Landratsamt wollen Sensoren an strategisch bedeutenden Punkten im Landkreis ausbringen, etwa an Wildbächen. Die Elektronik soll Echtzeitdaten liefern, die einen digitalen Zwilling ergänzen, der die Infrastruktur des Landkreises abbildet und den das Landratsamt gerade erstellt. Das soll dem Landkreis nicht nur helfen, sich dem Klimawandel anzupassen, an einem entsprechenden Konzept arbeitet das Landratsamt. Im Notfall soll das System zum Beispiel auch vor Hochwasser warnen.

Das auf vier Jahre angelegte Projekt wird komplett vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert, die Förderzusage erwartet Metke innerhalb der nächsten Monate. „Ob Gesundheitsamt, Bauamt, Katastrophenschutz oder Klimaschutz, alle Abteilungen im Landratsamt arbeiten mit Daten“, sagt Metke. Diese Daten sollen zusammengeführt, sinnvoll miteinander verknüpft und gegliedert werden. Was gibt es an Infrastruktur im Landkreis, etwa mit dem Riedbergpass den höchsten Pass Deutschlands? Welche Daten gibt es zu Gefahrenquellen, wo etwa fanden in der Vergangenheit Murenabgänge statt, wo sind Lawinenabgänge wahrscheinlich? Ein digitaler Zwilling soll die gesamte Infrastruktur abbilden. Diese Daten will Metke mit Echtzeitdaten-Sensorik verknüpfen und live zur Verfügung stellen.

Sein Team von der Koordinationsstelle Klimaschutz ist deshalb mit vielen Akteuren im Gespräch zu der Frage, wo es Sinn ergibt, die insgesamt mehr als 100 Sensoren auszubringen. So sollen auch das Wasserwirtschaftsamt oder Naturschutzprojekte wie die Allgäuer Moorallianz Vorschläge abgeben. Wenn dann etwa ein Bachlauf kartiert ist, zeigt das System mittels eines Sensors den aktuellen Ablaufwert des Wassers an. Oder die Elektronik misst auf einer Weide, auf der Ziegen oder Rinder grasen, die Bodenfeuchte. „Wir können dann Schwellenwerte ansetzen“, sagt Metke. So würde die Anzeige von Grün auf Gelb wechseln, sobald die Bodenfeuchte signifikant abnimmt – und auf Rot, sobald sie einen kritischen Punkt erreicht. Wobei ein Sensor nicht nur ein Merkmal misst: Luftfeuchtigkeit, Niederschlag, Grundwasserabfluss, Oberflächenabfluss, die Elektronik überträgt immer ein Merkmalbündel. Kameras mit Livebildern sind im System nicht vorgesehen.

Die Sensoren helfen, Gefahren eines Hochwassers schneller zu erkennen

Bei Starkregen-Ereignissen könnte man so anhand der Echtzeit-Daten schneller auf Überschwemmungen reagieren, die sich oft aus kleinen Bächen speisen. Zeigen die Daten, dass der Wasserlauf eines solchen Zulaufs rapide anschwillt, so steigt das Hochwasser-Risiko an dem größeren Fluss, in den der Zulauf mündet. „Man könnte besser reagieren“, sagt Metke. Je mehr Informationen der Katastrophenschutz erhält, desto effektiver kann er eingreifen. Wobei die Daten möglichst vielen Akteuren zur Verfügung stehen sollen, im Landratsamt etwa würden zahlreiche Abteilungen profitieren: Hitzestress ruft das Gesundheitsamt auf den Plan, Trockenstress und der damit einhergehende Wassermangel für das Vieh auf den Weiden das Veterinäramt. Auch die Bauämter könnten ihre Planungen anpassen.

Es sei geplant, die Erkenntnisse aus den Messungen auch über das Landratsamt hinaus zu teilen, sagt Metke, etwa mit Kommunen oder Verbänden. Allerdings müssten noch einige Fragen der Implementierung geklärt werden, teils handelt es sich um vertrauliche Daten. Zuallererst müssen Klimamanager Metke und sein Team nach der Förderzusage aber die Software füttern, also den digitalen Zwilling vervollständigen. „Und am Ende müssen wir die Sensoren geschickt ausbringen, um möglichst viel Nutzen zu haben“, sagt Metke.

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